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Atomkraft Marodes Atommülllager Asse – Strahlung und kein Ende in Sicht

Die Atommüllfässer wurden teils achtlos in die Einlagerungskammern der Asse II gekippt
Die Atommüllfässer wurden teils achtlos in die Einlagerungskammern der Asse II gekippt
© picture-alliance / Klar / Agentur/DPA
Vor zehn Jahren hat die Politik entschieden, dass der Atommüll aus dem Bergwerk Asse II geholt werden muss, weil es einzustürzen droht. Wie ist die Lage heute?

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat das letzte Grünen-Tabu gebrochen, als er den für Ende 2022 beschlossenen Atomausstieg aufweichte: Zwei deutsche Atomkraftwerke sollen bis April 2023 als Notreserve weiterbetrieben werden. Angesichts der Energiekrise läuft die Diskussion um ein Revival der Atomkraft heiß, nicht nur CDU und FDP fordern den Ausstieg vom Ausstieg,

Der Atommüll kann frühestens 2033 aus der Asse geholt werden 

Was manchen als notwendige Kurskorrektur erscheint, ist bekanntlich mit ungelösten Problemen verbunden: dem Risiko eines GAUs und dem Unvermögen, den strahlenden Müll sicher zu lagern. Das zeigt nicht nur die ergebnislose Suche nach geeigneten Endlagern, das zeigt auch das marode Atommüllager Asse II in Niedersachsen. Bereits 2012 hat die Landesregierung entschieden, dass der dort eingelagerte radioaktive Müll zurückgeholt werden muss, weil das ehemalige Salzbergwerk instabil ist und droht, abzusaufen, wie es in der Bergmannssprache heißt. Zehn Jahre später ist man noch sehr weit von einer Bergung entfernt.

Täglich sickern 12.000 Liter Wasser ein

Nachdem der Bund 1965 die Schachtanlage als "Versuchsendlager für Atommüll" deklariert hatte, wurden dort zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit Uran, Plutonium und Arsen versenkt. Doch schon in den Achtzigern wurde klar, dass die Asse als Endlager ungeeignet ist: Durch Risse sickern täglich rund 12.000 Liter Grundwasser in das Bergwerk ein. Die Flüssigkeit wird aufgefangen und abgepumpt – bis auf die rund 20 Liter am Tag, die als radioaktiv kontaminiert gelten und versiegelt im Stollen zurückbleiben.

Wie viele Umweltminister:innen vor und nach ihm besuchte auch Peter Altmaier, CDU, die Schachtanlage Asse II. Hier im Gespräch mit Arbeitern kurz vor der Anbohrung einer Einlagerungskammer im Juni 2012
Wie viele Umweltminister:innen vor und nach ihm besuchte auch Peter Altmaier, CDU, die Schachtanlage Asse II. Hier im Gespräch mit Arbeitern kurz vor der Anbohrung einer Einlagerungskammer im Juni 2012
© Thomas Imo/ picture alliance/photothek

Außerdem ist die alte Schachtanlage brüchig. Das Gestein arbeitet, und es kommt zu Verschiebungen in Hohlräumen und Kammern, die von Hunderten Bergleuten laufend mit Salzen und Beton aufgefüllt und mit Gebirgsankern stabilisiert werden müssen.

Wo der strahlende Müll hin soll, weiß niemand

2033 kann frühestens mit der Bergung begonnen werden, der Prozess soll bis in die Sechziger Jahre andauern. Da es sich um die weltweit erste Räumung eines Atommülllagers handelt, sind noch sehr viel Expertise und finanzielle Mittel gefragt, bis es losgehen kann. Das Bergwerk muss um einen Bergungsschacht erweitert werden, die Atommüllfässer sollen von Robotern geborgen werden, die noch nicht mal entwickelt worden sind. 

Sechs Millionen Kubikmeter Atommüll werden allein in Europa durch die bestehenden Meiler anfallen, schätzt der "World Nuclear Waste Report". Das weltweit erste Endlager soll 2025 in Finnland den Betrieb aufnehmen. 

Doch wenn der Müll endlich an der Oberfläche ist, wo soll er dann hin? Mangels Endlager plant man zurzeit ein Zwischenlager auf einem Acker neben der Asse. Die Anwohner:innen sind wenig amused. Vielleicht werden die Abfälle eines Tages in den Schacht Konrad in Salzgitter verfrachtet werden – das Endlager für schwach- und mittelaktiven Abfall wie den aus der Asse soll 2027 in Betrieb gehen. Für die Lagerung von hochradioaktivem Müll schreibt das deutsche "Standortauswahlgesetz" übrigens eine Dauer von einer Million Jahre vor.

Quellen: Bundesministerium der Justiz, Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE), NDR, Statista

Brigitte

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