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"Du bist nicht allein": Diese Geste einer Frau in der Bahn berührt die Welt

"Du bist nicht allein": Diese Geste einer Frau in der Bahn berührt die Welt
Ein Mann wird in der Bahn laut und aggressiv - doch eine mutige Siebzigjährige löst die Situation mit einem gekonnten Handgriff.
"Du bist nicht allein": Diese Geste einer Frau in der Bahn berührt die Welt

Eine Situation, in der wir wohl alle schon mal gewesen sind: Unterwegs in Bahn oder Bus wird plötzlich ein anderer Passagier laut, ausfallend oder aufdringlich. Er muss nicht einmal jemanden angreifen - es macht sich trotzdem bei allen anderen eine Mischung aus Unbehagen, Sorge oder Angst breit. Soll man was sagen? Kann man überhaupt was sagen? Soll man vielleicht sicherheitshalber melden, dass hier jemand gerade ausrastet? In der Regel meiden die meisten anderen Fahrgäste Blickkontakt und wechseln bei der nächstbesten Gelegenheit in ein anderes Abteil.

Der Kanadier Ehab Taha hingegen wurde Zeuge davon, wie sich so eine unangenehme Situation auf völlig unerwartete Weise klären ließ. Tief von der Begegnung beeindruckt, postete er ein Foto mit dieser Zusammenfassung auf Facebook:

"Er brauchte die Berührung"

"Ich habe heute im Zug einen unglaubliches Zeichen der Menschlichkeit gesehen. Ein fast zwei Meter großer Mann der auf Drogen oder psychisch krank war verhielt sich während der Fahrt sehr aggressiv, mit ruckhaften Bewegungen, lauten Schreien und Beschimpfungen und so weiter.

Während alle anderen Angst hatten, streckte diese siebzigjährige Frau ihre Hand aus und ergriff fest seine Hand, bis er sich beruhigt hatte und mit Tränen in den Augen leise hinsetzte.

Ich sprach die Frau nach dem Vorfall an und sie sagte nur: "Ich bin eine Mutter, und er brauchte die Berührung eines Anderen". Und dann begann sie zu weinen.

Habt keine Angst vor dem Fremden im Bus und verurteilt ihn nicht. Das Leben hat nicht für alle seine Bewohner gleich viel Wohlergehen übrig."

Gegenüber der Website ctvnews erzählte Taha, dass der Mann wohl insgesamt 20 Minuten die Hand der fremden Frau hielt, die ihn immer wieder, wenn er unruhig wurde, mit einem offenen Blick besänftigte. Der Mann verließ die Bahn an seiner Haltestelle mit einem leisen "Danke, Oma" zum Abschied.

Als Taha sich bei der Frau für ihren beherzten Einsatz bedankte, sagte sie noch schlicht: "Ich wollte nicht, dass er sich so alleine fühlt. Ich habe zwei Söhne, die etwa in seinem Alter sind. Das Leben zwingt dir manchmal sehr harte Umstände auf."

Aufeinander zugehen, statt wegschauen

Die kleine Geste von Verständnis und Nähe hat inzwischen weltweit Menschen berührt: Der Facebook-Beitrag wurde zehntausendfach geteilt und kommentiert. Vielleicht weil viele von uns sich bei diesem Foto die Frage stellen: Was wäre, wenn auch ich das nächste mal nicht weiter wegschaue, sondern einen Schritt auf einen fremden Menschen zugehe?"

heh

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