In UK kannst du deine Periode jetzt einfach verschieben: Warum ich hoffe, dass die Holiday-Pille nicht nach Deutschland kommt

In Großbritannien ist es jetzt denkbar einfach, seine Periode zu verschieben. Das Medikament dafür kann man sich ganz einfach in der Apotheke holen. Kommt die Holiday-Pille auch nach Deutschland? Bitte nicht!, sagt unsere Redakteurin.

Es war das erste Mal, dass meine Periode dieses Jahr direkt mit meinem Urlaub zusammenfiel. Hätte ich sie gerne verschoben? Aber ja. Ich habe sogar das Internet durchsucht, um keinen Natur-Trick auszulassen, damit meine Tage mir ein paar Tage mehr ohne sie gönnen. Spoiler: Haben sie nicht. Meine Periode kam an dem Tag, an dem ich sie erwartet hatte. Da musste ich eben durch.

Hätte ich eine Wahl gehabt? Durchaus. Denn abgesehen von natürlichen Hausmitteln gibt es Hormone, mit denen man die Periode tatsächlich um ein paar Tage verzögern kann. Und ich rede nicht von der Anti-Baby-Pille, die man einfach einen Monat durchnimmt. Sondern von einem Medikament mit dem Wirkstoff Norethisteron. Das Gestagen nimmt man drei Tage vor fälliger Periode ein ­– und kann es bis zu zwei Wochen einwerfen, um die Blutung zu verschieben. Das wird einem im Internet sofort empfohlen, will man die Periode verschieben.

Das folgende Video erklärt dir, wie du deine Periode noch um einige Tage nach hinten verschieben kannst.

In die Apotheke gehen, Pille holen, Periode verschieben 

Besagte Holiday-Pille ist in Großbritannien nun denkbar einfach zu haben. Du musst lediglich in eine Apotheke gehen, dich beraten lassen und schwupps bekommst du ein Online-Rezept ausgestellt und gehst mit Pille und ohne Periode wieder nachhause. Diese News ging diese Woche durch britische Medien. Eigentlich ist das Vorgehen eine Reaktion auf den Ärztenotstand – und damit eine schlechte Neuigkeit. Frauen freuen sich trotzdem. Kann ich verstehen. Trotzdem hoffe ich, dass diese Neuerung nicht nach Deutschland kommt. Nicht nur, weil das Medikament Nebenwirkungen hat. Sondern weil ich es bedenklich finde, dass Hormone wie Drops gelutscht werden.

Glücklicherweise ist eine ähnliche Holiday-Pille-Regelung hierzulande sehr unwahrscheinlich. Denn auf Nachfrage beim Berufsverband der Frauenärzte erfahre ich: Norethisteron ist in Deutschland nicht mehr erhältlich. Man kann es jedoch nach wie vor per Online-Rezept über internationale Apotheken bestellen. Wieso das nicht ungefährlich ist, erklärt Dr. med. Albring vom Berufsverband der Frauenärzte e.V.:

Die quasi unkontrollierte Einnahme von Norethisteron und die in den UK-Boulevardmedien aktuell verbreitete Botschaft, die Frau könne damit ständig ihren Zyklus verlegen, bergen deutliche Risiken für die Patientin.

Bei Thrombosegefahr, Lebererkrankungen oder einer frühen Schwangerschaft darf Norethisteron beispielsweise keinesfalls eingenommen werden. Diese Faktoren kann ein Arzt jedoch nicht ausschließen, wenn er "gar nicht vor Ort ist, die Patientin weder kennt, noch untersucht hat“, gibt Dr. Albring zu Bedenken.

Brauchen wir überhaupt eine Holiday-Pille?

Mittlerweile existiert gegen jedes Leiden eine Pille. Die wird eingeschmissen. Man muss ja weiter funktionieren. Was man dabei vergisst, ist, dass es meist einen Sinn hat, wenn der Körper sich bemerkbar macht. Die Menstruation bekommt man ­– vorausgesetzt, man nimmt nicht die Pille ­– nicht zum Spaß. Dein Unterleib will dich nicht ärgern, er will das unbefruchtete Ei inklusive Gebärmutterschleimhaut loswerden. Wird ihm das mit Medikamenten verwehrt, kann der Körper protestieren: "Unter der Einnahme von Norethisteron kann es zu Schmierblutungen kommen, und das Risiko wird umso größer, je länger das Präparat eingenommen wird. Dann sollte man den Versuch beenden“, klärt Dr. Albring auf. Zudem kann es zu Kopfschmerzen und Flüssigkeitsansammlungen kommen. Die Nebenwirkungen können uns letztendlich stärker beeinträchtigen, als die Menstruation. Und selbst wenn nicht: Das Gestagen greift vehement in den Zyklus ein und hinterlässt ein Hormonchaos.

Wir müssen nicht immer funktionieren. Ja, ich hätte meine Periode dieses Jahr mehrfach gerne verschoben. Ja, auch ich habe darüber nachgedacht, Medikamente zu nehmen. Und mich dagegen entschieden. Denn ob es mir passte oder nicht: Die Menstruation gehört nun einmal zu mir und meinem Körper. Ich möchte meinen Körper nicht verändern müssen, weil seine Aktivitäten nicht zum modernen Lebenswandel passen. Viel logischer wäre es doch, sein Leben wieder der Gesundheit anzupassen. 

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