Restaurant bietet Speisekarte für Frauen an – und muss es teuer bezahlen ...

Wer in dieses Restaurant geht, bekommt je nach Geschlecht eine unterschiedliche Speisekarte ausgehändigt. Und wir fragen uns: In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?!

Wenn ich mit meinem Freund essen gehe, er sich einen Rotwein und ich mir ein Bier bestelle – ratet mal, wem der Kellner welches Getränk bringt. Dasselbe Phänomen kennen Frauen, die Burger, Steak oder anderweitig von der Gesellschaft als geschlechterspezifisch deklarierte Gerichte ordern. Fühle ich mich davon diskriminiert? Nein, alte Rollenbilder sind nun einmal in vielen Köpfen verankert. Ein Restaurant in Peru hat es mit besagten Geschlechterklischees nun aber auf die Spitze getrieben – und es damit zumindest weltweit in die Medien geschafft.

Im "La Rosa Náutica" in Lima erhielten Frauen, die mit einem Mann das Restaurant betraten, eine andere Speisekarte als ihre Begleitung. Zumindest bis jetzt – denn mittlerweile musste das Restaurant eine Strafe von umgerechnet über 55.000 Euro für die weibliche Speisekarte zahlen!

Eine Speisekarte für die Frau – mit Gold, ohne Preise

Denn auf der goldenen, weiblichen Edition waren keine Preise abgedruckt. Die waren nur in der – wenn schon Klischee, dann auch richtig – blauen Speisekarte des männlichen Gegenübers ersichtlich.

Der Gedanke dahinter entspringt Hollywoodfilmen aus dem letzten Jahrhundert: Der Mann zahlt, die Frau soll sich keine Gedanken um die Kosten machen. Was die einen als Gentleman-Attitude bezeichnen, ist für die anderen Sexismus in seiner reinsten Form. Denn mal ehrlich: Wer schreibt heutzutage noch vor, dass Männer die Rechnung bezahlen müssen? Gelten Frauen noch immer als Geringverdiener – oder als der Part der Beziehung, der erkauft werden muss?

Nein, befand auch das Nationale Institut für die Verteidigung freien Wettbewerbs und den Schutz geistigen Eigentums in Peru und verhängte die saftige Strafe. Der Welt gegenüber äußerte sich eine Mitarbeiterin des Instituts zum Vorfall:

Diese kleinen Dinge mögen harmlos wirken. Aber am Ende des Tages sind sie die Basis für ein chauvinistisches Konstrukt, das die Unterschiede zwischen Männern und Frauen untermauert.

Oprah hält Rede gegen Sexismus

Die Restaurant-Inhaber sollen die Kritik nicht nachvollziehen können – vielmehr würde eine solche Karte doch die Position der Frau hervorheben. 

Ja, letztendlich wird sich bei der Frauen-Speisekarte vermutlich niemand etwas Böses gedacht haben. Deplatziert und diskriminierend ist sie trotzdem, übrigens für beide Seiten: Schließlich wird männlichen Besuchern suggeriert, sie müssten die Rechnung in jedem Fall bezahlen.

Achja, so schnell wird ein Restaurantbesuch zum Minenfeld! Besagtes Etablissement muss nun übrigens nicht nur die hohe Geldstrafe zahlen, sondern auch die Mitarbeiter neu schulen und ein Schild aufstellen, dass Diskriminierung nicht geduldet sei. Könnten doch alle Probleme mit einem einfachen Schild gelöst werden.

Ja, Sexismus versteckt sich überall. Gerade in der Werbung: Erst kürzlich konnten wir bei einem Netto-Plakat kaum unseren Augen trauen und auch sexistische True-Fruits-Werbung macht uns nur noch müde.

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