Kinderbetreuung: Deutschland schneidet schlecht ab

Investieren wir genug in die Zukunft unserer Kinder? Eindeutig nein. Bei einem internationalen Vergleich zur Frühförderung und Betreuung landet Deutschland nur im Mittelfeld. Mindeststandards werden oft nicht erfüllt.

25 Industrienationen hat das Kinderhilfswerk unter die Lupe genommen. Anhand von zehn Kriterien wurde gecheckt: Wie viel fließt tatsächlich in Förderung und Betreuung? Und: Kommt es auch wirklich da an, wo es gebraucht wird?

Das Ergebnis ist für Familienministerin Ursula von der Leyen kein schönes Weihnachtsgeschenk. Nur Schweden erreichte die volle Punktzahl - gefolgt von anderen skandinavischen Ländern und Frankreich. Deutschland landete im Mittelfeld - mit nur fünf Punkten. Bemängelt wurden unter anderem die Ausbildung und Bezahlung der Erzieherinnen, die hohe Kinderarmut und die zu geringen Staatsausgaben für Kitas. Mindestens ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollte in die Kinderbetreuung fließen - in Deutschland sind es aber bisher gerade mal 0,4 Prozent! Allerdings ist Besserung in Sicht: Bis 2013 wird massiv in den Ausbau der Krippenbetreuung investiert - das hat die Bundesregierung, übrigens zusammen mit allen anderen EU-Staaten, bereits beschlossen.

Doch das allein reicht nicht. Denn in einer ergänzenden Untersuchung zur regionalen Nutzung der Kinderbetreuung stellt Professorin Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaft fest: Kinder aus benachteiligten Familien besuchen deutlich seltener Krippen und Kindergärten. Dabei könnten gerade sie von den Angeboten zur Frühförderung besonders profitieren. Professor Lothar Krappmann, Mitglied im UN-Komitee für die Rechte des Kindes warnt deshalb: "Wenn es uns nicht gelingt, auch benachteiligten Kindern den Zugang zu ermöglichen, werden diese schon vor der Einschulung abgehängt."

In der UNICEF-Studie wird immer wieder darauf hingewiesen, wie entscheidend die frühe Kindheit für die spätere Entwicklung ist. Jeder Euro, der in die Förderung der Kleinen investiert wird, bringt bis zu acht Euro zurück - zum Beispiel in Form von höherem Steueraufkommen oder geringeren Sozialausgaben.

Ursula von der Leyen: "Wir müssen besser werden"

Bundesfamilienmisterin Ursula von der Leyen zeigte sich auf Nachfrage von BRIGITTE wenig überrascht von den Ergebnissen der Studie. "Das Zeugnis der Unicef bescheinigt uns Mittelmaß, weil wir in einigen Feldern sehr gut aufgestellt sind und in anderen besser werden müssen", so von der Leyen, die sich darin bestärkt sieht, beim Ausbau einer guten Kinderbetreuung hartnäckig zu bleiben. Dass Deutschland überhaupt im oberen Mittelfeld läge, sei vor allem dem Elterngeld und der guten Betreuung von Kindern ab vier Jahren zu verdanken.

"Besser werden müssen wir unbedingt bei der Betreuung von kleinen Kindern und bei der Qualifizierung von Tagesmüttern und Erziehern", sagt die CDU-Politikerin. Aus diesem Grund habe die Bundesregierung vor zwei Monaten ein Gesetz verabschiedet, das sicherstelle, dass Plätze in Kitas und bei Tagesmüttern für Kinder jünger als drei Jahre geschaffen würden. "Das passiert mit jetzt Hochdruck, denn das Gesetz sagt auch, dass alle Eltern, die einen Kitaplatz für ihr Kind suchen, ab 2013 ein Recht darauf haben, diesen auch zu bekommen", so von der Leyen, die darin auch in Mittel gegen die zunehmende Kinderarmut in Deutschland sieht. "Kinder leben in Armut, wenn ihre Eltern keine Arbeit haben. Eltern, insbesondere Alleinerziehende, können nur das eigene Einkommen verdienen, wenn sie ist eine flexible Kinderbetreuung haben."

Frühkindliche Bildung in den OECD-Ländern

So haben die 25 geprüften Industrieländer abgeschnitten:

  • Schweden (10 erreichte Mindeststandards)
  • Island (9)
  • Dänemark (8)
  • Finnland (8)
  • Frankreich (8)
  • Norwegen (8)
  • Belgien (6)
  • Ungarn (6)
  • Neuseeland (6)
  • Slowenien (6)
  • Österreich (5)
  • Niederlande (5)
  • England (5)
  • Deutschland (5)
  • Italien (4)
  • Japan (4)
  • Portugal (4)
  • Südkorea (4)
  • Mexiko (3)
  • Spanien (3)
  • Schweiz (3)
  • USA (3)
  • Australien (3)
  • Kanada (3)
  • Irland (3)

Weitere Informationen zur UNICEF-Studie unter www.unicef.de

Text: Silke BaumgartenFoto: bit.it/Photocase.com

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