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Hyperfemininity Warum die Farbe Pink und Barbie jetzt feministische Symbole sind

Warum die Farbe Pink und Barbie jetzt feministische Symbole sind
© master1305
Rosa für Mädchen, blau für Jungs – Stereotype, die es zu vermeiden gilt! Oder? Weiblichkeit und Feminismus, etwas, das sich jahrelang abschätzend gegenüberstand. Waren feministische Vorreiterinnen noch darauf bedacht, die weibliche Seite möglichst zu verschleiern, werden die einst anti-feministischen Symbole wie Barbie und die Farbe Pink heute gefeiert. Willkommen im Zeitalter des Hyperfemininity.

"Ich stehe in der Tradition der 'Radikalen', die an die Wurzeln gehen und jegliche Rollenzuweisung im Namen des biologischen Geschlechts ablehnen. Meine Utopie ist der ganzheitliche Mensch, mit gleichen Rechten und Chancen für alle. Die Hälfte der Welt für die Frauen und die Hälfte des Hauses für die Männer!" steht unter "Mein Feminismus" auf der Internetseite von Alice Schwarzer.  

Weiblichkeit steht im Zeichen des Feminismus

Die Journalistin und Buchautorin gilt als Vorreiterin des feministischen Kampfes in Deutschland. Die Praxis der Radikalen hat zum Ziel, die Geschlechterrollen aufzuheben und so gleiche Rechte und Chancen zu schaffen. Ein grundsätzlich guter Ansatz. Da scheint es zunächst skurril, dass junge Frauen immer häufiger genau das feiern, was lange Zeit als antifeministisch galt: das Bild von Weiblichkeit.

Noch vor wenigen Jahren galt es quasi als aktivistisch, sich von Frauen abzuwenden, die sich betont weiblich kleideten und gaben. Sie galten als nicht ernst zu nehmend, schwach und teilweise sogar dumm. Doch sich gegen andere Frauen zu stellen hat im Umkehrschluss die Folge, dass genau jene Narrative bestärkt werden, die der Feminismus versucht zu durchbrechen: stereotype Rollenbilder. Damals galt: Wer sich von dieser Art Frau abwandte, hatte bessere Chancen selbst respektiert zu werden – auf Kosten anderer.

Margot Robbie als Barbie im neuen Film. 
Margot Robbie als Barbie im neuen Film. 
© ZUMAPRESS.com / Mattel Films

Hyperfemininity: Gleichbehandlung statt Herabwürdigung

Dieses "ich bin anders als andere Frauen" ist heute nicht mehr angesagt. Anstatt andere herabzusetzen, sollen alle gleichbehandelt werden. Jede:r soll das Recht erhalten, sein:ihr Leben selbst gestalten zu können. Und dabei ist es egal, ob sich eine Frau für ihre Karriere entscheidet, lieber Hausfrau und Mutter ist, ihre künstlichen Nägel oder die Farbe Pink liebt. Dieser gleichberechtigte Feminismus wird unter Hyperfemininity zusammengefasst.

Statt kämpferisch auf die Straße zu gehen, starten viele Bewegungen heute als Trend im Internet – und verschwinden in der Regel so schnell, wie sie kamen. Die Hyperfemininity-Bewegung scheint jedoch das Potenzial zu haben, die Kurzlebigkeit des Internets zu überstehen. Das mag in erster Linie an einer klaren, sehr humanistischen Grundhaltung liegen: Alle sind gleich. Denn: Es geht weder darum, eine Gruppe von Menschen auf ein Podest zu stellen, noch eine andere vom Thron zu stoßen. Jede:r darf so aussehen wie er:sie möchte, ohne dafür belächelt oder gar abgewertet zu werden. Es gilt hinter die Fassade zu schauen und den Menschen zu sehen – etwas, was in den vergangenen feministischen Dekaden zum Teil versäumt wurde.

Hyperfemininity – eine Bewegung, die bleibt?

Hyperfemininity ist im Prinzip die Antwort auf das, was der Feminismus bewirken möchte: Eine Gleichbehandlung aller Menschen – ohne auf bestimmte Schönheitsideale oder gesellschaftliche Normen Rücksicht nehmen zu müssen. Misogynie hat keinen Platz mehr. Der moderne Feminismus umfasst unlängst nicht mehr nur Frauen, die für die Gleichberechtigung in einer männerdominierten Gesellschaft kämpfen. Viel mehr stehen heteronormative Frauen und Männer an der Seite der Queeren-Community, die wiederum gemeinsam als Allies auf "Black Lives Matter"-Demonstrationen mitlaufen, sich mit ihrer weißen Vergangenheit auseinandersetzen, um dann wieder jene zu unterstützen, die im Kampf um Frauenrechte ihre Haare abschneiden. Es geht um das Zusammen.

Hyperfemininity könnte daher eine Brücke zum intersektionalen Feminismus schaffen. Eine wichtige Herangehensweise, die betont, dass Diskriminierung nur dann hinreichend analysiert werden kann, wenn alle Kategorien – unter anderem Geschlecht, Ethnizität, Klasse, Religion, Weltanschauung, sexuelle Orientierung, Gesundheit, Alter – in gleicher Weise berücksichtigt werden, denn sie bedingen sich gegenseitig. Nur so kann erkannt werden, dass verschiedene Formen von Diskriminierung wie Sexismus und Rassismus gleichzeitig erlebt werden können. Denn: Das Geschlecht ist nicht die einzige Kategorie, die das Leben von Menschen bestimmt.

Vorreiterinnen wie Alice Schwarzer haben mit dem Ansatz die "Rollenzuweisung im Namen des biologischen Geschlechts abzulehnen", viel geleistet und den feministischen Kampf vorangetrieben. Die Aufgabe dieser Generation wird es sein, die Kämpfe nicht auf verschiedenen Schlachtfeldern zu führen, sondern sich zusammenzutun, um irgendwann an den Punkt zu gelangen, an dem jeder Mensch sein kann, wie er ist – und gleichzeitig ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft.

Verwendete Quellen: unwomen.de, hdkv.de, aliceschwarzer.de, nylonmag.de, emotion.de

Brigitte

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