VG-Wort Pixel

Iran Paar zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt – wegen eines Familienfotos

Iran: Familie im Gefängnis
© sakhorn / Shutterstock
Im Iran wurde ein Paar zu insgesamt 16 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Sie hatten Familienfotos im Internet geteilt – und befinden sich jetzt auf der Flucht.

16 Jahre Gefängnis, dazu 74 Peitschenhiebe. So lautet die Strafe, die Ahmed Moin-Shirazi und seine Frau Shabnam Shahrokhi in ihrer Heimat Iran erwartet. Das Paar wurde für etwas verurteilt, das Millionen Menschen hierzulande täglich tun: Sie teilten Fotos ihrer Familie im Internet.

Der ehemalige Kickboxer und Unternehmer Moin-Shizari verkündete in einem Instagram-Post vor kurzem, dass er sich gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in die Türkei abgesetzt habe. Dort würden sie ein neues Leben beginnen. Was nach einem positiven Neustart klingt, hat einen düsteren Hintergrund: Die Familie ist auf der Flucht.

Gefängnisstrafe für Familienfotos ohne Kopftuch

In ihrer Heimat hatte das Paar zuvor bemerkt, dass es unter Beobachtung stand. Dann wurden beide Elternteile vom Geheimdienst einberufen. Die Verhöre sollen mehrere Stunden gedauert haben, wie unter anderem Middle East Monitor berichtet. Darin sei immer wieder ein Thema aufgekommen: Die Eltern sollten aufhören, Fotos ihrer Familie im Internet zu verbreiten. Denn das Leben, dass diese auf den Bilder propagierten, entspreche nicht den Iranischen Grundsätzen. Vielmehr würden diese darauf sogar kritisiert – schließlich trüge die Mutter nicht einmal ein Kopftuch.

Nach der Befragung reagierten die Eltern sofort. Sie brachten sich und ihre Kinder in Sicherheit – in einem anderen Land. Wie sich herausstellen sollte, war diese Voraussicht berechtigt: Anfang Mai wurde das Paar in ihrer Abwesenheit zu insgesamt 16 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt – neun für Moin-Shizari, weitere sieben für seine Frau. Hinzu kommen 74 Peitschenhiebe.

Der Anwalt der Familie soll bereits Widerspruch eingelegt haben. Zurück bleibt für den Vater aber nicht nur Furcht, sondern vor allem Unverständnis: "Wir bewarben die Liebe und das ist es, wovor sie sich fürchten", schreibt dieser rückblickend auf Instagram. Sie hätten durch ihre Flucht nicht nur Geld und ihr Zuhause, sondern auch ihre Familie und Freunde verloren. Reue würden sie keine empfinden – denn in ihrem neuen Leben würden sie sich stärker denn je fühlen.

Ob die Anfechtung des Urteils erfolgreich sein wird, ist bisher noch unklar. Erst einmal ist die Familie in einem anderen Land sicher. Trotzdem erinnert der Fall daran, was viele Menschen hierzulande schnell vergessen: Freiheit ist das wichtigste Gut, aber in vielen Teilen der Welt noch immer ein Privileg. 


Mehr zum Thema