Kranke Kinder sind nicht lukrativ: Kliniken schließen Kinderstationen

Krankenhäuser in Deutschland machen Kinderstationen dicht, weil sie kein Geld einbringen. Denn die besonderen Aufwände in der Kinderheilkunde werden bei der Vergütung kaum berücksichtigt.   

Diese Nachricht macht wütend: Wie der "BR" berichtet, schließen Kliniken Teile ihrer Kinderstationen. Begründung: Sie seien chronisch unterfinanziert. Die Bundesregierung will zwar reagieren, doch todkranken Kindern läuft die Zeit davon.

Der Fehler im System: Erwachsene und Kinder werden bei der Vergütung gleichgestellt

Weil kranke Kinder besonders viel Zeit und Personal kosten, bedeuten sie oft ein "Verlustgeschäft." Das Fallpauschalensystem, das Menschen und ihre Krankheiten ökonomisiert und in ein starres Vergütungssystem presst, "belohnt technisierte Bereiche und standardisierte Abläufe", so Christoph Klein, Leiter des Haunerschen Kinderspitals laut BR. "Das funktioniert aber bei Kindern nicht."

"Wenn wir zum Beispiel einem dreijährigen Kind Blut abnehmen, ist das nicht so einfach. Es streckt meist nicht freiwillig seinen Arm her, sondern es windet sich, wehrt sich und weint. Wir müssen mit dem Kind reden, sein Vertrauen gewinnen, ihm erklären, was wir machen. Und das kostet einfach Zeit."

Besonders Babys und Kleinkinder brauchen intensive Fürsorge, sie müssen fast rund um die Uhr betreut, gewickelt und gefüttert werden. Aber diese Zeit ist im deutschen Gesundheitssystem nicht vorgesehen und wird nicht bezahlt. "Deshalb sind alle Kinderkliniken chronisch unterfinanziert", so Klein.

Auch Michael Melter, Leiter der Kinderklinik in Regensburg, sieht das Hauptproblem in den Fallpauschalen, wonach Kliniken für Kinder oft nur das Gleiche bekommen wie für erwachsene Patienten.

Beim Niesen Nase zugehalten - eine Woche Krankenhaus!

Nun hofft man auf die Bundesregierung - aber das kann bekanntlich dauern 

Der GKV-Spitzenverband (zentrale Interessensvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland) hat auf Nachfrage von BR24 Änderungen im Fallpauschalensystem angekündigt. Ein entsprechendes Papier läge Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits vor.

Doch ob die geforderten Maßnahmen rechtzeitig oder überhaupt kommen, ist unklar. Der Leiter des Haunerschen Kinderspitals in München Christoph Klein befürchtet, dass er den Eltern schwerkranker Kinder irgendwann sagen muss: "Tut uns leid, aber wir können Ihr Kind hier in Deutschland nicht mehr ausreichend versorgen."

Dass schwerkranke Kinder in Deutschland unter rein ökonomischen Gesichtspunkten behandelt - oder eben nicht behandelt - werden, ist ein Skandal.

sar

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