Sie haben den Brustkrebs überlebt. Und wollen sich nicht mehr verstecken

"Wer sagt, dass du zwei brauchst?" - so lautet das Motto des Projekts "Monokini 2.0". Frauen, die wegen Brustkrebs eine Brust verloren haben, zeigen sich selbstbewusst in Bademode. Die Monokinis entblößen die Narben der Operation.

Lange blonde Haare, rote Lippen, strahlendes Lächeln: Auf den ersten, flüchtigen Blick sieht Virve aus wie eine ganz normale Frau im Badeanzug. Doch dann bleibt der Blick des Betrachters hängen - der Badeanzug lässt eine Brust frei. Oder besser: die Stelle am Oberkörper, an der andere Frauen eine Brust haben. Bei Virve befindet sich dort eine Narbe.

Ihre linke Brust hat Virve an den Brustkrebs verloren, genau wie alle Models des Kunstprojekts "Monokini 2.0". Das Motto der Bademode-Kollektion für Frauen mit Brust-Amputation lautet "Who says you need two?" - "Wer sagt, dass du zwei brauchst?"

Elina Halttunen (Mitte) hatte die Idee zu "Monokini 2.0".

Entworfen wurden die Modelle von finnischen Modedesignern, die Idee stammt jedoch von einer Betroffenen: Nach ihrer Brust-Amputation wollte Elina Halttunen Badekleidung kaufen - und fand nichts, was ihr passte. "Ich möchte nicht aufhören, schwimmen zu gehen, ich möchte keine umfassenden Schönheitsoperationen und ich möchte nicht gezwungen werden, eine unbequeme Prothese zu tragen", sagt sie.

"Monokini 2.0" will jedoch nicht nur das praktische Problem lösen, dass es für Frauen mit nur einer Brust keine Badekleidung gibt. Die Narben nicht zu verbergen, sondern zu entblößen - das spielt auch mit den Sehgewohnheiten der Betrachter und stellt das gängige weibliche Schönheitsideal in Frage. "Wenn ich nackt bin, werde ich angestarrt", sagt Elina Halttunen. "Ich glaube, ich werde angestarrt, weil wir nirgends Frauen sehen, denen wegen Brustkrebs die Brust abgenommen wurde." Und das, obwohl laut Halttunen jedes Jahr 1,8 Millionen Frauen weltweit wegen Brustkrebs operiert werden.

Selbstbewusste Pose mit Narbe: Model Katja in einem Badeanzug von Designer Mert Otsamo.

Für Halttunen war klar: "Ich möchte mich nicht verstecken." Und damit ist sie nicht allein. Auch die anderen Models bei "Monokini 2.0" wirken lebensfroh und sinnlich, und sie tragen ihre Narben als Zeichen der Hoffnung. "Ich fühle mich auch ohne meine linke Brust wie eine ganze, gesunde Frau", sagt Elina Halttunen. "Und ich finde auch meine Narbe schön. Sie erinnert mich daran, dass ich im Leben eine zweite Chance bekommen habe."

"Jeder ist perfekt, wie er ist" - Milsse (re.) und Elina wollen andere betroffene Frauen inspirieren.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es auch auf der Website www.monokini2.com.

Das "Monokini 2.0"-Team (v.l.n.r.): Die Designerinnen Vilma Metteri und Katriina Haikala, Fotografin Pinja Valja, Produzentin Laura Lorola und Elina Halttunen.

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