Mutter erfindet Krebs-Leiden des Sohnes: 323 Arztbesuche und 13 OPs ohne Grund

Eine Mutter lässt alle Welt in dem Glauben, ihr Sohn hätte unheilbaren Krebs. Nach einem Dutzend Operationen kommt heraus: Die Frau dachte sich die Krankheit nur aus.

Es klingt wie eine herzzerreißende Geschichte: Der kleine Christopher ist acht Jahre alt und hat Krebs – im Endstadium. Hunderte Arztbesuche hat er bereits hinter sich, 13-mal wurde er operiert. Nur: Der Junge aus Dallas, Texas, hat gar keinen Krebs. Im Gegenteil. Vor dem Martyrium war er kerngesund.

Milch-Allergie, Lungentransplantation: Alles Fake

Wie "NBC5" berichtet, dachte sich Christophers Mutter die Krebs-Erkrankung ihres Sohnes nur aus – so wie auch zahlreiche weitere Krankheiten. Die 34-Jährige muss sich jetzt strafrechtlich verantworten. Sie behauptete unter anderem, ihr Sohn reagiere allergisch auf Milch, habe Krebs und benötige eine Lungentransplantation.

Aber: "Ärzte konnten nicht feststellen, dass Christopher krank ist", zitiert "NBC" aus einem Bericht des Jugendamts. Das schaltete sich erst jetzt ein. Christophers Vater hatte nach eigener Aussage schon lange versucht, die Behörden davon zu überzeugen, dass die Mutter seines Kindes jahrelang über dessen Gesundheitszustand log.

"Acht Tage nach seiner Geburt ging es los"

Die beiden lernten sich in einer Bar kennen, begannen eine Beziehung, berichtet der Mann. Dann sei die heute 34-Jährige schwanger geworden, im April 2009 kam Christopher zur Welt. Und schnell fingen die Schwierigkeiten an, sagt der Vater: "Acht Tage nach seiner Geburt ging es los."

Seine Mutter behauptete, der Säugling reagiere allergisch auf Milch. "Sie sagte, er würde sich jedes Mal erbrechen, wenn er Milch trank", berichtet der Vater. "Es machte aber keinen Sinn, weil ich ihn nie Milch erbrechen sah." Zehn Monate später, bei einer Sorgerechtsverhandlung vor dem Familiengericht, folgte der nächste Schock: Die Mutter erklärte dem Richter, dass Christopher niemals werde laufen können, außerdem habe er Probleme mit dem Essen und benötige eine Ernährung per Sonde.

Alles gelogen, meint der Vater: "Ich versuchte immer und immer wieder, die Leute davon zu überzeugen, dass mein Sohn nicht krank ist und dass sie [die Mutter] versucht, das System zu manipulieren." Die Versuche blieben erfolglos, selbst als der Vater sich einen Anwalt nahm.

So habe der Familienrichter der Aussage der Mutter mehr Glauben geschenkt: Schließlich behauptete seine Ex-Freundin mittlerweile, ihr Sohn sei sterbenskrank.

Dann sei die Situation völlig aus dem Ruder gelaufen. Mit der Geschichte ihres vermeintlich bald sterbenden Sohnes sammelte die Texanerin Tausende Dollar. Das Geld sei für medizinische Operationen gedacht, behauptete sie. Und ließ einige der Eingriffe tatsächlich an ihrem Sohn vornehmen.

Zwar schöpften die Ärzte Verdacht, heißt es laut "NBC". Doch obwohl sie ihre Bedenken dem Jugendamt mitteilten, sei nichts passiert. Vor wenigen Wochen brachte die Mutter den Jungen abermals ins Krankenhaus und behauptete, er habe einen Krampfanfall erlitten. Doch medizinische Tests zeigten davon keine Spur – erst da schaltete sich die Polizei ein.

"Er hätte sterben können", mutmaßt der Vater des Jungen. "Nur Gott hat ihn gerettet." 

Verdacht auf Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom

Gegen die Mutter ermittelt jetzt die Polizei. Nach Mutmaßung des Vaters leidet sie am sogenannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Dabei denken sich Eltern Krankheiten aus, die ihre Kinder in Wahrheit gar nicht haben. 

Wie es dazu kommen konnte, dass der Junge operiert wurde, obwohl ihm gar nichts fehlte, bleibt unklar. Teilweise soll die Mutter Symptome vorgegaukelt oder bewusst herbeigeführt haben. Wenn Ärzte misstrauisch wurden, wechselte sie offenbar das Krankenhaus. 

Seit Christopher nicht mehr bei seiner Mutter lebt, hat er Berichten zufolge weder Krampfanfälle noch Schwierigkeiten mit dem Essen. "Stattdessen", so heißt es, "ist er fast immer aufgeweckt und spielt."


Was in einer Frau vorgeht, die ihr Kind immer wieder absichtlich in Lebensgefahr bringt, lest ihr hier: 

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