Kind, Karriere - und nie Zeit

Neue Studie zu Karriere-Paaren mit Kindern: Beide Partner ringen fortwährend um Zeit.

Die Frau arbeitet als Managerin bei einer Unternehmensberatung oder als Marketing-Chefin bei einem Versicherungsmakler. Ihr Partner ist ebenfalls berufstätig. Die Jobs der beiden sind anspruchsvoll - trotzdem wollen sie auf Kinder nicht verzichten. 1200 dieser Doppelkarrierepaare wurden im Rahmen der Studie "Kinder und Karrieren: die neuen Paare" zu ihrer Lebenssituation befragt.

Die Studie der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung sollte herausfinden, wie diese Paare Beruf und Familie stemmen - und wo sie mehr Unterstützung brauchen. Die Betreuung der Kinder und die häufig fehlende Zeit sind für die Doppelverdiener-Paare die größte Herausforderung. Fast die Hälfte der Befragten wünscht sich mehr Zeit für ihren Nachwuchs. Fast 90 Prozent hätte gerne mehr Zeit für den Partner.

Die gute Nachricht: Beide Partner kennen sowohl die Anforderungen im Job als auch zu Hause - und haben deshalb mehr Verständnis füreinander. Sie begegnen sich auf Augenhöhe, was sich wiederum stabilisierend auf die Partnerschaft auswirkt.

Die interessantesten Ergebnisse der Studie: Was muss sich ändern, um Job und Familie besser verbinden zu können?

  • Die Arbeitskultur: Die Mehrheit der Befragten hat angegeben, dass bei ihnen in erster Linie die Anwesenheit im Betrieb zählt, nicht das Ergebnis. Auch wenn sich viele Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeiten rühmen: Mal vormittags mit dem Kind zum Arzt oder nachmittags aufs Schulfest zu gehen und dafür am Abend zu arbeiten, ist in vielen Unternehmen noch undenkbar.
  • Die Betreuung: Kindergärten und Schulen sind nicht auf Vollzeit-Jobs beider Partner eingestellt. Kita-Plätze sind schwer zu bekommen und oft sind die Öffnungszeiten zu kurz und zu unflexibel. Vor allem mobile Karriere-Paare leben oft nicht in der Nähe ihrer Eltern, die sie deshalb auch nicht bei der Kinderbetreuung unterstützen können. Sie sind oft auf Kinderfrau & Co. angewiesen, die Suche nach qualifizierten Kräften ist mühsam und zeitaufwändig. Dabei haben gut verdienende Paare den Vorteil, dass sie sich überhaupt eine Kinderfrau leisten können - wer finanziell schlechter gestellter ist, hat diese Alternative nicht.
  • Die Öffnungszeiten: Während viele Supermärkte abends länger geöffnet haben, sind die starren Öffnungszeiten von Ärzten und Behörden oft eine zusätzliche Hürde für berufstätige Paare mit Kindern.

Die Studie beschränkt sich bewusst auf Führungs- und Fachkräfte, mit der Begründung, dass diese durch ihre Position auch Einfluss auf die Unternehmenskultur nehmen könnten - sie können leichter Änderungen durchsetzen, die dann allen Eltern zugute kommen.

Zudem verfügt die Zielgruppe überhaupt erst über das erforderliche Einkommen, um dieses Lebensmodell zu ermöglichen. Der Anteil der Väter, die Elternzeit nahmen, lag bei den Befragten weit über dem Bundesdurchschnitt, nämlich15 Prozent gegenüber 4 Prozent zum Zeitpunkt der Befragung (heute sind es bundesweit 10,5 Prozent).

mhe/ Foto: Corbis
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