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Trauriger Spitzenplatz So viel Regenwald wird für unseren Konsum vernichtet

Nachenklich: Regenwald wird für uns abgeholzt
© Antonio Guillem / Shutterstock
Wir halten uns für umweltbewusst, aber sind wir das wirklich? Der WWF hat ermittelt, wieviel Regenwald für unsere kulinarischen Gelüste abgeholzt wird. 

Es ist erschreckend: Selbst, wenn wir einigermaßen umweltbewusst leben, Rad- statt Autofahren, auf Tropenholz verzichten und zum Bio-Kaffee greifen, wird für uns tropischer Regenwald vernichtet. Und zwar jedes Jahr sehr viel.

Dabei zeigen wir nur zu gern auf andere: auf die USA mit ihrem angeblich laxen Verhältnis zum Umweltschutz oder auf China mit seinem scheinbar unstillbaren Energie- und Rohstoffhunger. Doch wir sind nicht besser.

Bei der Zerstörung des Regenwaldes sind wir spitze

Laut der Umweltorganisation WWF ist die EU fast einsame Spitze, wenn es um die Zerstörung von tropischem Regenwald geht. Auf der "Weltrangliste der Waldzerstörer" belegen wir den traurigen zweiten Platz. Nur der Waldhunger Chinas ist größer, die USA liegt auf Platz 4.

Hinzu kommt: Ganz oben auf der Liste der EU steht Deutschland. Im Schnitt werden für unseren Konsum jedes Jahr 43.700 Hektar Wald gerodet – eine Fläche halb so groß wie Berlin. Nach Einwohner*innen gerechnet, liegt Deutschland wenigstens nur im Mittelfeld. Die meisten Bäume pro Einwohner*in werden für Importe in die Niederlande, nach Belgien und Dänemark gefällt.

Wofür wird der Tropenwald gerodet?

  1. Soja (größtenteils für Tierfutter)
  2. Palmöl (billiges Fett, steckt nicht nur in Nutella und Kosmetika)
  3. Rindfleisch (für Weideflächen)
  4. Holz 
  5. Kakao
  6. Kaffee

Die größten Flächen wurden im Untersuchungszeitraum von 2005 bis 2017 für den EU-Import von Soja, Palmöl und Rindfleisch gerodet. Aber auch unser Bedarf an Holz, Kakao und Kaffee ließen die Wälder in Brasilien, Indonesien und Paraguay schrumpfen.

Die Entwaldung heizt den Klimawandel an

Die Rodungen schaden nicht nur den Ökosystemen vor Ort, sie heizen auch das Weltklima an. Durch die "importierte Entwaldung" habe die EU 2017 indirekt 116 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen verursacht, heißt es in dem WWF-Bericht.

Einen Lichtblick gibt es immerhin: Bis 2013 lag Europa noch auf Platz eins der "Weltrangliste der Waldzerstörer." Laut WWF sind die Rodungen seitdem deutlich zurückgegangen. Allerdings habe man sich im Rahmen einer UN-Resolution dazu verpflichtet, die globale Waldzerstörung bis 2020 zu stoppen. Dieses Ziel wurde klar verfehlt.

Die Lösung: Wirksame Gesetze, weniger Fleisch

Der WWF fordert von der Bundesregierung, sich bei der EU-Kommission für "entwaldungsfreie Lieferketten" einzusetzen. „Freiwillige Absichtserklärungen von Regierungen und Unternehmen sind bisher nur in Einzelfällen umgesetzt worden", sagte Christine Scholl vom WWF. Die EU müsse nun verbindliche Vorgaben machen.

Aber auch jede*r einzelne kann etwas tun, um Regenwälder zu schützen. Der Verzicht auf Fleisch ist laut WWF das wirksamste Mittel: Würden die Deutschen nur halb so viel essen wie jetzt, könne jedes Jahr eine Fläche der Größe Brandenburgs gerettet werden. 


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