Kaffee trinken gegen Armut

Der Kaffee, den wir trinken, wurde bislang immer bei uns geröstet - die Menschen in den Herkunftsländern haben an der Verarbeitung des Rohkaffees nichts verdient. Ein neues Kaffeeprojekt will das ändern.

Steigende Lebensmittelpreise sind zum globalen Problem geworden. Sie treiben Millionen Menschen in den Entwicklungsländern in noch größere Armut. Da kommt ein neues Kaffeeprojekt gerade recht. Es will die äthiopischen Kaffee-Bauern ökonomisch unabhängiger machen. Unterstützt wird es vom Tiefkühlkost-Hersteller Frosta und der EWEA (Ethiopian Women Exporters’ Association, eine Organisation, die unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, GTZ, unterstützt wird). Wir sprachen mit Frosta-Geschäftsführer Felix Ahlers.

Felix Ahlers: Zusatzstoffe kommen ihm nicht in die Tüte.

BRIGITTE.de: Kaffee aus Fairem Handel hat sich inzwischen erfolgreich am Markt etabliert. Mit "Solino" kommt nun ein weiteres Produkt dazu. Aber einiges daran ist deutlich anders.

Felix Ahlers: Dieser Arabica-Kaffee wird nicht nur im Ursprungsland geerntet, sondern dort auch geröstet und verpackt, übrigens von Firmen, die in Frauenhand sind. Das ist bisher einmalig in Deutschland, da sonst nur grüner Rohkaffee importiert wird und die Veredlung, also das Rösten und Verpacken, hier stattfindet.

BRIGITTE.de: Warum?

Felix Ahlers: Bis 2007 gab es auf gerösteten Kaffee einen Zoll von 30 Prozent, nur grüner Kaffee konnte zollfrei importiert werden. Durch diese Zollpolitik ist Deutschland übrigens zum viertgrößten Kaffeeexporteur der Welt geworden. Der Importzoll wurde nun für viele Entwicklungsländer wie Äthiopien gestrichen. Deshalb kann der Kaffee jetzt direkt dort weiterverarbeitet werden.

BRIGITTE.de: Inwiefern profitieren die äthiopischen Kaffeebauern, wenn wir ihren Solino-Kaffee trinken?

Felix Ahlers: Heute sind 80 Prozent der Äthiopier Bauern, viele davon Kaffeebauern. Sie sind von den Weltmarktpreisen abhängig, und sobald es mal zu einer Missernte kommt, ist das gesamte Land betroffen. Umso wichtiger, dass neue Branchen mit qualifizierten Arbeitsplätzen entstehen, gefördert wird derzeit zum Beispiel die Leder-, Textil- und Lebensmittelverarbeitung. Deshalb muss Äthiopien an der Wertschöpfung seines Kaffees teilhaben können. Dazu leistet Solino-Kaffee einen Beitrag.


BRIGITTE.de: Ist der Kaffee dadurch preiswerter, dass er schon fix und fertig zu uns kommt?

Felix Ahlers: Nein, zumal der äthiopische Hochland-Arabica zu den besten Kaffees der Welt gehört. Aber mit dem Kauf tun wir nicht nur etwas für das Land, sondern auch für die Umwelt: Beim Rösten verliert der Kaffee 25 Prozent seines Gewichtes, das spart Energie beim Transport und reduziert den Co2-Ausstoß.

BRIGITTE.de: ...und bio ist er auch noch?

Felix Ahlers: Nein, die Arabica-Sorten kommen aber aus dem Regenwald und wachsen dort meist wild auf. Es gibt zwar noch kein offizielles Bio-Siegel aber daran arbeiten wir. Solino-Kaffee kommt aus den Regionen Yegarcheffee, Sidamo und Harar, die weltweit für höchste Qualität bekannt sind. Die lange Röstzeit von über 15 Minuten garantiert einen besonders säurearmen, kräftigen und intensiven Geschmack, ideal für Espresso und Cappuccino.

BRIGITTE.de: Wo gibt es den Kaffee, und was kostet er?

Felix Ahlers: Zunächst nur übers Internet, ab 4. Mai 2008, unter www.solino-kaffee.de. Wir suchen zur Zeit noch Fachgeschäfte, die den Kaffee verkaufen möchten. 250 Gramm gemahlener Kaffee kosten 5,90 Euro, 200 Gramm ganze Bohnen 4,90 Euro.

Interview: Susanne Gerlach Fotos: PR

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