Schnullergate in Hamburg: Café schließt Kinder aus – Fenster mit Farbe beschmiert

Kinder unter 6 Jahren sind im Frühstücks-Restaurant "moki's goodies" in Hamburg nicht erwünscht. Jetzt kämpft die Betreiberin mit einem Shitstorm.

"Liebe Supermuttis, ich finde es ist an der Zeit, die Verhältnismäßigkeit dessen, was Ihr hier seit einigen Tagen im Netz veranstaltet, ernsthaft in Frage zu stellen ..." Mit diesen Worten beginnt ein langes Statement der Inhaberin des Cafés "moki's goodies" in Hamburg. Das Bild dazu zeigt schwarz auf weiß nur ein Wort: #SCHNULLERGATE. Was ist passiert?

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Jetz mal ehrlich - es reicht. Liebe Supermuttis, ich finde es ist an der Zeit, die Verhältnismäßigkeit dessen, was Ihr hier seit einigen Tagen im Netz veranstaltet, ernsthaft in Frage zu stellen. Ich habe ein Restaurantkonzept, das Euch nicht gefällt und das ist einigen als Anlass genug für einen Shitstorm vom feinsten. Ohne dass auch nur eine einzige von Euch vorher das persönliche Gespräch gesucht hätte, verurteilt Ihr mit heiligem Eifer mein Unternehmen mit erstaunlicher verbaler Aufrüstung und Feindseligkeit. Überträgt man die Situation mal gedanklich von Muttis im Internet zu Schülern auf dem Pausenhof, dann wäre die Bezeichnung glasklar „Mobbing“. Ich wünsche Euren sicher ganz wundervollen Kindern sehr, dass sie so etwas nie erleben müssen. Ich bin erwachsen und habe ein breites Kreuz und eine hohe Frustrationstoleranz, ohne die könnte ich meinen Job gar nicht machen. Und ich möchte gerne mal ein paar Sachen klarstellen. Erstens: Überraschung Überraschung - auch ich bin Mutter. Kenne mich also durchaus im Thema aus. Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, habe eine großartige Tochter, ein sehr süßes Patenkind und Nichten und Neffen. Kinderfeindlichkeit zu unterstellen ist also schonmal Blödsinn. Zweitens: Das moki’s goodies ist kein spendenfinanziertes demokratisches Mutter-Kind-Projekt, sondern ein Restaurant für das ich mir ein Konzept überlegt und in das ich mein privates Geld investiert habe. Weil ich meine eigenen Entscheidungen treffen möchte ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen. (...)

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Eine Mutter – die 36-jährige Nicole Hansen, Besitzerin der "Frau Hansen"-Boutique – berichtete auf ihrem Instagram-Account, dass sie sich gerne zu einem Meeting im "moki's goodies" verabreden wollte, dann habe sie allerdings gesehen, dass Kinder unter 6 Jahren dort verboten sind. Bis vor Kurzem stand im Reservierungstool des "moki's goodies" zu lesen: "Erwachsene & Kinder ab 6 Jahren. No babies no cry." Also sei sie mit ihrer kleinen Tochter in ein anderes Café ausgewichen, "dort haben wir uns sehr willkommen gefühlt". 

Es folgte ein Shistorm für das "moki's goodies". Besonders Mütter berichten von unerfreulichen Erfahrungen mit dem "moki's", sie seien dort unfreundlich behandelt und darauf hingewiesen worden, dass kleine Kinder dort nicht erwünscht sind. Eine Frau schreibt: "Eine gute Freundin von mir wurde mit ihrem schlafenden Baby im Tragetuch erst ein Platz zugewiesen und nachdem sie dann Ihr Essen bereits hatte wurde sie auf unangenehme Weise darauf hingewiesen, dass es eigentlich nicht in Ordnung sei dass sie mit Baby da ist. Mütter wären nicht die Zielgruppe ... 🤷‍♀️"

Der Spruch zu den weinenden Babys ist inzwischen von der Webseite verschwunden. Auch auf der Startseite steht nicht mehr "Für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren", sondern stattdessen "Für Love Peace and Happiness".

Inhaberin verteidigt sich

In ihrem Instagram-Post verteidigt Inhaberin Monika Ertl ihr Konzept. Sie sei selbst Mutter, "habe eine großartige Tochter, ein sehr süßes Patenkind und Nichten und Neffen", ihr "Kinderfeindlichkeit zu unterstellen" sei "also schon mal Blödsinn". Das "moki’s goodies" sei "kein spendenfinanziertes demokratisches Mutter-Kind-Projekt, sondern ein Restaurant, für das ich mir ein Konzept überlegt und in das ich mein privates Geld investiert habe. Weil ich meine eigenen Entscheidungen treffen möchte ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen".

Ihre Meinung zu dem Shitstorm: "Überträgt man die Situation mal gedanklich von Muttis im Internet zu Schülern auf dem Pausenhof, dann wäre die Bezeichnung glasklar 'Mobbing'. Ich wünsche Euren sicher ganz wundervollen Kindern sehr, dass sie so etwas nie erleben müssen." 

In den Kommentaren zu diesem Posting toben heftige Diskussionen zum Thema Kinderfeindlichkeit. Dort steht zum Beispiel zu lesen: 

"Euer Laden, eure Regeln. Ich sehe den „Mobbing-Aspekt“ aber auch eher bei euch. Ihr schließt halt einfach eine Personengruppe aus. Ihr pauschalisiert. Kinder = Laut. Das ist schlichtweg diskriminierend. Sehr schade. War immer gern bei euch."

"Es geht nicht (nur) darum, dass euer Konzept nicht gefällt. Sondern um die unfreundliche Art, in der ihr es durchsetzt."

"Es ist erschreckend, wie wenig Kinder als Teil der Gesellschaft betrachtet werden. Meinen Kaffee kann ich auch woanders trinken, das ist nicht das Problem. Vielmehr würde es uns allen besser gehen, wenn wir nicht nur auf uns gucken würden. Die Leute wollen ihre Ruhe beim Kaffee trinken. Aha. Wenn es aber später um die Rente geht, dann sind die Kinder von heute mehr als gern gesehen. Beschämend. 😤"

Es gibt allerdings auch Stimmen, die das "Keine kleinen Kinder-Konzept" verteidigen. Eine Mutter schreibt zum Beispiel:

"Also, auch ich habe mich im ersten Moment ein wenig "diskriminiert" gefühlt. Als noch recht frische Mama darf ich also nicht mehr in das Café gehen, das ich doch so gern mochte🤔 Doch ich habe drüber nachgedacht und kam zu dem Ergebnis: Es ist dein Laden, dein Invest, das du liebevoll hochgezogen hast und du ganz allein entscheidest, wen du in deinem Café haben möchtest 💪🏼 Ich gehe davon aus, dass du Mamas und Kinder nicht grundsätzlich blöd findest. Auch war ich mal Nicht-Mama und kann durchaus verstehen, dass Kleinkinder anstrengend sein können, wenn man entspannt Kaffee & Kuchen genießen möchte. Ich werde weiter zu dir kommen. Vielleicht um ganz in Ruhe - mal ohne Baby - an meinem Blog zu arbeiten oder mit Freundinnen zu frühstücken."

Und auch ein Vater stimmt zu:

"Als Vater und kinderfreundlicher Mensch kann ich dennoch ihr Konzept voll und ganz verstehen! Ich selber gehe auch mal gerne mit meiner Familie oder auch mal mit meiner Frau alleine essen."

Insgesamt hat der Post bereits mehr als 600 Kommentare. Es bleibt zu hoffen, dass der Austausch zu diesem Café in Hamburg zu etwas mehr Verständnis und Toleranz auf beiden Seiten führt. 

Die Redaktion von BRIGITTE.de hat die Inhaberin des Cafés um eine Stellungnahme gebeten, bisher allerdings noch keine Antwort erhalten.

Update: Cafe mit Farbe beschmiert

Inzwischen attackieren die Kritiker des "keine-Kleinen-Kinder-Konzepts" das Café "moki's goodies" auch ganz real. In der Nacht zum Freitag, 22. März, wurde die Fassade des Cafés mit schwarzer und weißer Farbe besprüht. Auf einer Scheibe prangt ein trauriger Smiley, auf den großen Scheiben daneben stehen die Worte "Kevin, 6 Jahre". Inhaberin Ertl postete selbst ein Foto der Schmierereien in einer Instagram-Story, dazu schrieb sie: "Heute leider eingeschränkte Sichtverhältnisse. Danke Kevin." Geöffnet wurde das Café trotzdem.

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