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Kopfkarussell Ich weiß nicht, was ich vom Leben will, und das muss auch gar nicht sein

Zeichnung einer jungen Frau mit Kopfhörern
© Fortis Design / Adobe Stock
Oft scheinen andere Menschen davon auszugehen, dass ich mit 30 nun den Rest meines Lebens bis ins kleinste Detail vorgeplant habe. Doch wieso sollte ich? Über die Freude daran, keinen Plan zu haben.

Ich lebe gerne im Hier und Jetzt. Das war schon immer so, und das ist mir auch jetzt noch geblieben. Ich glaube selbst nicht daran, dass ich jemals anders sein werde. Ich bin gerne spontan, bin dabei, wenn ich Zeit habe, und bin es eben nicht, wenn mir was dazwischen kommt. Und so ist es bei mir oft nicht nur mit Freund:innen oder Familie oder mit Beziehungen. Es ist auch mit der Zukunft so, die in meinem Kopf quasi non-existent ist. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass ich vermutlich noch sehr viele Jahre vor mir habe. Viele Möglichkeiten. Und jedes Jahr kann etwas Neues passieren.

Wenn das Egalsein zur Superpower wird

Bei manchen wichtigen Lebensentscheidungen habe ich inzwischen Antworten für mich gefunden. Die meisten lauten: Wenn es passiert, schön – wenn nicht, dann nicht. Ich schaue einfach, wohin mich der Weg wohl führen wird. Denn auch ohne Plan bin ich letztlich dort angekommen, wo ich jetzt bin – und bin damit tatsächlich sehr zufrieden. Ich habe meine eigene Wohnung, genug Geld, um zu reisen und etwas mit meinen Freund:innen zu unternehmen. Kann Sport machen oder Essen gehen, ohne mir zu viele Sorgen über die Kosten zu machen.

Das Leben ist gut zu mir, denke ich mir oft. Wie es aber in zehn oder 15 Jahren für mich weitergeht? Das weiß ich absolut nicht, und ich habe hier eher die Devise, dass ich eben in das eine oder andere hineinstolpern werde. Und dann bleibe ich bei der Sache, die mir am besten gefällt. Das mag für einige nun riskant klingen. Aber es ist doch so: Ich kann nicht wissen, was die Zukunft bringt. Warum soll ich mir jetzt Sorgen oder Gedanken über das machen, was vielleicht nie passiert?

Ich brauche keinen 10-Jahres-Plan

Da ich mir nie so richtig vornehme, was ich unbedingt in den kommenden Jahren erreichen will, fühle ich mich sehr frei in meiner Entscheidungswahl. Ich habe beispielsweise nicht vor, mir in zehn Jahren ein teures Haus zu kaufen. Unter anderem, weil ich weiß, dass der Markt nicht so gut aussieht, andererseits, weil ich nicht so viel Platz brauche und diesen Traum vom Eigenheim zurzeit nicht habe. 

Ich denke nicht an Familiengründung und glaube, dafür bin ich auch nicht wirklich der Typ. Stattdessen ist es mir vor allem wichtig, dass ich reisen und Dinge erleben kann und dass ich eben das genießen kann, was mir am meisten Spaß im Leben macht: Essen, Reisen, Schreiben, Menschen treffen. Um einige zu nennen. Und sollten sich meine Prioritäten verschieben, dann ist das doch eine Sache für mein Zukunfts-Ich. Wenn ich dann noch ein Haus will, kann ich einen Kredit aufnehmen. Wenn ich doch Kinder will, es aber für mich zu spät ist, kann ich immer noch versuchen, zu adoptieren. Es ist nicht alles immer nur schwarz und weiß, nur weil man sich jetzt gegen etwas entscheidet. Auch wenn viele Menschen versuchen, mir einzureden, dass es nur in diesem Moment Sinn macht, sich all diese Gedanken zu machen, weil man später sonst das traurige Häufchen Elend wird.

Entschuldigt bitte, liebe Menschen. Aber wer so von mir denkt, kennt mich nicht gut genug. Ich bin der Meinung, dass ich, egal in welchem Alter, dazu in der Lage bin, über mein eigenes Leben zu bestimmen – und dass ich mit einem kühlen Kopf zukünftige Probleme genauso in den Griff bekomme.

Haus, einen Roman schreiben, auswandern – alles ist möglich

In meinem immerzu mit neuen Ideen überladenen Kopf (vor allem zur Nachtzeit) reifen stetig neue Möglichkeiten heran. Vielleicht schreibe ich irgendwann ein Buch oder versuche mich an meiner eigenen DIY-Pinterest-Karriere, fange an, bei Twitch zu streamen, oder werde doch irgendwann DJ, weil ich ja eh andauernd nicht schlafen kann. Alles fein, würde ich sagen. Ich bin flexibel, habe inzwischen schon in vier oder fünf Bereichen erfolgreich gearbeitet und glaube daran, dass ich mich beweisen kann, wo ich es will. Ich finde, diese Offenheit macht die Zukunft erst recht spannend und aufregend. Wozu brauchen wir da überhaupt einen Plan im Leben?

Pläne und Enttäuschung gehen oft Hand in Hand

Es ist mit Zukunftsplänen bei vielen Menschen, die ich kenne, wie mit To-do-Listen. Man nimmt sich viel zu viel vor und ist am Ende enttäuscht, wenn man von der Zielgeraden herunterrutscht und den Traum nicht in fünf, sondern vielleicht erst in zehn Jahren realisiert. Dabei ist doch die Hauptsache, dass man das Ziel irgendwann erreicht, wenn man sich ein solches setzt. Wir leben eh immer länger.

Vielleicht fällt mir meine "Ich plane nur das eine Jahr und sonst gar nichts"-Attitüde irgendwann auf die Füße. Aber ehrlich gesagt ist es mir lieber, jetzt stressfreier und unbeschwerter zu leben. Und all das, was mein Zukunfts-Ich betrifft, hat mich jetzt noch nicht zu interessieren. Stress wird sicherlich auf mich zukommen, aber das hat für mich jetzt noch keine Relevanz.

Außer vielleicht bei ein paar Altersvorsorge-Plänen und Co. – ich meine, komplett irre bin ich auch wieder nicht. Mein Geld zu investieren und hoffentlich zu maximieren, den Sinn sehe ich schon. Immerhin will ich auch später noch gut leben können. Aber für mich ist es eben okay, keine Zukunftspläne in Sachen Liebe, Familie, Kinder oder Haus zu schmieden, wenn ich im Hier und Jetzt zufrieden bin. Denn wenn das so bleibt, ist schließlich auch mein Zukunfts-Ich zufrieden. Meine Devise: Jetzt bin ich einfach ich.

Brigitte

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