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"Better Birth Control" Verhütung sollte keine "Frauensache" sein

Better Birth Control: Die Gründerinnen Jana und Rita
© Thilo Kunz / PR
Verhütung ist viel zu oft Frauensache. Das will "Better Birth Control" ändern: Jana und Rita betreiben mit ihrem Team Aufklärung, fordern gleichberechtigte Methoden für Frauen und Männer und mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Wir haben Jana  – unsere starke Frau im Januar – zum Gespräch getroffen und mit ihr über Zukunftsvisionen, Macho-Männer und die Pille gesprochen.

Jana Pfenning und Rita Maglio finden: Gleichberechtigung bei der Verhütung? Da geht noch was! Und gründeten 2020 "Better Birth Control": Zusammen mit ihrem Team, zu dem unter anderem auch eine Gynäkologin und ein Forscher gehören, wollen sie die bisherigen Verhütungsmöglichkeiten umkrempeln. Sie sind überzeugt, dass jeder Mensch – egal, ob Frau, Mann, nicht-binär oder Transperson – selbst über den eigenen Körper, seine oder ihre Sexualität und natürlich auch über die Verhütung bestimmen können sollte. Denn: Sexualität sollte ausgelebt werden können, ganz ohne Angst vor unbeabsichtigten Schwangerschaften. 

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Jana und Rita fordern nicht nur bessere Aufklärung über unsere bisherigen Möglichkeiten zur Verhütung, sondern auch eine vollständige Kostenübernahme der Verhütungsmittel durch die Krankenkassen – und eine Reduzierung der Nebenwirkungen, etwa bei der Pille. Denn obwohl ungefähr 47 Prozent aller Frauen und Männer die Antibaby-Pille als Verhütungsmethode auserkoren haben, wurde seit den 1960er Jahren kaum an ihr oder ihren Nebenwirkungen geforscht.

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Im Gegenteil: "Die Pillen der dritten und vierten Generationen, die zwischen 2000 und 2010 entwickelt wurden, haben mehr Nebenwirkungen und ein höheres Thrombose-Risiko als die Pillen der ersten und zweiten Generationen, die früher auf den Markt kamen", erzählt Jana. Das liegt an der Tatsache, dass Pharma-Unternehmen die Pille zunehmend als Lifestyle-Produkt vermarkten – und mit erwünschten Nebenwirkungen wie etwa reiner Haut oder schönen Haaren wächst auch die Liste an gesundheitsgefährdenden Nebenwirkungen.

Verhütung sollte keine "Frauensache" sein

Wie, du nimmst keine Pille? Den Satz haben wohl die meisten von uns schon gehört. Und das liegt daran, dass Verhütung oft als Frauensache angenommen wird. Ein Unding, finden wir – das wohl aber auch damit begründet wird, dass Männer nicht einmal halb so viele Möglichkeiten für die Verhütung haben wie wir Frauen. Denn: Das Kondom ist, auch heute noch, das einzig anerkannte Verhütungsmittel für unseren Partner.

Und auch hier will "Better Birth Control" ansetzen: Jana erzählt uns, dass sie Männern mit der Kampagne mehr Selbstbestimmtheit und Freiheit ermöglichen wollen.

Wir arbeiten mit euch. Wir arbeiten für euch.

Besonders in der Testphase haben die beiden von Freunden und Bekannten oft das Feedback bekommen, dass Männer sie ja gern unterstützen – aber bitte nicht, wenn es nach einem Vorwurf klingt. Auch deshalb will "Better Birth Control" mit kruden Instagram-Kommentaren offen und ehrlich umgehen: Jede*r bekommt eine Antwort auf seine oder ihre Frage, sogar wenn der Kommentar gegen alles schimpft, wofür die Kampagne steht. Denn nur so lassen sich Missverständnisse beseitigen.

An Alternativen wird geforscht – aber mit welchem Nachdruck?

Dass die bisherigen Möglichkeiten nicht das Optimum sein können, beweisen Jana und Rita auf ihrer Website betterbirthcontrol.org: Hier listen sie, neben hilfreichem Aufklärungsmaterial, auch mögliche Verhütungsmethoden für Männer auf. Zum Beispiel: Die Verhütungsspritze, die einmal im Monat injiziert werden müsste. Und die bei jedem zehnten Teilnehmer der klinischen Studie Nebenwirkungen hervorrief. Darüber können wir Frauen wohl nur schmerzhaft lachen. Weil sich aus ethischen Gründen die Verabreichung von Placebos verbietet, wurde die Studie 2011 gestoppt.

Wir sind fest davon überzeugt, dass Nebenwirkungen reduziert werden können, wenn mehr Geld in die Forschung investiert wird.

Auch mit dabei: Die Pille für den Mann, das Samenleiterventil und das Vasalgel. Jede Verhütungsmethode wird in ihrem Wirken beschrieben, außerdem gibt Better Birth Control an, warum das jeweilige Mittel noch nicht auf dem Markt ist. Was vor allem deutlich wird ist, dass es oft an der Finanzierung hapert, an Nachdruck und dem Willen, dranzubleiben. Denn nur zwei Prozent des Umsatzes von Verhütungsmitteln wird für die Forschung ausgegeben. Ein Vergleich: Für viele andere Medikamente sind es ungefähr 20 Prozent. 

Gleichberechtigung, Aufklärung, Systemwandel

Damit sich endlich, endlich etwas ändert, hat Better Birth Control eine Petition aufgesetzt. Die richtet sich unter anderem an Gesundheitsminister Jens Spahn, aber auch an Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Leitfrage der Petition: 

Wäre es nicht an der Zeit für nebenwirkungsfreie Verhütungsmethoden für Männer und Frauen?

Bisher haben fast 70.000 Menschen die Petition unterschrieben. Im Sekundentakt werden es mehr. Und das liegt nicht nur daran, dass Jana und Rita neben ihrem tollen Team auch namenhafte Unterstützer*innen an ihrer Seite haben, sondern wohl auch an der Tatsache, dass ein Umdenken mehr als überfällig ist! Hier könnt ihr die Petition unterschreiben.

Jana sagt: "Verhütung ist etwas Tolles. Es hat uns so viele Freiheiten gegeben, es gibt uns immer noch so viel Freiheit – aber es kann besser sein, es kann gleichberechtigter sein." Wir haben sie zum Schluss gefragt, mit welchem Wort sie das Thema Verhütung beschreiben würde. Herausgekommen sind ausnahmsweise zwei: "Sicherheit. Und Freiheit."


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