Kita-Engpässe trotz ausreichender Plätze

Kita-Plätze für alle? Familienministerin Kristina Schröder hat angekündigt, dass ab dem 1. August 2013 mehr als genug Plätze zur Verfügung stehen sollen. Trotzdem müssen viele Eltern weiter geduldig sein.

Fast wie ein unerwarteter Zaubertrick: Nachdem viel über den Mangel an Kita-Plätzen diskutiert wurde, vermeldete Familienministerin Kristina Schröder nun plötzlich, dass es zum Stichtag am 1. August "nahezu ausreichend Kitaplätze" geben würde. Rein zahlenmäßig ist Deutschland sogar überversogt: Rund 810.000 Betreuungsplätze sollen im kommenden Jahr für unter Dreijährige zur Verfügung stehen. Damit hat Kristina Schröder sogar 30.000 Plätze mehr aus dem Ärmel gezogen, als nach aktuellen Schätzungen benötigt werden.

Das Timing für diese überraschende Wendung ist günstig: Ab dem 1. August haben auch die Eltern von Kindern, die zwischen einem und drei Jahren alt sind, Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz oder eine Tagesmutter. Wer sein Kind nicht unterbringen kann, darf klagen. Der Anspruch besteht allerdings nicht für die Wunsch-Kita im Lieblingsviertel, längere Anfahrten müssen Eltern wohl in Kauf nehmen.

Also, Krise gelöst? Nicht ganz. Engpässe wird es trotzdem geben: Schröder musste einräumen, dass das Angebot regional ungleich verteilt sei. In Universitätsstädten, Großstädten und einigen westdeutschen Ballungszentren wollen mehr Eltern ihre Kinder betreuen lassen als in ländlichen Gebieten. Außderdem schließen Schröders Zahlen ALLE bewilligten Plätze ein – also auch solche, die noch gar nicht in Betrieb sind. Rund 90.000 der versprochenen Kita-Plätze sind noch gar nicht fertig und können erst im Sommer 2014 besetzt werden. Wie viele Erzieher und Kita-Plätze also wirklich fehlen, bleibt weiter offen: Das Statistische Bundesamt misst die Zahl der betreuten Kinder erst zum 1. März 2014.

Entsprechend gibt es auch schon erste Kritik an der Meldung: Die SPD spricht von "Wunschdenken" und "geschönten Zahlen", Experten bezweiflen, dass tatsächlich alle eingeplanten Kita-Plätze in der Praxis rechtzeitigt zur Verfügung stehen werden.

Natürlich ist im Wahlkampf ein entsprechender Schlagabtausch zu erwarten. Für tausende von Eltern, die immer noch keine verbindliche Kita-Zusage haben, wird sich in wenigen Wochen zeigen, wieviel von dem euphorischen Versprechen wirklich übrig bleiben wird.

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kvs
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