Lehrerin trägt 100 Tage dasselbe Kleid – um ihren Schülern eine Lektion zu erteilen!

Wie bringt man SchülerInnen bei, dass es nicht ihr Äußeres ist, was sie zu dem Menschen macht, der sie sind? Die Kunst-Lehrerin Julia Mooney hat sich eine Lektion ausgedacht, die SchülerInnen nie vergessen werden.

Im September 2018 begann die Kunst-Lehrerin Julia Mooney eine Challenge, die für viele Menschen durchaus hart klingt: OneOutfit100days. Julias Ziel: Ihre SchülerInnen darauf aufmerksam machen, was, wie viel und warum sie konsumieren. "Lasst uns unsere Energie darauf aufwenden Gutes zu tun, statt gut auszusehen", lautet das Motto ihrer Challenge.

Also ging Julia mit gutem Beispiel voran und zog ab September 2018 einhundert Tage lang dasselbe graue Kleid an: zur William Allen Middle School (wo sie arbeitet), zu Hause, zum Einkaufen.

100 Tage dasselbe Kleid tragen

Die 34-Jährige ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit ihnen in einem Haus, gebaut in den 1930er Jahren, in einem Vorort in den USA, wo sie acht Hühner halten. Sie ist Lehrerin, Künstlerin und Doula. Ihr Motto: Ohne Herausforderungen kann man nicht wachsen.

Was ihr am Herzen liegt: die Umwelt. Die Konsumgesellschaft bezeichnet sie auf ihrer Webseite als "Kultur des Exzesses": Wir konsumieren, konsumieren und konsumieren – ohne, dass wir all die Dinge wirklich bräuchten. Allem voran Kleidung. "Dabei gibt es keine Regel, die besagt, dass wir jeden Tag etwas anderes tragen müssen", sagte Julia etwa gegenüber USA Today. "Warum erwarten wir das voneinander?"

Wie macht man auf dieses Problem aufmerksam? Und wie bringt man dieses Thema Achtklässlern näher? Julia kam auf die Idee der 100-Tage-Challenge. Inspiriert wurde sie etwa von Matilda Kahl, die drei Jahre (!) lang dasselbe Outfit trug und Bethany Winz, die ein Jahr lang dasselbe Kleid anzog. Auch Steve Jobs und Barack Obama sollen sich einst so einer Challenge angeschloßen haben. Warum tun immer mehr Menschen das?

Die Vorteile sind riesig. Julia nennt folgende Gründe:

  • Die Kleidung, die wir tragen, wird häufig aus Indonesien, China, Vietnam und Co. importiert. Dort wird sie von Menschen unter widrigen Bedingungen für wenig Geld hergestellt, damit wir sie günstig kaufen können.
  • Bei der Produktion der unzähligen Kleidung wird die Umwelt verschmutzt, Wasser verbraucht und verschmutzt (etwa durch Bleiche, Säuren, Farbstoffe, Alkalien und Harze) – während andernorts Menschen verdursten. (Die Designerin Eileen Fisher nannte die Kleidungsindustrie einst die zweitgrößte Umweltverschmutzung – die größte sei die Ölindustrie.)
  • Die Energie, die wir dafür aufbringen zu überlegen, was wir anziehen, wäre besser darin investiert, Gutes zu tun.

Wir definieren uns über das, was wir tragen, statt über das, was wir tun

Julias Nachricht: Wir sollen nachdenken, bevor wir einkaufen. Und näher betrachten, was wir kaufen. Sie plädiert für Second Hand und vor allem auch dafür, weniger einzukaufen. Oder seine Kleidung sogar selbst zu nähen, zu schneidern, (um)zugestalten. Während ihrer 100-Tage-Challenge peppte sie ihr Kleid mit Schals, Strickjacken oder Accessoires auf. So konnte sie ihren individuellen Touch zum Outfit beitragen.

"Halten wir mit dem Konsum nicht bloß eine Kultur aufrecht, in der wir uns darüber definieren, was wir tragen, statt was wir machen?", fragt Julia im Rahmen ihrer Challenge, "Wie wäre es, wenn wir unsere Energie darauf verwenden würden, ein guter, interessanter Mensch zu sein, statt wie ein guter, interessanter Mensch auszusehen?"

Kultur des Exzesses

Julia hat für das Kleid, welches sie 100 Tage lang trug, 50 Dollar (ca. 45 Euro) ausgegeben. Es hielt zahlreiche Waschgänge und die Strapazen durch, weil es kein billig-Produkt war. Die Lehrerin wollte damit zeigen, dass die Investition in Qualitätskleidung sich lohnt, weil sie länger hält. Bei ihrem Kleid kommt sie nach 100 Tagen auf 50 US-Cent pro Tag. Ob ein Billigprodukt einer Mainstream-Kette das auch durchgehalten hätte? Wohl kaum.

Für sich und ihre drei Kinder kauft Julia in Second-Hand-Shops ein. Sie hat dabei ein gutes Gefühl, Kleidung eine zweite Chance zu geben – und für ihre Kinder ist es ohnehin einfach nur neue Kleidung. Julia hat sich Stricken und Nähen beigebracht, um ihre eigene Kleidung herzustellen.

Diese Hobbys will die Kunstlehrerin an ihre SchülerInnen weitergeben. Denn: "Achtklässler sind gerade dabei, sich selbst zu definieren, ihre Identität zu finden. Wegen ihres Alters einerseits und unserer Kultur andererseits, beginnen sie also sich über ihre Kleidung zu definieren und sich darüber zu beurteilen, welche Marken sie tragen", erklärt Julia.

Von ihrer Challenge hat sie ihren SchülerInnen allerdings nichts erzählt, als sie sie startete. Sie wollte wissen, ob es ihnen überhaupt auffallen würde, dass ihre Lehrerin nun jeden Tag das gleiche trägt. "Einige haben es tatsächlich schon am zweiten Tag bemerkt – andere wiederum überhaupt nicht", erzählt Julia. Keiner reagierte negativ, als sie ihnen von ihrer Challenge berichtete.

Gutes tun, statt gut aussehen

Einige der Zwölfjährigen hätten ihr Anliegen durchaus verstanden. Einer ihrer Schüler, Nate Bunting, hätte sich ihrer Challenge sogar angeschloßen. Allerdings trug er nur zwei Tage lang dasselbe Outfit. Immerhin ein Anfang.

Mehr Unterstützung bekam sie von ihrem Ehemann Patrick (38), der Lehrer an einer nahegelegenen High School ist. Er trug die ganzen 100 Tage dieselbe Khaki-Hose und dasselbe dunkelblaue Shirt. Auch schindete die Aktion Eindruck bei der 7-jährigen Grundschülerin Sofia, die von der Challenge in der Zeitung las und sich dazu entschloss, ebenfalls 100 Tage lang dasselbe zu tragen.

Es sei noch erwähnt, dass Julia ihre Kleid während der Zeit natürlich gewaschen hat, als es nötig war. "Es ist ja kein Hygiene-Projekt", kommentiert die Lehrerin. Am 13. Februar 2019 beendete sie erfolgreich ihre 100-Tage-Challenge.

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