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Lasst uns aufhören, reflexartig von Terror zu sprechen!


Hinter uns liegt ein Wochenende mit Schreckensmeldungen. Menschen haben sinnlos ihr Leben verloren. Was Autor Florian Meyer zusätzlich schrecklich findet, ist, dass sofort in Zusammenhang mit den Taten von "Terror" gesprochen wird. Ohne die Fakten zu kennen, werden Ängste geschürt und Hysterie verbreitet. 

Freitagabend in München: Zunächst heißt es, es seien Schüsse in einem Einkaufszentrum gefallen. Unser aller erster Impuls: Oh Gott, ist es so wie in Paris? Ein Terroranschlag bei uns? Noch vor wenigen Jahren wäre unser erster Gedanke gewesen: Oh Gott, ein Amoklauf!

Doch heute ist es leider so weit, dass unser erster Gedanke, wenn etwas passiert, lautet: Ist der Terror jetzt bei uns? Gleiches gilt, so lange die Faktenlage nicht eindeutig geklärt ist, für den Angriff in Reutlingen und ebenso für die schreckliche Tat in Ansbach.

Das macht mich wütend. Denn das bedeutet, dass uns die Angst vor dem Terror beherrscht – und damit haben "die" ja schon gewonnen. Und das will ich nicht.

Man kann fatalistisch sein und sich denken: Wenn etwas passiert, passiert es, ich habe ohnehin keinen Einfluss darauf. Aber wir sollten nicht darauf "hinfiebern", dass "endlich" ein Terroranschlag bei uns passiert. Diese ständige Erwartung vergiftet unser Leben!

Natürlich sollte man nicht zu naiv sein. Nach den Terroranschlägen von Paris, Brüssel und Nizza kann niemand erwarten, dass etwas Ähnliches bei uns in Deutschland undenkbar ist. Aber es ist ein Unterschied, einen Terroranschlag vor der Haustür für möglich zu halten - und einen zu erwarten. Dieser Tage fühlt es sich traurigerweise sogar so an, als würde manch einer den Terror herbeisehnen, damit es endlich passiert ist und wir nicht in dieser ständigen Anspannung leben müssen - so lesen sich auch viele private Facebook-Posts zum Thema.

Das alles drängt leider auch das in den Hintergrund, was jetzt im Fokus stehen sollte - nämlich die Trauer um die unschuldigen Opfer und die Anteilnahme mit den Angehörigen und Betroffenen!


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