Flüchtlinge in Deutschland: Woher sie kommen, wie sie leben

Unsere interaktive Grafik zeigt, wie viele Flüchtlinge 2010 in Deutschland Asyl beantragt haben und aus welchen Ländern sie kommen. Plus: Worunter leiden vor allem die Kinder?

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Wie viele Flüchtlinge kommen pro Jahr nach Deutschland?

Ein Durchschnittswert sagt hier wenig aus: Schließlich hängen die Flüchtlingszahlen unter anderem von der weltweiten Konfliktlage ab, sie schwanken also extrem. Ein Beispiel: 1992, zu Hochzeiten des Balkankonflikts, stellten 438.191 Menschen einen Asylantrag in Deutschland, 2007 waren es dagegen nur noch 19.164. Seit drei Jahren steigt die Zahl der Flüchtlinge allerdings wieder kontinuierlich an. 2010 hatten 41.332 Menschen in Deutschland Asyl beantragt - fast jeder Dritte davon war jünger als 16. Im Jahr 2011 haben bis September 36.275 Menschen Asyl beantragt. Den größten Zuwachs gab es bei Anträgen aus Syrien (7,3%) und Pakistan (7%).

Wo kommen die Flüchtlinge unter?

Wer in Deutschland Asyl sucht, wird nach einem komplizierten System (das sich u.a. nach der Bevölkerungszahl der Bundesländer richtet) zunächst auf Erstaufnahmeeinrichtungen in ganz Deutschland, später auf Gemeinschaftsunterkünfte verteilt. 2010 landeten beispielsweise die meisten Flüchtlinge in Nordrheinwestfalen (25%), gefolgt von Bayern (15%) und Baden-Württemberg (11%). Je nach Bundesland dauert es dann zwischen wenigen Monaten (Berlin) und mehreren Jahren (z.B. Bayern) bis man aus den oft sehr beengten Lagern in eine eigene Wohnung ziehen darf.

Worunter leiden vor allem die Kinder?

Traumata: Viele Flüchtlingskinder haben in ihren Heimatländern oder auf der Flucht Gewalt, Folter oder Haft erleben müssen. Manche wurden sogar Zeuge, wie Eltern, Geschwister oder Freunde getötet wurden. Kein Wunder, dass viele unter Ängsten oder postraumatischen Belastungsstörungen leiden. Leider werden solche Traumata wegen der mangelhaften medizinischen Versorgung während des Asylverfahrens oft nicht ausreichend oder viel zu spät behandelt. Manche Ängste verfestigen sich dann und belasten die Kinder bis ins Erwachsenenalter.

Lagerleben: Unter dem Leben in den engen und oft dreckigen und lauten Gemeinschaftsunterkünften leiden vor allem die Kinder. Hier gibt es kaum Platz zum Spielen und Hausaufgaben machen, Toiletten und Waschräume müssen sie sich meist mit Erwachsenen teilen. Dazu kommen die ständigen Konflikte mit den oft extrem gestressten anderen Lagerbewohnern. Auch die Eltern der Kinder sind oft selbst zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, um Halt und Geborgenheit zu geben.

Angst vor Abschiebung: So lange das Asylverfahren läuft und auch später, als so genannter geduldeter Flüchtling, droht Flüchtlingen immer wieder die Abschiebung aus Deutschland. Das stresst nicht nur die Eltern enorm, sondern auch die Kinder: 88 Prozent gaben bei einer Studie in Hamburg an, sich vor einer Abschiebung zu fürchten. 86 Prozent wollten nicht mehr zurück in ihr Heimatland.

Nachteile bei Bildung und Ausbildung: Längst nicht in allen Bundesländern gibt es eigene Klassen für Flüchtlingskinder, in denen sie deutsch lernen können, bevor sie in eine normale Schule wechseln. Hänseleien und schlechte Noten sind da oft vorprogrammiert. Auch die Schulpflicht ist für Flüchtlingskinder nicht einheitlich geregelt: In Hessen gilt sie z.B. noch immer nicht für Kinder mit ungesichertem Aufenthaltsstatus. Das führt z.B. dazu, dass manche Kinder dem Unterricht fern bleiben und stattdessen für ihre Eltern Behördengänge erledigen. Hat ein Flüchtlingskind trotzdem die Schule erfolgreich abgeschlossen, folgt die nächste Hürde: Es reicht nicht, einfach einen Ausbildungsplatz zu finden. Der künftige Ausbilder muss einem zudem die Stelle zunächst offiziell zusichern, erst dann gibt’s die nötige Arbeitserlaubnis. Ein Verfahren, das viele Firmen abschreckt.

Grafik: Per RabeInfos: Kristina Maroldt

Wer hier schreibt:

Kristina Maroldt
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