Ertrunkenes Flüchtlingskind: Ein Foto bewegt die Welt

Das Foto eines ertrunkenen Kleinkindes verbreitet sich rasend in den Medien. Wir werden es nicht zeigen. Ein Kommentar von BRIGITTE-Redakteur Henning Hönicke.

Das Bild bringt die Flüchtlingskrise schonungslos auf den Punkt: Die Leiche eines Kleinkindes, ertrunken auf der Flucht, am Strand angeschwemmt wie ins Meer geworfenes Treibgut. Ein Foto, das schwer zu ertragen ist, aber auch wie kein anderes Dokument spürbar macht, wie verzweifelt die Lage der Flüchtlinge ist. Wie schlimm müssen Zerstörung, Leid und Gewalt im Heimatland sein, dass das Risiko, im Meer so jämmerlich zu ertrinken, als das kleinere Übel erscheint?

Zahlreiche Medien haben das Foto veröffentlicht, und auch auf Twitter verbreitete sich das Bild unter dem Hashtag #KiyiyaVuranInsanlik (türkisch für "weggespülte Menschlichkeit").

Wer das Bild sehen möchte, hat im Netz mehr als genug Möglichkeiten. Wir möchten stattdessen lieber die Geschichte hinter dem Foto und dem Kind, das so tragisch ums Leben kommen musste, erzählen:

Bei dem Jungen handelt es sich laut Bericht des "Ottawa Citizen" um den dreijährigen Aylan Kurdi. Seine Eltern, Abdullah und Rehan Kurdi wollten mit ihm und seinem fünfjährigen Bruder Galip aus Syrien nach Kanada fliehen.

Dort lebte bereits seit zwanzig Jahren die Schwester von Mutter Rehan, die die Familie bei sich aufnehmen wollte. Aufgrund verschiedener bürokratischer Hürden war dieser Schritt nicht einfach - ein großes Problem war, dass die türkische Regierung keine Ausreisevisa ausstellte. Daher entschieden sich die Eltern für den riskanten Weg, mit einem Schlepperboot nach Griechenland zu reisen. Unterwegs kenterte ihr Boot.

Aylan, Galip und Rehan ertranken, gemeinsam mit acht anderen Flüchtlingen. Vater Abdhullah überlebte und hat jetzt nur noch den Wunsch, nach Syrien zurückzukehren und dort gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern beerdigt zu werden.

Die Geschichte dieser Familie ist unfassbar traurig und leider bei Weitem kein Einzelfall. Dieses Leid noch zusätzlich durch Zeigen ihres ertrunkenen Kindes zu unterstreichen, ist aus unserer Sicht nicht notwendig.

Notwendig ist es aber weiterhin über die verzweifelte Situation der Flüchtlinge zu berichten, sie in ihrer Not nicht alleine zu lassen.

Aylan musste sterben, viele andere sind knapp mit dem Leben davon gekommen. Sie brauchen unsere Hilfe. Hier gilt es hinzusehen und aktiv zu werden. Einige Möglichkeiten haben wir hier für Euch zusammengestellt.

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