Hundekotbeutel vs. Öko-Gewissen - passt das zusammen?

Unsere Kolumnistin arbeitet an ihrer persönlichen Öko-Bilanz. Nur: Wie passen die vielen Gassibeutel, die sie für ihre Hunde braucht, dazu?

Noch vor einigen Jahren hatte ich eine durch und durch gesunde Beziehung zum Gassibeutel. Sie waren meine kleinen knisternden Begleiter, ich holte sie mit großer Geste hervor, damit jede Passantin und jeder Passant sah, dass ich Verantwortung für die Hinterlassenschaft meiner Hunde übernahm und Sorge für die Umwelt trug. Dann brachte ich sie lässig zum nächsten Mülleimer. Korrektes, ökologisches Verhalten, so weit.

Politiker als Babysitter

Egal wie man es macht, ist es falsch

Heute ist es genau andersherum: Hockt sich einer der Hunde hin, krame ich dezent in meiner Tasche, falte leise den Beutel auf, stülpe ihn in einer schnellen Bewegung über den Knödel und trage ihn in der hohlen Hand verborgen zum Müll. Denn ich verbrauche Plastik. Ich, die ich unverpackt kaufe und Joghurtbecher in Familiengröße, die ich demütig leerlöffle, obwohl ich viel lieber ein kleines 100-Gramm-Schälchen gehabt hätte. Ich, die ich verstanden habe, wie todernst die Klimasache ist. Ich verschwende Plastik.

Ich weiß, dass schon Hundehaltung an sich eine Umweltsünde ist – der Fleischverzehr, das Gejuckel mit dem Auto zum Hundewald … Bislang steuerte ich mit eigenen Maßnahmen (Gemüseküche, ÖPNV) dagegen, aber der Gassibeutel ist durch nichts zu kompensieren, nicht durch den Verzicht auf Plastiktüten beim Einkauf, nicht durch To-go-Becher-Abstinenz.

Der Gassibeutel ist der Altar, auf dem Hundebesitzer*innen ihre Klimaziele opfern.

Oft versuche ich, wenigstens so wenige Beutel wie nötig zu benutzen, indem ich abwarte, ob sich beide Hunde zeitnah hinhocken. Man hält die Sache dann eine Weile in der Hand; es sind Momente, in denen man flach atmet.

Aber selbst die doppelte Beladung schafft nur geringe CO2-Entlastung. Angeblich werden mehr als 500 Millionen Beutel pro Jahr in Deutschland verwendet, die meisten werden mit dem Hausmüll verbrannt. Und selbst wenn ich kompostierbare Beutel aus Maisstärke nehme, die gerade sehr im Kommen sind – es bringt nichts, Beutel dieses Inhalts sind nicht wiederverwertbar.

Manchmal habe ich jetzt ein kleines Schäufelchen dabei und vergrabe die Hinterlassenschaft. Eine Lösung ist das auch nicht, welche Parkbesucher* innen wandern schon gern auf Wegen, die von Hundekot unter höhlt sind? Oder ich entscheide je nach Größe, ob eine Mitnahme zwingend erforderlich ist. Nur: Auch eine kleine Tretmine birgt Sprengkraft unterm Schuh. Dazu der soziale Effekt:

Das ohnehin wacklige Image der Hundehalter*innen leidet, wenn sie Kot, wenn auch aus guten Gründen, im Gebüsch entsorgen.

Eine Lösung wird es so schnell wohl nicht geben

Ich glaube, Gassibeutel sind eines dieser Öko-Dilemmata, die trotz größter persönlicher Mühen nicht auflösbar sind, ähnlich wie die Entscheidung zwischen eingeschweißter Biogurke oder unverpackter Pestizidgurke.

Nur kann man auf Gassibeutel nicht so einfach verzichten wie auf Gurken. Die Hunde können nichts dafür, sie machen ihr Häufchen in aller Unschuld und mit gottergebenem Blick. Vielleicht hilft es, in die Öko-Bilanz einen emotionalen Faktor einzubauen: Jedes Lächeln, das mir meine Hunde entlocken, schickt, buddhistisch gesehen, einen kleinen positiven Impuls in die Welt. Das verändert zumindest das soziale Klima. Ich finde, so kann man das auch sehen.

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BRIGITTE Woman 9/2019

Wer hier schreibt:

Meike Dinklage
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