Margarete Stokowski: "Warum müssen wir auch beim Klima die Care-Arbeit machen?"

Autorin Margarete Stokowski fragt sich in ihrer BE GREEN-Kolumne, warum es junge Frauen sind, die die Welt retten müssen. 

Obwohl Nachhaltigkeit ein Thema ist, das alle angehen müsste, sieht man in der Klimaschutzbewegung hauptsächlich junge Frauen an vorderster Front. Aktivistinnen wie Greta Thunberg oder Luisa Neubauer stehen an der Spitze einer Bewegung, die auffällig oft von älteren männlichen Journalisten und Politikern kritisiert wird. 

Sind Frauen nur leichter zu beeinflussen? Blödsinn!

Als ich das in einem Text feststellte, gab es nicht wenige Männer, die kommentierten: „Klar, Mädchen und Frauen sind leichter zu beeinflussen, deswegen machen die da jetzt so begeistert mit.“

Das ist natürlich lächerlich. Zum einen machen Männer oft auch begeistert bei politischen Bewegungen mit – siehe erster Weltkrieg, siehe Rechtsruck –, zum anderen ist es eine alte sexistische Strategie, Frauen und ihre Kämpfe abzuwerten, indem man auf ihre vermeintliche Schwäche verweist. 

„Ich hab Wichtigeres zu tun, als solchen Typen zuzuhören“, sagt Sina Reisch, Pressesprecherin von „Ende Gelände“: ein Bündnis, das sich für Klimagerechtigkeit einsetzt. Für Reisch liegt das weibliche Interesse an der Klimabewegung unter anderem daran, dass diese Systemkritik übe: an der kapitalistischen Produktionsweise und an einer Gesellschaft, die gern vom männlichen Wettbewerb geprägt ist – größer, schneller, weiter und der Mann am besten vorn! 

Frauen als Greenfluencerinnen

Frauen verhalten sich öfter umweltfreundlich als Männer, das wurde durch Studien bestätigt. Doch natürlich sind nicht alle Frauen, die sich „grün“ geben, gleich antikapitalistisch. Produkte, die von „Greenfluencerinnen“ beworben werden, sind oft teuer und überflüssig: Klimafreundlicher als einen neuen Bio-Pullover zu kaufen ist es immer noch, gar keinen zu kaufen. Allerdings sind Greenfluencerinnen nun wirklich nicht der Antrieb der Klimabewegung, insofern Konzentration auf den großen Rest …

Es erscheint jedem logisch, wenn die Frauen sich nachhaltig verhalten: Mädchen werden eher dazu erzogen, sich zu kümmern und Rücksicht zu nehmen. Kein Wunder also, wenn sie auch Care-Arbeit für den Planeten leisten. Selbst in der Politik gibt es das Phänomen: Die Frauen räumen auf, wenn Männer etwas gegen die Wand gefahren haben – Parteien oder Firmen in der Krise wählen oft Frauen als Vorsitzende. 

The Future is female 

Und dann scheint es auch etwas in der Bewegung selbst zu sein, was so viele Frauen anzieht: Sina Reisch erzählt, dass bei „Ende Gelände“ zum Beispiel aktiv daran gearbeitet werde, Hierarchien abzubauen. Ihre Kollegin Nike Mahlhaus sagt: „Mich hat das empowered, mitzumachen.“

Und hinzu kommt: Junge, engagierte Frauen zeigen der Welt, dass sie etwas erreichen, wenn sie sich das Mikro schnappen und nicht länger schweigen. Plötzlich herrscht eine große Solidarität unter Frauen, denn: Zusammen verändern sie was!

Sina Reisch sagt, diese Solidarität reiche sogar weltweit, denn die Klimakrise verschärfe bestehende Konflikte: „Das betrifft Frauen in besonderem Maße, vor allem im globalen Süden.“ Nur ein Beispiel: Diese seien höheren Vergewaltigungsrisiken ausgesetzt, wenn sie wegen größerer Dürre in Zukunft länger zu Wasserstellen laufen müssten. 

Ein feministischer Slogan lautet: The future is female. Im Moment sorgen vor allem die Frauen dafür, dass es überhaupt eine Zukunft gibt. 

In BE GREEN, dem neuen Nachhaltigkeitsmagazin von BRIGITTE, lest ihr das exklusive Interview mit Greenfluencerin DariaDaria, in dem sie fordert: "Wir müssen Zeit neu definieren!"

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BRIGITTE BE GREEN 01/2019

Wer hier schreibt:

Margarete Stokowski
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