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Keine WM bei BRIGITTE Warum wir nicht über Katar berichten werden

Keine WM bei BRIGITTE: Warum wir nicht über Katar berichten werden
© sukarman / Adobe Stock
Kann man die Kritik an der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft ausblenden? Wir finden: Nein. Daher haben wir uns als Redaktion dafür entschieden, nicht über die aktuelle WM zu berichten.

Spätestens seit der Frauen-WM sind wir alle Fußball-Fans! Was für ein unglaublich positives Zeichen für Gleichberechtigung. Aber über die jetzt startende Weltmeisterschaft in Katar werden wir bei BRIGITTE nicht berichten. Nicht, weil wir die Sportler und ihre Teamleistungen nicht würdigen. Sondern weil wir ein Zeichen setzen wollen. Ein Zeichen für Menschlichkeit, Gleichberechtigung, Fairness. Das, wofür ein Sportereignis eigentlich stehen sollte.

Doch der Austragungsort dieser WM findet in einem Land statt, das all diese Werte missachtet. Bereits seit der Bekanntgabe des WM-Austragungsortes in Katar gibt es Kritik – begonnen mit dem Bau der Stadien. Tausende Arbeiter:innen sind auf den Baustellen für diese Fußballweltmeisterschaft gestorben. Die genaue Anzahl der Todesopfer ist noch nicht ermittelt. Laut offiziellen Statistiken aus Katar sind mehr als 15.000 Arbeitskräfte nicht-katarischer Staatsangehörigkeit seit der WM-Vergabe 2010 gestorben. Woran sie gestorben sind, macht das Land hingegen nicht öffentlich.

In einer Petition stellte Amnesty Deutschland bereits im Mai 2022 Forderungen direkt an den Arbeitsminister von Katar, Ali bin Samikh Al Marri, und den Präsidenten des Fußballweltverbandes FIFA, Gianni Infantino, Menschenrechtsverletzungen finanziell zu entschädigen. Das wurde bisher verweigert.

Homosexualität ist in Katar strafbar. Es drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis für Menschen, die gleichgeschlechtlich lieben. Frauen haben in Katar nicht dieselben Rechte wie Männer. Es herrscht das System der Vormundschaft, wobei diese nur Männer innehaben können. Das bedeutet: Für fast alle  alltäglichen Aktivitäten müssen sich Frauen eine Erlaubnis einholen. Ohne sie dürfen sie nicht heiraten, nicht reisen, nicht studieren und werden nie die Vormundschaft über ihre eigenen Kinder haben. Für den Zuschlag zur WM-Austragung musste Katar eine sportliche Förderung von Frauen und Mädchen ausweisen. Ein Frauen-Fußballteam wurde gegründet, wenige Wochen später erhielt Katar offiziell die Zusage für die WM. Bis heute wird das Frauenteam nicht in der Weltrangliste der FIFA geführt. Die Förderung brach wenige Jahre später zusammen.

Dies sind nur einige der Kritikpunkte, über die aktuell weltweit diskutiert wird. Und all diese Punkte entsprechen nicht den Werten, für die wir als Redaktion und als Menschen stehen.

Vielleicht hilft öffentlicher Protest, damit in Katar alle Menschen frei leben können. Bis es so weit ist, werden wir als BRIGITTE weiter über mutige Bürger:innen, Aktionen und Missstände berichten.

Eure BRIGITTE-Redaktion

Brigitte

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