Carolin Silbernagl: Eine Domain gegen Aids

Carolin Silbernagl ist die Leiterin der Initiative "dotHIV". Sie hat erreicht, dass es ab 2014 die ersten Websites mit der Endung .hiv geben wird - für einen guten Zweck.

Carolin Silbernagl

Wer sie ist: Carolin Silbernagl leitet den gemeinnützigen Verein "dotHIV". Gemeinsam mit ihrem Team hat sie durchgesetzt, dass es ab 2014 die ersten Internetseiten mit der Endung .hiv geben wird. Diese Endung, auch Top-Level-Domain genannt, dient einem guten Zweck. So wird mit dem Verkauf der .hiv-Endung an Internetseiten Geld für die Bekämpfung von Aids gesammelt und gleichzeitig Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt. Mit der medialen Kampagne erschaffen Carolin Silbernagl und ihr Team die "Rote Schleife des digitalen Zeitalters".

Woher sie kommt: Ob bei der Schülerzeitung oder im Studierendenrat: Für Carolin Silbernagl, geboren 1981 in Passau, war ehrenamtliches Engagement immer selbstverständlich. Nach ihrem Studium arbeitete sie für die gemeinnützige Robert-Bosch-Stiftung und anschließend für die Stiftung der deutschen Wirtschaft. Dort betreute sie Unternehmensgründungen von Studenten und beschäftigte sich viel mit Start-ups und sozialem Unternehmertum. Ihre Chance, selbst eine soziale Initiative aufzubauen, bekam Carolin Silbernagl dann unerwartet an einem Nachmittag auf der Couch. Sie hatte Freunde zu Besuch, die ihr erzählten, dass der Internetdachverband ICANN in den USA plane, neue Domain-Endungen einzuführen. So entstand die Idee, die Endung .hiv vorzuschlagen und sie für einen guten Zweck einzusetzen. 2011 gründeten sie den gemeinnützigen Verein "dotHIV".

Was sie auszeichnet: Um die Idee von der ersten sozialen Domain-Endung wahr werden zu lassen, mussten Carolin Silbernagl und ihre Freunde erstmal den Internetdachverband von ihrem Konzept überzeugen. Dieser hat strenge Kriterien festgelegt, die eine Top-Level-Domain erfüllen muss. Zudem kostet allein die Bewerbung um eine Domain-Endung 185.000 US-Dollar. In dem Lizenzvergabeverfahren, an dem Silbernagl mit ihrem Verein teilnahm, waren sie die einzigen Bewerber, die einen sozialen Zweck anstrebten. "Kein sozialer Verein war so verrückt, eine derart hohe Summe in die Bewerbung zu investieren", erzählt sie. Doch ihr Mut zahlte sich aus: Im zweiten Quartal 2014 wird die Endung .hiv online gehen.

So funktioniert "dotHIV": Jede Website, die ihre Endung .com, .net oder ähnliches mit der neuen Top-Level-Domain ersetzen möchte, bezahlt einmalig 129 Euro, die für die Bekämpfung von Aids eingesetzt werden. "Für große Unternehmen, die mehr in das Projekt investieren möchten, gibt es aber alternative Finanzierungsmodelle", betont Carolin Silbernagl. Die Idee kommt an: Mittlerweile haben sich 8000 Seiten für die Endung .hiv vorregistriert. Darunter auch große Unternehmen wie Levi Strauss oder die Aids-Stiftung "MTV Staying Alive Foundation".

Wie sie Beruf und Familie vereinbart: Im Oktober 2013 brachte Carolin Silbernagl ihren Sohn Jonas auf die Welt. Schon während der Schwangerschaft war die Geschäftsführerin in den USA, Südafrika und China unterwegs. Als Leiterin eines gemeinnützigen Vereins ein kleines Kind zu haben, ist für Silbernagl Fluch und Segen zugleich. "Ich kann keinerlei Pause machen, weil wir noch mitten in der Anfangsphase stehen. Aber immerhin kann ich mir meine Zeit frei einteilen. Auch, wenn ich meine Mails dann manchmal erst um drei Uhr nachts beantworte", erzählt sie. Sie und ihr Mann Rainer haben außerdem von Anfang an klare Absprachen getroffen und teilen sich zum Beispiel die Elternzeit. Trotz der Doppelbelastung würde Carolin Silbernagl ihren Job nie aufgeben - auch, wenn sie in dem Verein nur die Hälfte von dem verdient, was sie früher in der Stiftungsarbeit an Gehalt bekam. "Der Verein ist kein Job für mich, es ist eine Lebensaufgabe. Seit drei Jahren stecke ich meine ganze Kraft in dieses Projekt. Und ich gewinne dabei persönlich so viel, dass mir das Einkommen egal ist."

Mehr erfahren Sie auf: www.dothiv.org

Text: Teresa Pfützner
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