Das Betreuungsgeld kommt: Die große Verschwendung

Wer mit seinem Kleinkind zu Hause bleibt, soll künftig Betreuungsgeld bekommen. Das haben CDU und FDP nun beschlossen. Ein Fehler, meint BRIGITTE-Redakteurin Meike Schnitzler. Das Geld wird im Ausbau der Kinderbetreuung viel dringender gebraucht.

Meike Schnitzler, 38 Jahre, hat einen Sohn, der seit fünf Monaten in die Krippe geht.

Meike Schnitzler hat zwei Söhne, 1 und 3 Jahre alt, die beide in die Krippe gehen

Jetzt soll es also wirklich kommen, das . Auch bekannt unter dem Namen "Herdprämie" oder "Fernhalteprämie". Ab 2013 sollen Eltern, die ihr Kind ab dem zweiten Lebensjahr zu Hause betreuen, monatlich 100 Euro erhalten. 2014 wird die Summe auf 150 Euro aufgestockt und auf Kinder im Alter von zwei und drei Jahren ausgeweitet.

Mehr als eine Ansage ist es allerdings nicht, was der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und FDP da verkündet hat - noch ist vollkommen unklar, ob das Gesetz sogar gekippt werden kann, wer überhaupt die Auszahlung regeln soll, Bund oder Länder. Und vor allem, wer das Geld eigentlich bekommen soll: Auch der Hartz IV-Empfänger, von dem gerne behauptet wird, er stecke das Geld nur in Zigaretten oder den neuen Flachbildschirm. Oder doch nur die engagierte Mutter die aus Überzeugung ihren Job aufgegeben hat.

Der alte Aufreger Betreuungsgeld ist also wieder voll im Rennen, aber noch lange nicht in die Zielgerade eingebogen.

Das eigentliche Ärgernis: Wieder einmal werden Mütter in die alte Debatte gezwungen, was das Beste fürs Kind ist. Wieder einmal verschwenden Frauen ihre Kraft an der falschen Stelle, um sich gegenseitig zu zerfleischen.

Auf der einen Seite die arbeitenden Mütter, die nach dem Elterngeldjahr schnell wieder in den Beruf zurückgekehrt sind, sei es, um den Anschluss nicht zu verpassen, aus Freude an ihrer Tätigkeit oder schlicht aus finanziellen Gründen. Und die durchaus recht viel Geld für die Krippenbetreuung ihrer Kinder bezahlen, trotz staatlicher Subvention.

Auf der anderen Seite die Frauen, die lieber ihr Kind zu Hause betreuen, oder die auf andere Modelle zurückgreifen können, sei es Oma, Opa oder Au-Pair.

Natürlich ist es eine große Leistung, den ganzen Tag mit Kindern zu verbringen - ich kenne viele arbeitende Mütter, die sich ehrlich freuen, im Büro endlich einmal selbstbestimmt Nahrung aufzunehmen oder ganz unkompliziert die Toilette aufsuchen zu können. Allerdings: Danach müssen sie umso schneller zur Kita hetzen, um mit den Kindern noch ein volles Nachmittagsprogramm auf die Beine zu stellen.

Trotzdem: Es ist befremdlich, dass unsere Gesellschaft auf einmal honorieren soll, was letztendlich eine freiwillige Lebensentscheidung ist. Noch dazu eine Entscheidung, die meist von Menschen getroffen wird, die auch finanziell in der Lage sind, den Arbeitsausfall eines Elternteils zu tragen. Denn wenn das Geld fehlt, um die Miete zu bezahlen, dann zieht es noch jede Mutter vor, arbeiten zu gehen, Fremdbetreuung hin oder her. Und auch 150 Euro hin oder her.

Leider stehen diese Mütter noch immer in vielen Teilen vor dem Problem, dass es nicht einmal einen Krippenplatz gibt: Der Krippenausbau läuft schleppend. Trotz Rechtsanspruch fehlen noch 233.000 Krippenplätze, um das für 2013 gesteckte Ziel zu erreichen, für ein Drittel aller unter Dreijährigen einen Platz bereitzustellen. Da kommt der Verdacht auf, das Betreuungsgeld komme gerade recht, um die große Klagewelle, die 2013 anrollen könnte, abzudämpfen. Ist natürlich so nicht richtig, aber zeigt, dass die Energie und Zeit, die in die Betreuungsgeld-Debatte fließen, vollkommen falsch investiert sind.

Und wo kommen wir eigentlich hin, wenn man Geld ausbezahlt für das Nicht-in-Anspruch-nehmen von staatlichen Leistungen? Gibt es dann in Zukunft auch eine Prämie für Menschen, die nicht studieren, sondern einen Ausbildungsberuf anstreben? Für Jugendliche, die nach neun Jahren Hauptschule den Staat weniger gekostet haben als ein Abiturient? Für Alte, die rechtzeitig sterben, bevor sie zum Pflegefall werden?

Ganz gleich, ob man jetzt fürchtet, dass diese 150 Euro bildungsferne Eltern motivieren, ihr Kind aus der Kita zu nehmen, oder das Betreuungsgeld einfach nur als verdiente monetäre Anerkennung für Eltern sieht, die zu Hause bleiben - das Geld geht einfach an die falsche Stelle.

Deutschland braucht mehr Krippenplätze, damit Frauen, die es wollen oder müssen, arbeiten können. Damit von diesem Geld Steuern bezahlt werden. Damit unsere Wirtschaft angekurbelt wird. Und natürlich damit unterprivilegierte Kinder, die es wirklich nötig haben, ein Betreuungsangebot bekommen, das ihnen bessere Chancen bietet als ihr Zuhause. Und davon profitieren letztendlich alle.

Was halten Sie vom Betreuungsgeld? Schreiben Sie einen Kommentar!

Text: Meike Schnitzler

Kommentare (83)

Kommentare (83)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    @Gassenreh, jakob,



    am 13.11.11 um 08:00 fragte ich nach der Präsenz der Väter.



    Ich zähle mich zwar nicht zu den Freunden der „neuen Religion“ (Gendermainstreaming), aber wenn sich auf Seiten christlich Geprägter neue Aspekte in der Debatte um das Betreuungsgeld lediglich in einzelnen Worten (Dyade, statt Symbiose, zwischen Mutter und Kind) erschöpfen, fasse ich mir nur noch an den Kopf.

    Auch der Barmer sind an- oder abwesende Väter in der Bewertung vorliegender Ergebnisse fremd?

    Fragen Sie mal z.B. Prof. Matthias Franz, von der Uni Düsseldorf, was der dazu meint.



    Was für eine beängstigend beengende Atmosphäre bei diesem Thema, zwischen Mütterkult aus Konserve und Moderne.
  • Anonymer User
    Anonymer User




    Bereits ab der 20. Gestationswoche hört der Foet im Mutterleib die Mutterstimme und ist nach der Geburt massiv darauf fixiert, sodass eine längere (max. bis zu 3 Jahren) dyadenspezifische Beziehung zwischen diesen beiden Personen notwendig ist, zumal in diesem Zeitraum zumindest zwei kürzere Phasen besonders begierigem Sprechlernen des Kleinkindes individuell verschieden auftreten (siehe Buch„Vergewaltigung der menschlichen Identität; über die Irrtümer der Gender-Ideologie“)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ein wichtiger für das Betreuungsgeld sprechender Faktor wird selten gesehen, denn ein

    bezüglich der sehr frühen Krippenaufbewahrung nicht ausreichend beachtetes Problem ist die mögliche Störung bzw. Verzögerung der frühkindlichen Sprachentwicklung mit der Folge von Lese- und Rechtschreibstörungen und letztlich ungünstiger kognitiver Entwicklung.

    Für unsere Zukunft ist es unsinnig, die jungen Mütter für momentan scheinbar dringend benötigte Arbeitskräfte und um parteipolitisch gewollt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu dokumentieren aus der Familie zu entfernen und dadurch die wichtigste Resource, welche unser Volk besitzt, nur ungenügend sprachlich und kognitiv entwickelt zu ernten. (Siehe Ärztereport der Barmer Ersatzkasse vom Januar 2012 mit bereits jetzt schon ca. 40% sprachgestörten Kindern im Alter von 5-6 Jahren (Gründe: Zunahme Tagesmütter; enorme Lärmpegel in Kitas); logopädische Behandlungskosten etwa 1 Milliarde Euro).



    Bereits ab der 20. Gest
  • Anonymer User
    Anonymer User
    @ Silah,

    alle Eltern, die keinen Krippen-/Kitaplatz gekommen, sollten sich zusammentun und auf dem Hintergrund der doch so vollmundig von Frau von der Leyen versprochenen " Kita-Garantie" klagen. Es ist wirklich eine Unverschämtheit, jetzt noch solche Verschleierungsbeleidigungen wie "Herdprämie" unters Volk zu bringen und es entsprechend aufzuhetzen gegen Mütter.

    Die Millionen werden übrigens nicht ein andere Länder gebracht, um den Ländern zu helfen, sondern sind Bürgschaften für Banken und Versicherungen, damit die in Ruhe weiter ihre Hütchenspielerei betreiben können.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Finde ich vollkommen richtig. Es gibt ja nicht nur die , die ihre Kinder nicht in eine Kita geben WOLLEN sondern es gibt ja auch die , die keinen Kita platz bekommen !! Und für die wäre das eine Gute Hilfe !!



    Oder sie Stecken die Millionen in Kitas, damit wirklich jedes Kind auch unter 3 in eine Kita kann !!



    ICH habe meine Tochter in eine Kita angemeldet als sie 1 Woche war .. und ??? Ich stehe auf der Warteliste wenn es so bleibt wie jetzt hat sie einen Platz wenn sie 5 1/2 ist !! Dann braucht sie auch nicht mehr in die Kita gehen !!



    Und bis da hin ?? Kann ich nicht arbeiten gehen supeeeeeeeeeer Deutschland !!

    Und dann heißt es von der Politik Mütter sollen Arbeiten gehen !

    ICH WILL UND KANN NICHT !!!



    Und das mit der Renten erhöhung bringt ja nichts für die , die jetzt Schwanger sind oder

    noch keine Volljährigen Kinder haben die eh nicht mehr in eine Kita gehen !!



    Ist ja alles egal sind ja nur unsere Kinder !!

    Lieber die Millionen in andere Länder s

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