Was Musliminnen mit Kopftuch denken - und erleben

Unterdrückt, rückständig, fanatisch: Über Musliminnen mit Kopftuch kursieren viele Vorurteile. Hier kommen sie selbst zu Wort.

"Es ist nur ein Stück Stoff, entspannt euch"

Weil viele von uns Musliminnen nur sehen, aber nicht kennen, gibt es jede Menge Klischees über Frauen, die Hidschab tragen. Meist wird das Kopftuch als Zeichen der Unterdrückung verstanden. Dabei entscheiden sich gerade junge Frauen bewusst und aus individuellen Gründen dafür.

Das zeigen die Gedanken und Erfahrungen, die muslimische Frauen bei der anonymen "Beicht-App" Whisper geteilt haben.

Sie sprechen von Stolz, Angst, Schutz, Hassliebe, Gewalt, Freiheit und Heavy Metal - und offenbaren damit die Vielfalt muslimischer Frauen, die sich nicht auf ein Stück Stoff reduzieren lässt:

Freier Wille

"Ich trage mein Kopftuch, weil ICH DAS WILL. Warum kann das niemand verstehen?"

Gefängnis

"Habe das erste Mal kein Kopftuch beim Ausgehen getragen. Habe mich in meinem ganzen Leben nie so frei gefühlt."

Heavy Metal

"Ich bin ein muslimisches Mädchen. Ich trage Hidschab. Und ich höre Metal. Bin ich verkorkst?"

Stück Stoff

"Die Leute machen aus dem Hidschab mehr als er wirklich ist. Er ist ein Stück Stoff, entspannt euch."

Beleidigungen

"Es ist 9.45 Uhr und bisher habe ich drei Mal "Fahr zur Hölle" und zweimal "Ich hasse euch" gehört ... alles nur, weil ich meinen Glauben praktiziere und Kopftuch trage."

Gewalt

"Als ich heute in meinem Hidschab die Straße hinuntergegangen bin, warf mir ein junger Mann einen Stein an den Kopf und nannte mich Terroristin. Was ist aus dieser Welt geworden?"

Nichts Besonderes

"Ich bin eine muslimische Studentin, die Kopftuch trägt. Letzten Monat fing ich an, ins Fitnessstudio zu gehen. Das ist NICHTS Besonderes. Ich wiederhole: Das ist NICHTS Besonderes. Also hört auf, mich anzustarren, ich bin nicht anders als ihr."

Angst

"Ich habe Angst davor, meinen Hidschab abzunehmen, obwohl ich überhaupt nicht daran glaube. Ich habe das Gefühl, sobald ich ihn abnehme, gibt es kein Zurück mehr und ich verliere meine Familie."

Hassliebe

"Manchmal nervt es mich, Kopftuch tragen zu müssen. Manchmal liebe ich es."

Vergeblichkeit

"Ich arbeite so hart daran, die Leute daran zu erinnern, dass ich ein normaler Mensch bin. Sie sehen nur das Kopftuch."

Schutz

"Einen Hidschab zu tragen hilft mir, mich sicher zu fühlen. Ich habe das Gefühl, mein Hidschab beschützt mich vor allem Schlechten aus der Außenwelt."

Stolz

"Ich wurde nie gezwungen, Hidschab zu tragen, es war meine Wahl und ich bin stolz. Der Hidschab ist meine Krone."

Verbotene Frucht

"Mir wurde - sehr direkt - gesagt, dass mich mein Hidschab nicht weniger sexy mache, sondern zu meinem Reiz beiträgt und mich im wahrsten Sinne des Wortes zu einer verbotenen Frucht macht."

sar; Foto: Mila Supinskaya / shutterstock
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