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Selbstbewusst durch das perfekte Kleid Mode ist keine Gesundheitsdebatte, sondern ein Menschenrecht

Selbstbewusst durch das perfekte Kleid: Mode ist keine Gesundheitsdebatte, sondern ein Menschenrecht
© HM-Studios
Man will mit der Kollektion das Dicksein von Menschen nicht unterstützen. Das ist tatsächlich eine häufige Begründung dafür, warum große Größen nicht produziert werden. Seit wann ist Mode zu einer Gesundheitsdebatte geworden?

Dicke Menschen kennen es leider: Völlig fremde Personen meinen es vermeintlich gut, indem sie ungefragte Abnehm-Ratschläge verteilen, darauf hinweisen, dass eine andere Person dick sei oder allerhand Beleidigungen verteilen. Dicke Menschen müssen sich häufig mit Diskriminierung auseinandersetzen – denn gesellschaftlich wird Mehrgewicht noch immer mit Faulheit, viel Essen und Inkonsequenz assoziiert.

Selbst in der Modewelt hört die Diskriminierung dicker Menschen nicht auf

Und selbst in der Modewelt hört diese Debatte nicht auf. Der Reality-Darsteller Jan Leyk hat eine eigene Kollektion herausgebracht und auf Nachfrage seiner Fans, warum es diese nicht in großen Größen gäbe, geantwortet, er wolle das Fettsein der Menschen damit nicht unterstützen, erinnert sich Tanja Marfo alias @kurvenrausch im Interview mit BRIGITTE. Tanja Marfo ist Plus Size Bloggerin, Podcasterin und Autorin und möchte mit ihrer Arbeit Sichtbarkeit für dicke Menschen schaffen. Gleichzeitig klärt sie über gesundheitliche Fakten auf – ihr ist es wichtig, nichts zu verschweigen.

Dennoch sagt sie: "Mode und Gesundheit, das sind zwei Paar Schuhe." Leider sei Jan Leyk mit seiner Meinung nicht allein – viele Marken hätten ähnliche Argumente, wenn auch netter verpackt. "Dabei ist es so wichtig, dass Mode für alle Menschen verfügbar ist. Mode ist ein Menschenrecht", sagt sie. Denn nur die Verfügbarkeit schafft die Grundlage einer breiten Auswahl, sodass auch dicke Menschen das anziehen können, was ihnen gefällt und worin sie sich wohlfühlen. Denn: Oft genug müsse man das nehmen, was da ist.

Ein schönes Outfit kann Menschen selbstsicherer machen und stärken

"Die Verfügbarkeit sorgt dafür, dass wir uns in unseren Klamotten wohlfühlen", sagt Marfo. "Und wer sich wohlfühlt, geht raus, ist sichtbar und hat eine ganz andere Haltung." Ihr habe Mode oft dabei geholfen, sich zu entwickeln. Mit der richtigen Sportkleidung kam auch die Motivation, sich mehr zu bewegen. Mit dem richtigen Bikini das Selbstvertrauen schwimmen zu gehen. "Wenn man schöne Kleidung trägt, in der man sich wohlfühlt, dann tritt man gleich viel selbstsicherer auf und führt Gespräche, die man sonst nie geführt hätte", sagt sie.

Nicht nur das man selbst die Umwelt anders wahrnimmt, die Menschen um einen herum reagieren ebenfalls anders – häufig positiv. "Mode ist wie Make-up oberflächlich, aber es kann einem so viel Selbstvertrauen und Mut geben, den man manchmal einfach braucht", sagt Marfo. Sich den Mut anziehen können, dafür ist es wichtig, dass auch dicke Menschen die Wahl haben. "Mode ist Freiheit", so Marfo. Mode sagt (un)bewusst immer etwas über seine:ihre Träger:in aus. Jede:r sollte das Recht darauf haben, sich so kleiden zu können, wie er:sie es möchte, so Marfo.

Über Gesundheit muss gesprochen werden – aber an anderer Stelle

"Über Gesundheit müssen wir immer sprechen", sagt Marfo, "aber an einer anderen Stelle." Es sei einfach eine totale Krux zu glauben, dass, wenn Marken sich dazu entscheiden würden, große Größen zu produzieren, sie dicke Menschen darin bestätigen oder sie gar animieren würden, noch dicker zu werden. Ganz im Gegenteil, wenn sich eine Marke dazu entscheidet, die Größen sichtbar zu machen, können sie vielen Menschen helfen, ihren Selbstwert zu stärken und ein Leben zu führen mit dem Bewusstsein: Man hat auch an mich gedacht!

Brigitte

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