Wie ticken Männer wirklich? Eine Domina packt aus

Domina Karolina Leppert

Die Domina Karolina Leppert (70) findet: Je aufgeklärter die Männer werden, desto respektloser verhalten sie sich im Rotlicht.

Was ist los mit den Männern?

Die Berliner Domina Karolina Leppert macht die Erfahrung, dass die Männer immer grober und rücksichtsloser werden. Und das, obwohl (oder weil?) sie sich in der Öffentlichkeit zunehmend politisch korrekt verhalten.

In ihrem Alltag als Vorstandsvorsitzende der Prostituiertenberatungsstelle Hydra e.V. steht Leppert in regem Austausch mit Sexarbeiterinnen. Und stellt fest: Fast alle machen dieselbe Erfahrung. Davon erzählt sie in ihrem Buch "Männermanieren: Eine Standpauke aus dem Rotlicht."

Woran liegt's? Wir haben mit der Autorin gesprochen. 

BRIGITTE.de: "Früher benahm sich ein Kunde ab und zu daneben, inzwischen sind schlechte Manieren Standard", scheiben Sie in Ihrem Buch. Was ist los mit den Männern?

Karolina Leppert: Das wüsste ich auch gerne. Insgesamt stellen wir fest, dass die Vulgärsprache sich immer mehr durchsetzt und die Umgangsformen verfallen. Das geht bis zu einer gewissen Übergriffigkeit. Als Domina kann ich Männer in die Schranken verweisen - andere Sexarbeiterinnen können das nicht, sie würden sich das Geschäft kaputt machen.

Die Prostituierte Mariella erzählt in Ihrem Buch von einem Kunden, der einfach in ihr Zimmer marschiert und sagt: „Du bist eine Schlampe. Du machst, was ich sage, und ich sage, wir ficken jetzt“. Als sie vor 15 Jahren in dem Beruf angefangen hat, habe es so etwas nicht gegeben.

Es ist eine schleichende Entwicklung. Die Männer scheinen zu glauben, dass sie bei einer Sexarbeiterin alle guten Manieren vergessen können. Früher hatte die Korrektheit gegenüber Frauen insgesamt einen höheren Stellenwert. Allerdings frage ich mich inzwischen, ob das eine Geisteshaltung war - oder nur eine Maske.

Sie gehen in Ihrem Buch auch auf den Einfluss von Internetpornos ein, die immer extremeren Sex zeigten. Je mehr Schmerzen die Frauen erlitten, desto besser ...

... und die Männer denken nicht darüber nach, dass im Film eine künstliche Welt gezeigt wird.

Sie verwechseln Fiktion und Realität?

Ja. Was die Männer in den Pornos sehen, halten sie für normal. Im Porno sehen sie zum Beispiel Vaginalverkehr direkt nach dem Analverkehr. Dass der Protagonist ein Kondom trägt und zwischendurch ins Bad geht und sich den Penis schrubbt, wird nicht gezeigt.

Führt der Pornokonsum dazu, dass die Männer immer grober werden, wie Sie schreiben?

Körperliche Gewalt ist das eine, ich empfinde aber auch schon Übergriffigkeit als Gewalt. Es werden keine Grenzen mehr akzeptiert. Beispiel Safer Sex: Viele Männer üben heutzutage richtig Druck aus, es ohne Kondom zu machen. Hier fängt für mich Brutalität schon an.

Sie haben den Eindruck, dass Männer es als Schwäche erleben, Grenzen zu respektieren. Wie erklären Sie sich das?

Viele Männer wissen offenbar nicht mehr, welches Rollenverständnis sie entwickeln sollen. Der Umgang der Jungs untereinander ist sehr rüde geworden. Sie müssen sich ständig behaupten, um das Gefühl zu haben: Ich bin ein Mann. Das schlägt sich auch im Umgang mit den Sexworkerinnen nieder. Bei anderen Frauen reißen sie sich eher  zusammen.

Auch die „Ritterlichkeit“ sei in Vergessenheit geraten, beklagen Sie. Was meinen Sie damit?

Wenn ein Freier sieht, dass eine Frau schwach ist und eigentlich Schutz bräuchte, nutzt er das richtig aus. Das war früher anders.

Interview: "Männermanieren: Eine Standpauke aus dem Rotlicht" von Karolina Leppert (edition a, 16,90 Euro)

"Männermanieren: Eine Standpauke aus dem Rotlicht" von Karolina Leppert (edition a, 16,90 Euro)

Es gibt aber auch Männer, die den Retter in der Not geben und Prostituierte „befreien“ wollen – ist das nicht ritterlich?

Nein, überhaupt nicht. Sie wollen die Frau ja nicht retten, weil sie gerettet werden will. Sie wollen den Gönner spielen und brauchen eine Frau, auf die sie herabsehen können. Sie wollen sich selbst etwas Gutes tun, nicht der Frau.

Sie erklären den Männern im Buch ausführlich, wie sie richtig duschen ... müssen die das wirklich noch lernen? Manche Männer sind offenbar in der Lage, zwischen den Wassertropfen hin und her zu springen, sodass sie beim Duschen nicht nass werden. Als Domina lasse ich mir das allerdings nicht gefallen. Ich habe einen Kunden schon mal mit der Wurzelbürste abgeschrubbt, bis er krebsrot war. Zu meiner Überraschung sagte er: ‚Wunderbar, eine echte Domina!‘

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