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Jacinda Ardern Rücktritt einer Hoffnungsträgerin

Jacinda Ardern: Rücktritt einer Hoffnungsträgerin
© Hagen Hopkins / Getty Images
Jacinda Ardern, 42, hat ihren Rücktritt angekündigt – ein Verlust für Neuseeland und die ganze Welt. Denn in einer Zeit, in der der Despotismus wieder zunimmt, hat die neuseeländische Regierungschefin kluge, empathische Führung gelebt.

In einer Epoche, in der die Autokraten und Diktatoren der Welt ihre Macht wieder mit zunehmend grausamen Mitteln verteidigen, tut der Rücktritt von Jacinda Ardern besonders weh. Denn Neuseelands Ministerpräsidentin ist in ihrer Regierungszeit nicht nur mit Kompetenz und klugem Krisenmanagement aufgefallen, sondern auch mit Qualitäten wie Menschlichkeit und Warmherzigkeit. Oder in den Worten von Australiens Premierminister Anthony Albanese, der bei Twitter schrieb: "Jacinda Ardern hat der Welt gezeigt, wie man mit Verstand und Stärke führen kann. Sie hat gezeigt, dass Einfühlungsvermögen und Einsicht starke Führungsqualitäten sind."

Doch nun habe sie keine Energie mehr für das herausfordernde Amt, so Ardern. "Ich weiß, was man für diesen Job braucht, und ich weiß, dass ich nicht mehr genug im Tank habe. Es ist so einfach. Wir alle geben, solange wir geben können, und dann ist es vorbei. Und für mich ist es nun an der Zeit."

Mit Baby zur Uno-Vollversammlung

Gleich mehrere unvorhersehbare Krisen musste Ardern in ihrer Amtszeit managen. Die Corona-Pandemie bewältigte sie erfolgreich, und nach den Attentaten von Christchurch, bei denen ein Rechtsextremist 51 Muslime erschossen hatte, trug sie bei ihrer bewegenden Rede ein Kopftuch, um der muslimischen Gemeinschaft ihre Solidarität zu bezeugen. Bei dem Vulkanausbruch auf der Insel White Island, wo 22 Menschen starben, fand sie ebenfalls die richtigen Gesten und Worte. Ardern hat vorgelebt, wie man mit Empathie regiert.

Schon am 7. Februar will sie nun ihr Amt aufgeben und sich ihrer Familie zuwenden. 2017 wurde die Labourpolitikerin jüngste Ministerpräsidentin der Welt, im darauffolgenden Jahr Mutter. Wenige Wochen später kam sie mit Baby und Partner zur Uno-Vollversammlung in New York. An ihre Tochter gerichtet sagte Ardern heute: "Neve, Mama freut sich schon darauf, dabei zu sein, wenn du nächstes Jahr in die Schule gehst." Zu ihrem Partner: "Und Clarke, lass uns endlich heiraten." Kind und Karriere zu vereinbaren, ist als Frau nirgendwo einfach.

Menschlichkeit gepaart mit Stärke

Menschlichkeit gepaart mit Stärke war ihr Markenzeichen. Die Stärke, ein zehrendes Amt zu bekleiden, ist Arden nun offenbar abhanden gekommen: “Ich bin menschlich, Politiker:innen sind menschlich. Wir geben so viel wir können, solange wir können – und dann ist es an der Zeit", sagte sie. Danach gefragt, wie die Neuseeländer:innen ihre Regierungszeit in Erinnerung behalten sollen, antwortete sie: "Ich hoffe, ich hinterlasse die Neuseeländer:innen mit der Überzeugung, dass man freundlich und stark sein kann, empathisch und entscheidungsfreudig, optimistisch und fokussiert." Handelten alle Regierungschef:innen nach Arderns Maximen, wäre die Welt ein sehr viel besserer Ort. 

Quellen: Spiegel, Guardian, Die Zeit

sar Brigitte

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