VG-Wort Pixel

Nein, nicht der Job! Diese Dinge stressen Mütter am meisten

Mama-Stress: Mutter mit Baby auf dem Bauch
© Dragana Gordic / Shutterstock
Was stresst Mütter wirklich? Das Deutsche Jugendinstitut hat in einer Studie den Stress einer Mama untersucht – und überraschende Ergebnisse zu den wahren Stressfaktoren hervorgebracht.

Das Kind auf dem Arm, schreiend, man selbst noch ungeduscht, eine Küche voller Geschirr, ein Postfach voller unbeantworteter Mails – und dann klingelt noch das Handy. Wer Mutter (oder auch Vater) ist, wünscht sich mit der Geburt des Babys oft noch ein paar zusätzliche Arme hinzu. Schließlich fordert das kleine, noch so niedliche Familienmitglied permanente Aufmerksamkeit. Genauso wie die Körperpflege, der Haushalt, der Job, der Partner und das Sozialleben. 

So definieren Menschen das Wort "Stress" nach der Geburt eines Kindes oft noch einmal völlig neu. Aber was ist es eigentlich, was den Puls wirklich in die Höhe treibt? Dieser Frage hat sich das Deutsche Jugendinstitut gewidmet. In einer Studie wurden die Stressfaktoren im Leben einer berufstätigen Mutter untersucht. So viel sei verraten: Der Spagat zwischen Beruf und Familie spielte dabei nicht die größte Rolle.

Ein Viertel aller Mütter haben hohes Stresslevel

Die Hälfte der befragten Mütter hatten ein mittleres Stresslevel, ein Viertel sogar ein hohes bis sehr hohes. Bei der Ursachenforschung konnte jedoch Überraschendes entdeckt werden: Der Umfang der Berufstätigkeit, also die Anzahl der Arbeitsstunden, beeinflusste das Stressempfinden kaum.

Zum einen bereiteten finanzielle Engpässe den Müttern Sorgen. Zum anderen spielten vor allem emotionale Faktoren eine Rolle: Pflegebedürftige Familienmitglieder und zu wenig Zeit für gemeinsame Rituale in der Familie kristallisierten sich als echte Stressfaktoren heraus. 

Stress durch alte Rollenbilder – und deren Verpflichtungen

Spannend ist dabei vor allem ein Aspekt, dem sich die Forscher widmeten: Der Stress durch Haushalts- und sogenannte Care-Arbeit kann von Männern zwar gesenkt werden – aber nur, wenn sie ihre Frau in einem richtigen Maße entlasten. Übernahmen Männer den Großteil des Haushalts, fühlten sich Frauen wiederum von der Unausgeglichenheit gestresst – selbst wenn diese mehr arbeiteten.

"Mütter scheinen sich von traditionellen Rollenbildern, die ihnen die Hauptzuständigkeit für Care-Arbeit zuweisen, offenbar noch nicht befreien zu können“, erklärt Dr. Claudia Zerle-Elsäßer vom Deutschen Jugendinstitut die Studienergebnisse.

Tatsächlich scheint es somit das traditionelle Rollenbild zu sein, das bis heute in den Köpfen von Müttern verankert ist und dort permanenten Stress auslöst. Erst wenn beide Partner sich voll und ganz für ein Modell entscheiden würden, in dem die Mutter mehr arbeitet – und der Mann den Haushalt schmeißt – könnten solche Stressfaktoren gelöst werden. Das dürfe jedoch nicht aus ökonomischen Zwängen, sondern aus wirklicher Überzeugung beider Parteien entstehen. Deswegen fordert Dr. Zerle-Elsäßer auf Basis der Studienergebnisse vor allem, "eine stärkere gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber nicht der Norm entsprechenden Modellen der Arbeitsteilung in Familien". Denn dann, irgendwann, könnten Frauen eines Tages vielleicht einmal ihr schlechtes Gewissen ablegen, wenn sie es sind, die nach einem harten Arbeitstag nachhause kommen – und der Mann den Haushalt erledigt hat.

verwendete Quelle:Deutsches Jugendinstitut


Mehr zum Thema