Nach Fabrikeinsturz in Bangladesch: Was können wir überhaupt tun?

Über 1.000 Menschen sind beim Fabrikeinsturz in Bangladesch Ende April gestorben, es ist die größte Industriekatastrophe in der Geschichte des Landes. Wir haben Dr. Bettina Musiolek von der "Kampagne für saubere Kleidung" gefragt, was der Verbraucher jetzt tun kann, um weitere Katastrophen zu verhindern.

Das eingestürzte Fabrikgebäude "Rana Plaza" nahe Dhaka

Das achtstöckige Gebäude Rana Plaza nahe Dhaka beherbergte mehrere Fabriken, in denen Kleidung genäht wurde. Unter anderem haben dort das spanische Unternehmen Mango, die britisch-irische Marke Primark, das italienische Label Benetton und der deutsche Textildiscounter Kik ihre Ware bezogen. Nach der Katastrophe fordert das internationale Bündnis "Kampagne für Saubere Kleidung" die Textilindustrie auf, das bangladeschische Abkommen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit zu unterzeichnen – mit großem Erfolg. So haben sich mittlerweile 31 Unternehmen dem Brandschutzabkommen verpflichtet, mit dabei sind unter anderem H&M, Inditex, C&A und Esprit. "Das Aktionsprogramm umfasst unabhängige Gebäudeinspektionen, Trainings zum Arbeitsrecht, öffentliche Auskunftspflicht und eine Überarbeitung der Sicherheitsstandards", so Dr. Bettina Musiolek von der Clean Clothes Campaign. "Wichtig ist die Beteiligung der europäischen und nordamerikanischen Auftraggeber an diesem Abkommen, denn sie bestimmen durch ihre Einkaufsbedingungen und –Preise die Situation in Bangladesch."

Und was kann der Verbraucher ganz konkret tun?

Verzweifelte Familienangehörige warten Tag für Tag auf Rettung ihrer Verwandten

"Der Verbraucher kann eine ganze Menge tun. Er kann bei dem Bekleidungskaufhaus oder Markenshop, bei dem er gerne Kleidung kauft, nachfragen, was das Unternehmen tut, um die Menschenrechte in der Lieferkette sicherzustellen, oder wann das Unternehmen das Brandschutzabkommen unterschreibt. Auch wenn das Verkaufspersonal auf diese Fragen vielleicht keine Antwort hat, wird das Kundenfeedback auf jeden Fall innerhalb des Unternehmens weitergegeben." Ein schlechtes Gewissen möchte Dr. Bettina Musiolek allerdings niemandem bereiten, schließlich liegt aus ihrer Sicht die Verantwortung nicht beim Konsumenten: "Man kann niemandem übel nehmen, dass er wenig Geld für Kleidung ausgeben will. Da der Großteil des Bekleidungshandels in Bangladesch produziert wird, kann der Verbraucher diesen Missständen auch nicht aus dem Weg gehen. Wichtig ist jetzt, dass die Unternehmen, die über Rana Plaza Ware bezogen haben, zur Verantwortung gezogen werden."

Unter www.cleanclothes.org können Verbraucher die Forderung nach Beitritt zum Brandschutz- und Gebäudesicherheitsabkommen unterstützen.

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