TV-Reporterin Golineh Atai: Standhaft in Moskau

Über die Ereignisse in der Ukraine zu berichten, ist eine harte Aufgabe. Zwischen Propaganda und Kriegstreiberei braucht man starke Nerven und den unbedingten Willen zur Aufklärung - so wie TV-Reporterin Golineh Atai, die uns täglich mit objektiven Nachrichten versorgt.

Golineh Atai, 39, ist Korrespondentin des WDR in Moskau und derzeit eine der besten derzeit besten TV-Reporterinnen

Seit 15 Monaten ist sie Korrespondentin im ARD-Studio Moskau, sie war das Gesicht der Live-Schaltungen vom Maidan in Kiew. Sie berichtete mit kritischer Distanz und erklärte auch schon mal vor laufender Kamera, dass die Ereignisse gerade zu undurchsichtig seien, um ein vollständiges Bild zu liefern. Das zeigt Größe in einem Geschäft, in dem einige lieber Schaum schlagen, als zuzugeben, dass ein ausgewogener Bericht gerade nicht möglich ist. Die Jury des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für TV-Journalismus konnte dieses Jahr gar nicht anders, als sie zu ehren. Ihre Tugenden seien Zurückhaltung, akribische Ernsthaftigkeit und der unbedingte Wille zur Aufklärung, hieß es in der Begründung.

Das klingt zwar wie die Laudatio auf verbissenes Strebertum, aber Golineh Atai hat im Gegenteil durchaus Sinn für Selbstironie: Dass ihre Reportagen über den Krieg zwischen Libanon und Israel 2006 so auffallend anders und gut waren, sagt sie, habe sie laut ihres libanesischen Kameramanns auch der Tatsache zu verdanken, dass sie eine Frau und "außerdem kleinwüchsig" sei, das schaffe immer Vertrauen im Gespräch.

Sie war fünf Jahre alt, als sie mit ihren persischen Eltern von Teheran nach Deutschland kam und sofort eingeschult wurde. "Ich konnte kein einziges Wort Deutsch, nur ein paar Kinderlieder, die ich im Kindergarten der deutschen Schule in Teheran aufgeschnappt hatte", sagt sie. Was kaum ein Hindernis war für die Frau, die heute sechs Sprachen spricht, in Heidelberg und Lille studierte, ein Volontariat beim SWR machte und mit knapp 30 für die ARD in den Irak ging, später nach Kairo und in den Sudan. Sie habe einen Exotenbonus, sagten darauf einige Kollegen. Golineh Atai will davon nichts wissen. Sie wünscht sich mehr Normalität im Umgang mit interkulturellen Menschen. Denn sie findet, dass das genau ihre Stärke als Auslandsreporterin ist: Sie habe sich selbst als fremd in einem Land erlebt. Sie beobachte deshalb immer von beiden Seiten. "Ich kann zwischen den Stühlen sitzen und trotzdem standfest sein", sagt sie.

Text: Beatrix Gerstberger BRIGITTE Heft 14/2014
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