Mensch-Tier-Bestattungen: Eine gute Idee?

Herrchen und Haustier in einem Grab? In Hamburg soll das bald möglich sein – und auf einigen anderen Friedhöfen gibt es solche Mensch-Tier-Bestattungen bereits. Nicht zur Freude aller.

"Hier ruht unser lieber Opa Wilfried" – und sein geliebter Dackel Waldi gleich daneben? Keine abwegige Idee: Solche Gemeinschaftsgräber soll es bald in Hamburg geben. Nach einer entsprechenden Änderung im örtlichen Bestattungsrecht will der Ohlsdorfer Friedhof diese sogenannten Mensch-Tier-Gräber anbieten, wie mehrere Medien berichten

"Wir haben es vor allem mit älteren Herrschaften zu tun. Wenn deren einzige Partner im Alter die Tiere sind, dann möchten sie auch den letzten Weg gemeinsam gehen", zitieren die "Kieler Nachrichten" Lutz Rehkopf, Sprecher der Hamburger Friedhöfe. Der Vorstoß ist kein absolutes Novum: In Wien beispielsweise gibt es bereits einen Mensch-Tier-Friedhof. Und auch in Deutschland gab es in der Vergangenheit schon ähnliche Initiativen, etwa in Essen – der dortige Mensch-Tier-Friedhof "Unser Hafen" ruht jedoch derzeit wegen Unstimmigkeiten zwischen dem Betreiber und der Landeskirche.

Denn nicht alle sind von der Idee, Hund und Herrchen im selben Grab beizusetzen, begeistert. So lehnt etwa die katholische Kirche Mensch-Tier-Bestattungen eher ab: Vor allem, weil Tiere keine Seelen hätten und sich nicht zu Gott bekennen könnten.

Mensch-Tier-Bestattung: Wie geht das?

Abgesehen von der ethischen Frage bleiben ja auch praktische Überlegungen – wie genau soll das gehen, wenn Bello vor seinem Herrchen das Zeitliche segnet? Oder andersrum? Voraussetzung in Hamburg wäre, dass Tier und Halter in Urnen beigesetzt werden. Die Urne des Tieres würde dann als "Grabbeigabe" gelten. Bislang sind Tiere als Grabbeigabe verboten, die Änderung des "Gesetzes über das Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen" würde die Neuerung ermöglichen. 

Würde der Tierbesitzer dann zuerst sterben, wird neben ihm ein Platz für die Urne des Haustieres reserviert. Ganz so wie in einem Familiengrab, in dem oftmals für den Ehepartner ein Platz freigehalten wird. Andersherum soll es auch möglich sein, eine Grabstätte bereits zu Lebzeiten zu erwerben: Dort findet dann zunächst Bello seine letzte Ruhe, später der Halter. Auf dem Mensch-Tier-Friedhof in Wien bieten die ein Quadratmeter großen Gräber sogar Platz für bis zu acht Urnen mit Menschen- oder Tieraschen, wie es auf der Internetseite der Wiener Friedhöfe heißt.

Abbild gesellschaftlichen Wandels?

Auch in Hamburg sollen Besitzer möglicherweise mehrere Haustiere nacheinander im späteren eigenen Grab beerdigen können. Infrage kommen den aktuellen Plänen zufolge dafür Hunde, Katzen, Kaninchen und Kanarienvögel. Pferde kämen den Berichten zufolge zumindest vorerst nicht in Betracht.

Tatsächlich spiegele der Vorstoß einen gesellschaftlichen Wandel wider, wie Norbert Fischer, Professor am historischen Seminar der Universität Hamburg, im Gespräch mit dem "Deutschlandfunk" erklärt: "Tiere ersetzen allmählich dann doch den Lebensgefährten oder die Lebensgefährtin." Aber nicht nur das.

Ein weiterer Grund sei der anhaltende Boom sowohl von Tierfriedhöfen als auch von alternativen Bestattungsmethoden – und damit verbunden wirtschaftlichen Aspekten. "Wir beobachten seit zehn bis 15 Jahren einen grundlegenden Wandel der Bestattungskultur, der auch den Friedhof als alleiniger Ort von Bestattung und Trauer seine Bedeutung verlieren lässt", sagt Fischer. Stichwort: Seebestattung, Naturbestattung, Wälder.

Mensch-Tier-Bestattungen, so sagt Historiker Fischer, seien insofern auch in Teilen schlicht eine Reaktion auf die zunehmende Nachfrage: "Es ist natürlich auch eine Frage der Gebühreneinahme."


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