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London verbietet sexistische Werbung in Bus und U-Bahn


Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan verbietet Werbung, die unrealistische Körperbilder transportiert – und dazu beiträgt, dass Frauen ihren Körper ablehnen.

Vorstoß gegen den Selbsthass

Während der deutsche Justizminister Heiko Maas kürzlich kläglich mit seinem Vorstoß gescheitert ist, sexistische Werbung abzuschaffen, hat Londons Bürgermeister Sadiq Khan Fakten geschaffen: Er verbietet Werbung im öffentlichen Nahverkehr, die die Fahrgäste mit unrealistischen Körperbildern konfrontiert. Und das heißt in den allermeisten Fällen: Frauen. Der Frauenkörper gilt schließlich immer noch als unschlagbares Verkaufsargument.

Sadiq Khan erklärte, dass der Londoner Nahverkehr keine Werbung mehr zeigen wird, die vor allem bei jungen Leuten dazu führen kann, dass sie ihren eigenen Körper ablehnen. Models in Wäsche oder Badekleidung werden ab dem 1. Juli 2016 nicht mehr in Bussen, Bahnen oder an Haltestellen zu sehen sein.

„Ich bin sehr besorgt über diese Art von Werbung"

Der Bürgermeister, selbst Vater zweier Mädchen im Teenager-Alter, schreibt auf seiner Website: „Ich bin sehr besorgt über diese Art von Werbung, die Menschen, vor allem Frauen, erniedrigen und die dazu führen kann, dass sie sich für ihren Körper schämen. Es war höchste Zeit, dem ein Ende zu setzen.“

Schon 2015 war die Werbung in der Londoner „Tube“ ein großes Thema: Auf einem Plakat von “Protein World”, das für ein Abnehmpulver warb (siehe oben), stand eine langhaarige Blondine breitbeinig im Bikini mit operierten Brüsten, gephotoshopter Taille und geöffnetem Mund da und fragte: “Are you beach body ready?” („Hast du schon deine Bikinifigur?“). Die Werbung hatte Proteste im Hyde Park ausgelöst und eine Petition bei Change.org veranlasst, die mehr als 70.000 Mal unterschrieben wurde.

Auch auf Twitter warb der Bürgermeister für seinen Vorstoß:

Überlegt euch doch mal was Neues!

“Wir wollen zu großartiger Werbung ermutigen, die die Leute anspricht und dem öffentlichen Nahverkehr zuträglich ist“, schreibt Khan weiter auf seiner Seite.

Auch wir finden: Es ist höchste Zeit, dass die angeblich so kreativen Köpfe in den Werbeagenturen sich Alternativen zum idealen Frauenkörper im Nimm-mich-Gestus überlegen. Denn nicht nur Mädchen, auch Jungs und und junge Männer sollten nicht unbedingt täglich mit Werbung konfrontiert sein, die die Botschaft transportiert: Frauen haben jung, schön, sexy, schlank, makellos und immer bereit zu sein. Das ist zwar ganz schön viel, was da von uns Frauen verlangt wird, aber ein bisschen einseitig ist es dann doch.

sar

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