"Hört endlich auf, ständig euer Essen zu fotografieren!"

Buddha-Bowl, Sushi, Eisbecher – unsere Generation kann Essen nicht mehr genießen. Zumindest nicht, ohne es vorher aus allen Perspektiven abzulichten …

Erinnert ihr euch noch an diese Werbung damals: "Mein Haus, mein Auto, meine Yacht"? Heute hieße das: "Mein Burger, mein Sushi, mein Macha-Macchiato".

Das Status-Symbol des 21. Jahrhunderts

So weit sind wir schon in unserer von sozialen Medien dominierten Welt: Essen ist längst kein Grundbedürfnis mehr, sondern ein Status-Symbol. Raclette statt Rolex – wer vor seinen Freunden mal richtig angeben will, zeigt, was er Geiles gekocht hat oder serviert bekommt.

Und so ist es inzwischen längst zur schönen Unsitte verkommen, das Essen erstmal ausgiebig und aus allen Perspektiven zu fotografieren, bevor man es genießt – der Vorteil ist, dass sich niemand mehr die Zunge verbrennt, weil das Püree zu heiß ist.

Jeder will zeigen, was er (zu Essen) hat

Der Kellner serviert das Essen und erstmal wird das Handy gezückt, um es zu fotografieren. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die sozialen Medien – und vor allem Instagram – haben uns zu einem ständigen Wettbewerb angestachelt. Wir wollen unseren Freunden zeigen, was wir für einen tollen Urlaub gemacht haben, welchen heißen Fummel wir gerade geshoppt haben oder welches kulinarische Meisterwerk wir gerade verdrücken dürfen.

Und eins ist klar: Urlaub machen wir nicht so oft und auch die neueste Shopping-Ausbeute können wir nicht alle paar Tage präsentieren. Aber leckeres Essen – das kommt uns häufiger vor die Linse!

Ein weiterer Faktor: Für gutes Essen kann sich wohl jeder erwärmen – also kann man auch fast jeden mit richtig geilem #Foodporn neidisch machen. Erstmal knipsen, erstmal zeigen – Hashtag Yummy, Hashtag Foodlover, Hashtag Nomnomnom!

Ich seh nur noch Foodbowls! 🙈

Die Folge: In unseren Instagram-Timelines sehen wir mehr Essen als auf einem Streetfood-Festival – und mittlerweile sieht man jedem einzelnen Teller an, dass er erstmal mühevoll drapiert wurde, bevor auf den Auslöser gedrückt wurde. Es soll ja Leute geben, die morgens extra eine aufwändige Müsli-Bowl mit frischen Früchten herrichten, fotografieren – und dann ein Nutella-Brötchen essen.

Liebe Leute, ihr müsst nicht versuchen, eure Mitmenschen mit Garnelenpfanne oder Caesar-Salat neidisch zu machen. Ihr dürft euer Essen auch einfach genießen! Der Teller gehört euch und ihr dürft das, was drauf ist, einfach so verputzen!

Schlemmt, kaut, schmatzt, aber bitte hört auf, zu fotografieren! Ich werde das in Zukunft auch versuchen, wenn ich mal wieder Burger essen gehe – versprochen …

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