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Kaitlyn Chang Wie sie als #momtoo eine geschlechtergerechtere Arbeitswelt anstrebt

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© Niklas Schnaubelt
Sie ist eine erfolgreiche Managerin – und seit kurzem Mutter: Kaitlyn Chang. Auf beeindruckende Weise versteht sie es, ihre Karriere mit der Mutterschaft zu vereinen. Bei ihrem Auftritt als Keynote-Speakerin auf dem Forward Festival spricht sie öffentlich über die Herausforderungen und Benachteiligung von Müttern – und bricht damit ein Tabu. Für mich ist sie ganz klar eine starke Frau, die für sich und für die Gleichberechtigung von Müttern in der Arbeitswelt einsteht. Meine starke Frau des Monats März.

Kaitlyn Chang, Brand Innovation Lead bei Accenture Interactive in Wien, verschaffte bei ihrem beeindruckenden Vortrag auf dem Forward Festival im Oktober letzten Jahres einem wichtigen Thema Aufmerksamkeit: In ihrem Talk sprach sie sich gegen die genderbasierte Ungleichheit am Arbeitsplatz aus, die vor allem dann schmerzlich offensichtlich wird, wenn eine Frau Mutter wird. Mit dabei: Ihre sechs Monate alte Tochter, die den Vortrag ihrer erfolgreichen Mama mal wach, mal schlafend in ihrer Trage verbrachte, während diese auf die bestehenden Missstände hinwies.

Karrierefrau UND Mutter: Für Kaitlyn Chang kein Ausschlusskriterium

Chang bezeichnet sich selbst als eine "old mom“, als eine “alte Mutter“, da sie erst mit 41 Jahren eine wurde und ihr Leben zuvor als wahre Karrierefrau lebte. Inzwischen ist sie Brand Innovation Lead bei Accenture Interactive in Wien, einer Digitalagentur in der Kreativbranche, Marketingexpertin für Zukunftsthemen wie Diversity, New Work und Employer Branding. 

Ihr Lebenslauf ist beachtlich: Geboren wurde sie in Südkorea, aufgewachsen ist sie in den USA und seit nunmehr zehn Jahren lebt sie – inzwischen mit Mann und Kind – in Wien. In den letzten 15 Jahren hat sie mehr als 50 österreichische und internationale Kreativ- und Innovationsawards mit ihrer Arbeit gewonnen. Klingt, als könnte sie erfolgreicher nicht sein, oder? Doch auch sie berichtet von Höhen und Tiefen, wie beispielsweise einem schweren Burnout und vielen lebensverändernden Entscheidungen.

Seit sie Mutter ist, liegt ihr eines besonders am Herzen: die Vereinbarkeit von Job und Familie – vor allem für Mütter. Sie zeigt, dass man als erfolgreiche Managerin auch Mama sein kann (und andersrum) und agiert als Pionierin und Mutmacherin. Erschreckend: In ihrem Talk kommt sie immer wieder auf die Rolle von Müttern in der Arbeitswelt zu sprechen. Sie spricht davon, dass working moms immer mehr aus höheren Positionen verschwinden, nachdem sie aus der Elternzeit zurück sind – oder gleich auf das Abstellgleis gestellt werden. Sie macht damit auf ein weitverbreitetes Problem aufmerksam, das noch immer viel zu wenig Beachtung findet: das Phänomen “motherhood penalty“ – der Benachteiligung und Diskriminierung der Mütter nach der Elternzeit. Dem gegenüber stellt sie den Begriff “fatherhood bonus“. Denn während Müttern ständig vorgeworfen wird, sich nicht genügend auf die Arbeit konzentrieren zu können, zu wenig Zeit im Büro zu verbringen, weniger erreichbar oder zu emotional zu sein (was so weit führt, dass sie keine Gehaltserhöhungen oder Beförderungen erfahren), ist ein Kind für einen Mann meist ein Upgrade. Männer bekommen dann erst recht eine Gehaltserhöhung, denn sie ernähren ja die Familie oder werden von Kolleg:innen gefeiert – diese Doppelmoral kritisiert sie ganz klar. Und verweist unterdessen darauf, dass Frauen, nur weil sie als Mütter zurückkommen, weder an Kreativität noch an Kompetenzen einbüßen. 

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© Niklas Schnaubelt

Weg vom “Schwanensee-Syndrom“

Das Geschlechterverhältnis, das in ihrem Arbeitsbereich, der Kreativbranche, bei Berufseinstieg fast ausgeglichen ist, ändert sich mit zunehmendem Alter der Angestellten und die Schere geht extrem auseinander. Chang macht dafür den weiter oben genannten “motherhood penalty“ verantwortlich. Gerade Frauen in höheren Positionen und Führungspositionen werden immer weniger, verschwinden teilweise sogar ganz. Übrig bleiben Männer. Sie kritisiert an dieser Stelle nicht nur das Wegbrechen der Frauen, sondern oftmals auch die damit einhergehende fehlende Diversität ab bestimmten Positionen in Unternehmen. 

Das Resultat dieser Diskriminierung beschreibt Chang als das “Schwanensee-Syndrom“: “Wie Schwäne gleiten viele Frauen anmutig übers Wasser, aber paddeln unter Wasser wie verrückt. Letztlich zeigt sich das nicht nur in einem höheren Burnout-Risiko, sondern auch in niedrigeren Frauenanteilen in Führungspositionen. Das ist weder natürlich noch nachhaltig.“ Was sie damit meint, ist, dass Mütter ihre andere Seite, die Mutterschaft, oftmals vor Kolleg:innen verstecken. Sie haben Angst, als unprofessionell wahrgenommen zu werden, als weniger belastbar. Gerade deswegen versuchen sie, alles perfekt zu machen.

Kaitlyn Chang will diese Realität ändern und Sichtbarkeit für die Doppelbelastung vieler Mütter schaffen. Deswegen zeigt sie sich als Managerin UND als Mutter. Und auch, um wegzukommen vom Bild der “superwoman“.

#momtoo: Ein Hashtag, der viral ging

Mit ihrem Vortrag stößt sie eine längst überfällige Diskussion zu einer geschlechtergerechten Arbeitswelt an. Und sie spricht damit vielen Müttern aus dem Herzen. Aber nicht nur ihr Vortrag stieß auf große Resonanz: Mit ihrem Post auf LinkedIn mit dem Hashtag #momtoo erreichte sie allein innerhalb einer Woche fast zwei Millionen Views und machte auch hier auf die in der Arbeitswelt noch immer vorherrschenden Missstände aufmerksam. Gerechnet hat sie nicht mit den vielen, überwiegend positiven Reaktionen, die darauf folgten. 

Sie kritisiert darin unter anderem, warum Frauen sofort als unprofessionell angesehen werden, sobald sie Mutter werden – und warum das bei Männern wiederum nicht der Fall ist. Sie sagt: “I'm a professional, but I'm a #MomToo. And that doesn't make me any less professional.“ (was auf Deutsch so viel bedeutet wie: Ich bin Profi, aber ich bin auch eine Mutter. Dadurch bin ich aber nicht weniger professionell). Durch ihren Vortrag und den LinkedIn-Post ermutigte Chang andere Mütter, von ihren Erfahrungen zu erzählen und die berufliche Benachteiligung sichtbar zu machen. Sie entfachte zwischenzeitlich sogar einen Trend, in dem Frauen ihre Kinder nicht länger vor Kolleg:innen in Meetings versteckten oder unter ihre eigenen Posts ihren Hashtag setzten.

Pionierin für alle working moms

Sie macht mit ihrem Talk und ihrer #momtoo-Bewegung anderen working moms Mut, weist auf die Daseinsberechtigung von Müttern in der meist von Männern dominierten Arbeitswelt hin und trägt damit maßgeblich zur Enttabuisierung dieses Themas bei. 

Effektive Ansätze hat sie auch: Sie plädiert für flexiblere (und dadurch auch nachhaltigere) Arbeitsmöglichkeiten. Einem Arbeiten, das laut ihr sowieso schon längst überfällig ist und dem wir durch die Pandemie einen Schritt näher gekommen sind. Sie sieht die Zukunft der Arbeitswelt im hybriden Arbeiten und in flexiblen Grenzen zwischen Job und Familie. Wichtig ist ihr dabei, dass dieses System von allen genutzt wird, nicht nur von Müttern – nur so entstehe ein Gleichgewicht und die Möglichkeit, Diskriminierung zu minimieren. Mit ihren Ansätzen und Visionen ist sie eine Vorreiterin und Inspiration für andere – und auch für mich.

Verwendete Quellen: forward-festival.com 

Brigitte

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