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Die Zukunft in der Krise Das kommt in Sachen Energie, Finanzen und Ernährung auf uns zu

Das kommt in Sachen Energie, Finanzen und Ernährung auf uns zu
© Svetlana Lukienko / Adobe Stock
Von einer Krise in die nächste – so sieht im Moment der Alltag von vielen aus. Die Pandemie ist noch nicht vorbei, da beginnt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine – mit Folgen für die ganze Welt. Die BRIGITTE hat mit der Verbraucherzentrale über die Themen Ernährung, Finanzen und Energie gesprochen. Da kommt noch einiges auf uns zu.

Gespart wird in Deutschland noch immer viel, sei es für die Rente, einen schönen Urlaub, ein Auto oder einfach auf ein kleines Polster, um Notlagen wie eine kaputte Waschmaschine zu meistern. Das wird sich jetzt höchstwahrscheinlich ändern. Viele der hartersparten Polster werden wohl von Nachzahlungen für Strom und Gas gefressen.

"Der Börsenpreis für Gas hat sich in den letzten Monaten vervielfacht", sagt Sascha Beetz, Referent für Klimaschutz, Energie und Nachhaltigkeit der Verbraucherzentrale in Schleswig-Holstein. Diese Preissteigerung wird nun an die Kunden weitergegeben plus die Gasumlage ab Oktober. Zwar wird die Mehrwertsteuer auf Gas von 19 Prozent auf sieben gesenkt, ein hoher Nachzahlungsbetrag wird sich dennoch auftürmen.

Jetzt müssen Rücklagen für die Gas-Rechnung gebildet werden

Hintergrund der gestiegenen Preise sind die ausbleibenden Lieferungen aus Russland. Die Gasimporteure müssen jedoch ihre Verträge erfüllen und daher das Gas auf dem Markt teuer einkaufen. Um die Unternehmen bei den hohen Beschaffungskosten zu unterstützen, wird ein Teil der Mehrkosten auf die Verbraucher:innen umgelegt.

Das bedeutet, dass die Verbraucher:innen zum einen mit der Gasumlage (2,4 Cent pro Kilowattstunde), zum anderen mit den insgesamt gestiegenen Gaspreisen belastet werden. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden muss nur für die Umlage circa 480 Euro im Jahr plus Mehrwertsteuer gezahlt werden. Aktuell kostet die Kilowattstunde Gas (für Neukunden) 39,2 Cent (Stand: 8. September 2022). Für Bestandskunden sind die Preise meist geringer. Insgesamt kann sich also ein Betrag von über 7.000 Euro ergeben.

Die Abhängigkeit von fossilen Energien muss enden

Allgemein lasse sich also sagen, dass die Zeiten der billigen fossilen Energien wohl vorbei sind, so Beetz. Mit der Abhängigkeit von fossilen Energien würden wir als Abnehmer:innen gleichzeitig auch die Schwankungen der Preise am Markt mitverantworten. "Die Folgen des russischen Angriffskrieges sind ein weiteres Symptom hierfür", sagt Beetz. Das bedeutet zum einen, dass zunächst Rücklagen für die anstehenden Nachzahlungen gebildet werden müssen und zum anderen, dass wir langfristig einen Weg aus der Abhängigkeit fossiler hinzu erneuerbarer Energie finden müssen.

Doch nicht nur im Bereich Energie wird es eng, auch die Preise für Nahrungsmittel sind gestiegen. Das trifft vor allem die Haushalte mit einem geringen Einkommen. "Steigen Preise so weit, dass bei der Ernährung gespart werden muss, nimmt auch das Risiko für eine Mangelernährung zu", sagt Sascha Beetz. Das Geld reiche bereits jetzt bei vielen nicht mehr aus, um eine abwechslungsreiche Ernährung zu garantieren. Dies führt zur sogenannten Ernährungsarmut: Es werden zwar ausreichend Kalorien aufgenommen, jedoch zu wenig Vitamine und andere wichtige Nährstoffe.

Hier kommen ein paar Tipps vom Experten, wenn das Geld für Lebensmittel knapp wird:

  • Weniger Fleisch und tierische Produkte. Es reicht aus, ein bis zweimal in der Woche Fleisch zu essen. Denn: Gerade in diesem Sektor ist mit einem weiteren Preisanstieg zu rechnen, da Deutschland große Mengen an Futtermittel importiert.
  • Frisches statt Fertigprodukte. Fertigprodukte scheinen manchmal die günstigere Wahl zu sein, machen aber nicht lange satt. Hinzu kommt, dass frisch Gekochtes reicher an Vitaminen und Nährstoffen ist.
  • Leitungswasser statt Mineralwasser. Das Leitungswasser in Deutschland hat eine sehr gute Qualität und ist deutlich günstiger.
  • Richtig lagern und nicht wegwerfen. Haltbare Lebensmittel sollten nach Datum sortiert werden. Im Kühlschrank hilft neben einer guten Sortierung auch die Einhaltung der Kühlzonen.
  • Einkauf vorher planen. Wer sich einen Plan für die Woche macht und nur die benötigten Dinge, die am besten auf einer Liste stehen, einkauft, spart und wirft weniger weg.

In dieser Krisenzeit schauen viele auf ihre Finanzen, es wird gerechnet, was aktuell auf dem Konto liegt, was kann zurückgelegt werden, wo kann eingespart, was gekürzt und wie viel muss am Ende gezahlt werden? Fragen, auf die aktuell noch keine zufriedenstellenden Antworten gegeben werden können. "In unseren Beratungen bemerken wir, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher sich darüber sorgen, welche Höhe die Energiepreise noch erreichen werden und sich bereits jetzt erheblich einschränken", sagt Michael Herte, Referatsleiter für Markt, Recht und Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale.

Gerade Frauen leiden finanziell sehr unter der aktuellen Krise

"Mit großer Besorgnis beobachte ich, wie gerade Frauen immer weniger für die private Altersvorsorge investieren können, da wegen der gestiegenen Preise weniger Geld zum Sparen / Anlegen übrig bleibt", so Herte weiter. Und gerade bei Frauen sei es wichtig, selbst vorzusorgen. Durch die häufig von unbezahlter Sorgearbeit für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige unterbrochene Erwerbsbiografie droht Frauen deutlich häufiger die Altersarmut.

Weiter sieht der Finanzexperte eine Gefahr in der Überschuldung, also dann, wenn ein Mensch aus eigener Leistungsfähigkeit heraus die laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr bestreiten kann. Eine Überschuldung könne unter anderem schnell durch Konsumausgaben ausgelöst werden. Hier würden Ratenkäufe oder Stundungen zunächst Abhilfe schaffen und den Kostenberg etwas verringern.

Die steigenden Preise treffen jedoch auch diejenigen, die selbst noch kein eigenes Geld verdienen – die Kinder, so der Experte. Außerschulische Aktivitäten wie Sport oder andere Freizeitangebote sind in der Regel mit Kosten verbunden. Wenn diese nicht mehr gezahlt werden können, greifen viele zu Fernseher, Spielekonsole und Co. "Hier sollte die öffentliche Hand attraktive Freizeitangebote ausweiten, wenn doch klar ist, dass sich viele Eltern in nächster Zeit auf das Nötigste beschränken werden", so Herte.

Zusätzlich verwendete Quellen: ndr.de, verbraucherzentrale.de, bundesregierung.de, swr3.de

Brigitte

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