Wenn die Beziehung nicht Liebe, sondern Gewalt bedeutet

Hingucker: Eine Kampagne, die sich die bekannte Parship-Optik zunutze macht, ermutigt Frauen, sich aus ihrer Gewaltbeziehung zu befreien. 

Frauen müssen ermutigt werden, sich Hilfe zu holen

Fast jeden Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner getötet. Das besagt die erschütternde Statistik des Bundeskriminalamtes. Frauen sind von häuslicher Gewalt mehr bedroht als durch andere Gewaltdelikte wie Körperverletzung mit Waffen, Wohnungseinbruch oder Raub. 


Aus diesem Grund ist es äußerst sinnvoll, Frauen zu ermutigen, sich aus ihrer Gewaltbeziehung zu befreien. Anlässlich des "Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen" am 25. November hat der Hamburger Senat eine Kampagne gestartet, die Frauen erstmals nicht als Opfer inszeniert - sondern als Menschen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich Hilfe holen statt stumm ihr Leid zu ertragen.

Im Vorfeld der Kampagne wurden Expertinnen in Frauenhäusern und Beratungsstellen gefragt, was sie sich als Botschaft wünschen. Diese regten an, Frauen nicht länger als Opfer darzustellen, sondern sie zu ermutigen, sich aus ihrer Gewaltbeziehung zu befreien.

Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single auf Parship? Alle 5 Minuten wird eine Frau Opfer häuslicher Gewalt!

Herausgekommen ist ein Plakat, das eine Frau in altbekannter Parship-Optik zeigt. Doch daneben steht nicht die Behauptung: „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single auf Parship“, sondern die Feststellung: „Alle 5 Minuten wird eine Frau Opfer häuslicher Gewalt.“

Darunter findet sich ein Hinweis zur Website aus-weg.de mit der Aufforderung: „Geh jetzt.“ Auf der Seite www.aus-weg.de ist dann dieselbe Protagonistin wie auf dem Parship-Take-Over zu sehen – allerdings nicht mehr als Opfer, sondern als Vorbild: Sie und andere Betroffene erzählen in Video-Clips, wie sie sich aus ihren gewalttätigen Beziehungen befreit haben.

Die beauftragte Werbeagentur hat Parship um Erlaubnis gefragt, die Plakatoptik zu kapern - nach kurzem Zögern willigte die Partnervermittlungsbörse ein. 

Gewalt in Paarbeziehungen - die Fakten

  • Heterosexuelle Frauen und Männer erleben in etwa gleich häufig Gewalt, aber Frauen erleben deutlich häufiger als Männer systematische und schwere Gewalt; diese Gewalt geht mit Macht, Einschüchterung und Kontrolle einher. 

  • Die Mehrheit der Täter und Opfer von schwerer Misshandlung kommen aus dem mittleren und höheren Bildungssegment, sind nicht erwerbslos, haben keinen Migrationshintergrund und befinden sich nicht in schwierigen sozialen Lagen. 

  • Etwa jede vierte Frau erlebt Gewalt durch einen Partner oder Ex-Partner. 

  • Frauen sind von häuslicher Gewalt mehr bedroht als durch andere Gewaltdelikte wie Körperverletzung mit Waffen, Wohnungseinbruch oder Raub.
  • Frauen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen sind zwei bis drei Mal häufiger betroffen als die Frauen in der Gesamtbevölkerung. 

  • Frauen mit Migrationshintergrund erleben schwerere Gewalt. 

  • Laut Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2015 rund 127.400 Personen Opfer von Partnerschaftsgewalt.
 Dies umfasst die Straftaten Mord, Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking. 
Davon waren 82 Prozent Frauen.
  • Fast die Hälfte von ihnen (49 Prozent) lebte zum Tatzeitpunkt mit dem Täter in einem Haushalt. 


Wo gibt es Hilfe?

  • Das Hilfetelefon (08000 116 016) bietet rund um die Uhr kostenlos Unterstützung. 2016 wurde es rund 81.800 Mal kontaktiert.
  • Frauenhäuser: 2016 kamen 1.641 Frauen allein in Hamburger Frauenhäusern unter.

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