Urteil: Eltern dürfen magersüchtige Tochter zwangsernähren

Weil sie Angst haben, dass ihre Tochter sich zu Tode hungert, dürfen die Eltern eine 20-Jährige jetzt zwangsernähren. Das hat ein Richter entschieden. 

Magersucht-Fälle sind für Richter Paul Armstrong nicht Neues: Im vergangenen Jahr hatte er geurteilt, dass eine 30-jährige, seit Jahren magersüchtige Frau nicht zwangsernährt werden darf. Die Frau starb wenige Monate später an Organversagen. Jetzt hat der Jurist im US-Bundesstaat New Jersey anders entschieden. Im Fall einer 20-Jährigen dürfen die Eltern eine Zwangsernährung durchsetzen.

Armstrong kam damit der Bitte der verzweifelten Eltern nach. Sie fürchteten, dass ihre Tochter sich zu Tode hungert. Im Juni hatte der Bruder die Magersüchtige ohnmächtig zu Hause auf dem Fußboden liegend gefunden – damals wog sie knapp 27 Kilo. Das entspricht in etwa dem Normalgewicht einer Achtjährigen. Nach dem Vorfall kam die junge Frau ins Krankenhaus.

Lieber tot als in Therapie

Das Urteil gibt den Eltern jetzt das Recht, medizinische Entscheidungen für ihre Tochter zu treffen. Dazu gehört auch die Ernährung per Sonde – selbst wenn die 20-Jährige das nicht will. "Dieser Fall gibt anderen Eltern Hoffnung", sagte die Mutter dem Lokal-Medium "Daily Record". Die Entscheidung sei ein "Mittel für Eltern, unsere Kinder am Leben zu erhalten". 

Der Richter hatte sich im Vorfed seiner Entscheidung unter anderem mit der Anorexie-Patientin, die sich in Therapie befindet, getroffen. Die junge Frau verstehe nicht, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzt, wenn sie sich weiter zu essen weigert, sagte Armstrong. Die 20-Jährige hatte ihm gegenüber gesagt, die Therapie sei "Folter". Sie würde lieber sterben, als sich behandeln zu lassen.

kia
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