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Korea: Aufregung um BRIGITTE-Bloggerin

Im BRIGITTE.de-Blog schreibt Vera Hohleiter regelmäßig über ihr Leben in Seoul. Nun hat sie ihre Erfahrungen auch als Buch veröffentlicht – und damit in Südkorea einen Skandal ausgelöst.

BRIGITTE.de: Ihr Blog ist voll von teils bösen Kommentaren – haben Sie damit gerechnet, dass die Koreaner so heftig auf Ihr Buch reagieren würden?

Vera Hohleiter: Ich hatte befürchtet, dass es Reaktionen geben würde, aber nicht, dass das so schnell und heftig passiert. Mir war klar, dass nicht allen gefallen würde, was ich geschrieben habe. Dass aber eine solche Hexenjagd daraus wird, hatte ich nicht vermutet.

BRIGITTE.de: In dem Buch geht es darum, wie Sie den Alltag in Korea erleben. Was daran sorgt für so große Aufregung?

Vera Hohleiter: Viele Koreaner sind für Kritik an ihrem Land nicht zugänglich. Von meiner Perspektive aus ist mein Buch ja gar nicht so kritisch. Viele Sachen, über die Deutsche lachen können, werden aber von Koreanern bösartig empfunden.

BRIGITTE.de: Dazu kommt, dass Sie in Korea auch vor dem Buch schon bekannt waren.

Hohleiter: Ich mache ja regelmäßig bei einer Fernsehsendung mit, in der Ausländerinnen über Korea sprechen. Deshalb beschimpfen manche mich jetzt als Verräterin, weil ich mich in der Sendung angeblich immer positiv über Korea geäußert habe. Das stimmt aber nicht. Wir sprechen einfach meistens über Themen, über die man nichts Kritisches sagen kann - zum Beispiel, wo in Korea wir am liebsten Urlaub machen. Aber gerade die Boulevardpresse und die Internetnutzer habe ich öfters schon kritisiert.

BRIGITTE.de: Übers Internet hat sich Ihr Buch ja schließlich auch zum Skandal hochgeschaukelt.

Hohleiter: Eine koreanische Studentin, die in Deutschland lebt, aber offenbar nicht so gut Deutsch spricht, hatte von jemandem etwas Negatives über mein Buch gehört. Sie hat darüber in einem koreanischen Internetforum geschrieben. Das wurde dann von diesem Forum in andere Foren kopiert und diskutiert. Schließlich hat eine Internetzeitung das Thema aufgenommen, sich aber nicht die Mühe gemacht zu recherchieren, nicht gefragt, ob diese Studentin das Buch gelesen hat, nicht mit mir gesprochen und natürlich auch nicht mit dem Verlag, sondern einfach die Anschuldigungen wiedergegeben. Über andere Internetzeitungen hat sich die ganze Debatte wie ein Lauffeuer verbreitet. Ich habe davon aber erst spät etwas mitbekommen – ich lese keine Foreneinträge über mich, weil ich damit schlechte Erfahrungen gemacht habe.

BRIGITTE.de: Kommt denn eine solche Stimmungsmache häufiger vor?

Hohleiter: Ich bin inzwischen seit 3 Jahren in Korea und habe in der Zeit öfters miterlebt, dass junge Sängerinnen oder Schauspielerinnen Selbstmord verübt haben, weil sie nicht mehr ertragen haben, wie im Internet gegen sie gehetzt wurde. Meiner Meinung nach liegt diese Stimmungsmache aber auch nicht nur an den Internetnutzern, sondern auch an Journalisten, die ohne zu recherchieren einfach aus einem Internetforum kopieren. Das kommt dann zusammen mit dem koreanischen Nationalgefühl. Wenn ein Deutscher, der in den USA lebt, auf Deutsch ein kritisches Buch über das Land schreiben würde, würde das sicher nicht prominent in amerikanischen Zeitungen abgehandelt. Das ist hier anders.

BRIGITTE.de: Wie ist Ihre Situation denn jetzt im Moment?

Hohleiter: Ich kann mich praktisch nur im Auto oder im Taxi fortbewegen, weil ich auf der Straße natürlich sofort erkannt werde. Das war auch vor Erscheinen meines Buches schon so - ich wurde oft angesprochen, weil Leute mit mir ein Foto machen oder mit mir sprechen wollten. Jetzt gibt es natürlich Leute, die mir gegenüber sehr aggressiv sind. Aber viele kommen auch zu mir und versuchen, mich aufzumuntern. Auch in den Foren schlägt die Stimmung um. Heute haben einige liberale Zeitungen Artikel geschrieben, in denen sie die Boulevardzeitungen und ihre Stimmungsmache kritisieren.

BRIGITTE.de: Sie sind ja für Ihren koreanischen Freund Joe nach Seoul gezogen – was sagt er dazu, dass sie jetzt im Zentrum eines Skandals stehen?

Hohleiter: Er unterstützt mich sehr. Er hatte schon immer einen starken Beschützerinstinkt und ihm tat immer schon leid, wenn mir in Korea etwas Schlechtes passiert ist. Auch seine Familie steht hinter mir, was mich überrascht hat. Ich komme mit seiner Familie gut klar, aber wir haben kein sehr enges Verhältnis. Nun haben sie mich angerufen und gefragt, ob es mir gut geht, was mich sehr gefreut hat.

BRIGITTE.de: Wollen Sie nach den Ereignissen weiter in Korea bleiben?

Hohleiter: Ich habe im Moment keine Pläne, wegzuziehen, weil das auch das falsche Signal geben würde. Dann würden ja die Leute, die im Internet hetzten, das bekommen, was sie wollen. Ich hätte gern ein Interview gegeben in dem Sender, wo ich arbeite, um Dinge klarzustellen. Aber der Sender wollte nicht, weil er meinte, die Geschichte sei so blöd, dass man sie ignorieren kann. Da mich ja auch jetzt schon viele Leute verteidigen, waren sie der Meinung, dass ich mich nicht selbst verteidigen muss. Deshalb hoffe ich, dass sich die Lage schnell wieder entspannt.

BRIGITTE.de: Und schreiben inzwischen auch schon an einem neuen Buch.

Hohleiter: Ja, einem Roman. Aber der hat mit Korea nichts zu tun.

Vera Hohleiters Buch "Schlaflos in Seoul - Korea für ein Jahr" ist im Verlag dtv erschienen und kostet 8,95 Euro. Veras Erlebnisse in Korea können Sie auch in ihrem Blog nachlesen.

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