Die Welt ist reif für neue Frauenbilder

Die Haare hübsch hochgesteckt, in der Hand wahlweise einen Kochlöffel oder einen Feudel: Solche Fotos gibt es in der "Lean In Collection" zum Glück nicht. Die neue Foto-Datenbank zeigt moderne Frauenbilder und ruft mit dem Hashtag #RepictureWomen auf Instagram zum Mitmachen auf.

Die "Lean In Collection": Weg von alten Rollenbildern und Klischees

Täglich greifen die Medien auf Fotoagenturen zurück, um ihre Texte zu bebildern. Geht es dabei um Frauen, triefen die Symbolbilder oft vor Rollenklischees - besonders bei Berufsthemen: Bleistiftrock, High Heels und rote Lippen gehören demnach bei der Arbeit zur Standardausrüstung. Und wer Karriere machen möchte, packt die Boxhandschuhe aus.

Diesen realitätsfernen Klischeekeulen setzen die Bildagentur Getty und die Organisation "Lean In" von Facebook-Managerin Sheryl Sandberg nun eine neue Datenbank entgegen: In der "Lean In Collection" gibt es mehr als 3.000 Fotos ganz unterschiedlicher Frauen, die ein selbstbestimmtes Leben führen.

Aufruf zum Mitmachen: #RepictureWomen

Um so viel Vielfalt wie möglich zu zeigen, hat "Lean in" eine Social-Media-Aktion gestartet. Unter dem Hashtag #RepictureWomen können Nutzer Fotos posten, die aus ihrer Sicht zeigen, wie starke Frauen, Mädchen und Familien heute aussehen. Hunderte haben bereits mitgemacht, hier sehen Sie die neuesten Beiträge:

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Das Projekt begann mit einer Studie: Pam Grossman, leitende Mitarbeiterin bei Getty Images, untersuchte, inwiefern sich die Darstellung von Mädchen und Frauen in den Medien verändert hat - oder eben nicht.

Die Ergebnisse präsentierte sie auch der Sheryl Sandberg, die mit ihrem Buch "Lean In" (sinngemäß: "Wagt euch vor!") und ihrer gleichnamigen Organisation Frauen zum Führen ermutigen möchte. Sandberg wünscht sich eine Welt, in der die Hälfte der Firmen von Frauen geführt wird und die Hälfte der Haushalte von Männern. Und diese Welt will sie auch in Bildern transportiert wissen. Kurz darauf fiel der Startschuss zur "Lean In Collection".

Bei der Auswahl der Bilder achteten die Redakteure bei Getty besonders darauf, wie die Frauen auf den Betrachter wirken. "Das Wichtigste für uns ist, dass die Frau auf dem Foto die Protagonistin ihrer eigenen Geschichte ist. Sie soll sich als Heldin ihres Bildes fühlen", sagte Grossman dem Onlineportal BuzzFeed. Auch die Vielfalt sei ein zentrales Auswahlkriterium gewesen - nicht nur in Bezug auf Nationalität, sondern auch auf Alter, Beruf und Familienmodell. So sieht man in der Sammlung auch das Bild eines Vaters, der seiner Tochter die Haare flicht.

Grossman hofft, jeden Monat neue Bilder hinzufügen zu können - und damit Fotografen zu positiveren Aufnahmen von Frauen zu inspirieren.

"Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern nicht sehr weit"

Getty befragte auch Kreativdirektoren von Werbeagenturen aus aller Welt, wie sie die aktuelle Darstellung von Frauen in Medien und Werbung beurteilen. Über das deutsche Frauenbild sagt Nina Rieke von der Agenture DDB Tribal Group: "Die Stärke der Frauen heute ist ein klarer Fakt, aber in den Medien ist die Realität noch eine andere. Typische Bilder sind "das glamouröse Kätzchen", "die heilige Mutter", "die verschlagene Hexe", "die taffe Geschäftsfrau", wie auch ein UNESCO-Report von 2009 feststellte. Wir werden daher nochmal 75 Jahre brauchen, bis wir eine Gleichstellung der Geschlechter auch in den Medien erreicht haben. Deutschland ist hier im Vergleich zu anderen Ländern nicht sehr weit, noch gab es einen bedeutenden Sprung in den letzten Jahren."

Bilder aus der "Lean in Collection" von Getty

Artikel aktualisiert am 18.6.2014
Nicole Wehr

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