Wie schütze ich mich vor zudringlichen Männern?

Henriette Reker sorgt mit ihrem Rat an Frauen, "eine Armlänge Abstand" zu Fremden zu halten, für Hohn und Spott. Aber welche Tipps sind sinnvoll?

Unrealistisch und ein Schlag ins Gesicht der Opfer

Nach den massiven sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht riet die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker Frauen, Abstand zu Fremden zu halten. Wörtlich sagte sie bei einer Pressekonferenz, es gebe "immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft. Also von sich aus gar nicht eine große Nähe zu suchen zu Menschen, die einem fremd sind und zu denen man kein gutes Vertrauensverhältnis hat."

Die Aussage, es gebe immer die Möglichkeit, Abstand zu halten, ist jedoch unrealistisch und ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Die angegriffenen Frauen in Köln etwa haben sicherlich nicht die Nähe zu den Tätern gesucht. Sie wurden eingekreist, begrapscht und bestohlen.

Opfer zu Mitschuldigen zu machen, hat Tradition

Opfer zu Mitschuldigen zu machen, hat eine lange, ungute Tradition – besonders bei sexueller Gewalt. Die Schuld wird gern den Frauen in die Schuhe geschoben: zu leicht bekleidet, zu freizügig, eigentlich wollten sie es ja.

Tipps, die eine Verhaltensänderung der Opfer fordern, lösten daher immer wieder Proteste aus. Auch Reker erntet Empörung und Spott. Unter dem Hashtag #EineArmlaenge lassen sich Tausende bei Twitter und Facebook über die Kölner Oberbürgermeisterin aus:

"Nicht jedem um den Hals fallen"

Doch die Oberbürgermeisterin lenkte nicht ein, sondern bekräftigte ihren Rat im "heute journal" für die anstehende Karnevalssaison: „Man verhält sich klug, wenn man nicht in überschwänglicher Freude jedem, den man trifft und der einen sympathisch anlächelt, um den Hals fällt. Da könnten Angebote falsch verstanden werden und da sollte sich jede Frau, jedes Mädchen vor schützen."

Was tun, wenn man angegriffen wird?

Was kann eine Frau sinnvollerweise tun, wenn's bedrohlich wird oder sie attackiert wird? Hier kommen die Tipps vom Weißen Ring, der Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, und von der Polizistin und Kickboxerin Julia Irmen:

  • Präventiv die App "Save me" aufs Handy installieren - diese löst auf Knopfdruck einen Fake-Anruf aus. Und die App "Horns and Sirens" macht laute Sirenengeräusche - beides irritiert den Angreifer
  • In bedrohlichen Situationen selbstbewusst auftreten: Nicht klein werden, sondern möglichst aufrecht gehen, Blick nicht senken, Ruhe und Souveränität ausstrahlen
  • Bei Verfolgung: Umdrehen und Verfolger anschreien
  • Passanten auf die Gefahrensituation aufmerksam machen
  • Den Angreifer siezen
  • Nich leise werden, sondern laut schreien
  • Den Übergriff genau benennen („Lassen Sie meinen Arm los!“)
  • Passanten direkt ansprechen: "Sie in der roten Jacke, helfen Sie mir!"
  • Bei einer Vergewaltigung: Daumen in die Augen, von unten auf die Nasenwurzel drücken, mit der Faust den Kehlkopf treffen, in die Weichteile, gegen Schienbeine oder Knie treten
  • Auch Gegenstände, wie Schlüsselbund, Schirm oder Kugelschreiber zur Verteidigung einsetzen

Vom Gebrauch von Pfefferspray raten die Experten vom "Weißen Ring" ab, da es gegen einen selbst verwendet werden kann.

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