Mehr Geld für Tagesmütter

Um die Kinderbetreuung weiterhin zu sichern, zahlt die Stadt München seinen Tagesmüttern jetzt zwei Euro mehr in der Stunde. Ein Vorbild für andere Städte und Kommunen?

Hintergrund: Mit Beginn dieses Jahres müssen Tagesmütter ihre Einnahmen versteuern. Bei Einnahmen über 360 Euro werden dazu auch noch die Sozialabgaben fällig. Das hatte das Bundesfinanzministerium 2007 beschlossen. Viele Tagesmütter überlegten deshalb, ob sie ab 2009 überhaupt noch arbeiten sollten - denn es war klar, dass die ohnehin oft dürftigen Einnahmen durch das neue Gesetz erheblich schrumpfen würden.

München hat reagiert und im Herbst beschlossen, die Stundenlöhne der Tagesmütter anzuheben: Statt bisher 3,50 Euro bekommen die Kinderbetreuerinnen in der bayerischen Landeshauptstadt jetzt 5,50 Euro pro Kind und Stunde. Damit sollen die neuen Abgaben ausgeglichen werden. Und, zweite positive Nachricht: Der Elternbeitrag für vom Jugendamt vermittelte Tagesbetreuung wird nicht angehoben. Er bleibt einkommensabhängig bei maximal 3,50 Euro. "Das freut uns natürlich," sagt Klaus-Dieter Zühlke vom Bundesverband für Kindertagespflege. "5,50 Euro sind genau das, was wir gefordert haben. Das ist eine leistungsgerechte Vergütung und entspricht ungefähr der Bezahlung einer Kinderpflegerin." Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen stimmt ebenfalls zu: "Das ist der richtige Weg."

Auch Berlin stellt seine Tagesmütter ab sofort besser, das wurde kurz vor Weihnachten endlich beschlossen. Allerdings ist die Verordnung etwas komplizierter, soll aber "bei sehr vielen Tagesmüttern die Mehrbelastung durch die Besteuerung auffangen," sagt Evelyn Gerszonobisz von der Berliner Gesellschaft "Familien für Kinder". In Baden-Württemberg laufen noch Verhandlungen - Experten rechnen in den nächsten Wochen mit einer Empfehlung die Sätze für Kinderbetreuung ab März deutlich zu erhöhen.

Und all die anderen Bundesländer und Kommunen? Da tut sich offenbar noch nichts. Gut möglich, dass der Druck wächst, wenn die Tagesmütter dort ihre erste Abrechnung vom Finanzamt bekommen und merken, wie wenig ihnen bleibt. Werden sie dann weiter arbeiten? Das Versprechen der Bundesregierung jedenfalls - bis 2013 einen Rechtsanspruch für Kinderbetreuung auch für die unter Dreijährigen einzuführen - funktioniert nur mit mehr Tagesmüttern, nicht mit wenigeren.

Text: Silke Baumgarten

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