"Die Frauen werden bis zu 40 Mal am Tag vergewaltigt"

Jesiden werden vom IS als Ungläubige verfolgt. Die Terrororganisation ermordet Mitglieder der religiösen Minderheit und versklavt die Frauen systematisch.

"Für diese Barbaren sind siebenjährige Mädchen vollwertige Frauen"

Rund 5000 jesidische Frauen hat die Terrororganisation in den besetzten Gebieten in seine Gewalt gebracht. Die Terroristen verkaufen die Frauen als Sklavinnen weiter oder lassen sie gegen hohe Lösegeld-Zahlungen frei.

In der Gefangenschaft müssen die Frauen und Mädchen unvorstellbare Dinge erleiden, sagte Holger Geisler vom Zentralrat der Jesiden in Deutschland dem Deutschlandfunk. "Wir sprechen ja nicht nur über erwachsene Frauen; wir sprechen über kleine Kinder. Für diese Barbaren sind ja schon siebenjährige Mädchen vollwertige Frauen, die ihnen für alle Abnormalitäten, die man sich nur vorstellen kann oder auch nicht vorstellen kann, zur Verfügung stehen müssen."

Nach der Gefangenschaft sind sie gezeichnet - für immer

Werden die Frauen und Mädchen innerhalb des IS als Sklavinnen verkauft, beginnen die Preise bei unter einem Dollar. "Alter, Schönheit, Unversehrtheit bestimmen den Preis", sagte Geisler. Wenn der IS Geld benötige, gebe es Verkaufsangebote an Jesiden - die höchste ihm bekannte Lösegeldsumme habe 150.000 Dollar betragen.

Doch nach der Gefangenschaft sind die Frauen fürs Leben gezeichnet: "Sie können sich vorstellen, wenn man teilweise bis zu 18 Monate in Gefangenschaft ist, dort tagtäglich bis zu 40 Mal vergewaltigt wird und dann in Freiheit kommt, was mit der Seele, was mit dem Körper, was mit dem Herzen passiert ist. Diese Menschen sind alle kaputt und müssen alle ganz, ganz sorgsam wieder zusammengesetzt werden. Unter anderem ist natürlich ein ganz großes Schamgefühl vorhanden."

Das Dilemma: Der IS finanziert sich auch mit Lösegeldern

Auf den Vorwurf angesprochen, dass Lösegeld-Zahlungen den IS-Terror unterstützten, betonte Geisler: "So pervers es ist, diese IS-Monster mit Geld zu versorgen, und oft bekomme ich auch zu hören, dass es moralisch verwerflich ist, dass es rechtlich strafbar ist, und da kann ich nur sagen, das ist mir alles völlig egal, weil es geht definitiv einfach darum, diesen Frauen zu helfen, diese Frauen zu befreien, und dafür ist mir jedes Mittel recht."

Ungefähr die Hälfte der rund 5000 gefangenen Frauen konnte inzwischen freikommen. Rund tausend Frauen wurden freigekauft, andere konnten fliehen oder anderweitig befreit werden. Zehntausende Angehörige der monotheistischen Religion sind auf der Flucht.

sar
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