Mutter von verunglücktem Kind fordert: Macht endlich die Bahnübergänge sicher!

Weil ihr Auto an einem ungesicherten Bahnübergang mit einem Zug kollidierte, verlor eine Hamburgerin ihren fünfjährigen Sohn. Nun fordert sie in einer Petition von Bund und Bahn, endlich die Gleisübergänge zu sichern.

Es war eine Nachricht, die wohl jeden sofort betroffen machte:

Am 11. Mai 2015 war eine Familie aus Hamburg mit dem Auto unterwegs nach Eiderstedt in Nordfriesland. Sie wollte dort Ferien machen. An einem Bahnübergang, der nur mit einem Andreaskreuz gesichert war, stieß das voll besetzte Auto mit einem Zug zusammen. Ein fünfjähriger Junge, der mit im Auto saß, kam dabei ums Leben. Die anderen Familienmitglieder wurden zum Teil schwer verletzt.

Der Unfall macht besonders fassungslos, weil er so einfach zu vermeiden gewesen wäre. Eine Ampel und zwei Schranken hätten genügt.

Die Mutter des fünfjährigen Matteo, der den Unfall nicht überlebte, liegt immer noch mit Knochenbrüchen im Krankenhaus. Ihr Vater, der den Wagen fuhr, hat schwere Kopfverletzungen und schwebt in Lebensgefahr. Nur die zweijährige Tochter hat wie durch ein Wunder nur ein paar Kratzer abbekommen.

Die Mutter, die hier namentlich nicht erwähnt werden will, macht die schwerste Zeit ihres Lebens durch. Trotzdem hat sie beschlossen, zu handeln und diesem Unfall einen Sinn zu geben.

"Eine Bekannte hat mir berichtet, dass in Eiderstedt schon länger dafür gekämpft wird, alle Bahnübergänge zu beschranken", erzählt sie gegenüber BRIGITTE.de. "Ich dachte daraufhin: Wenn nicht jetzt, wann soll man dann was unternehmen?"

Also hat sie eine Petition auf Change.org gestartet.

"Sichern Sie alle Bahnübergänge!", fordert sie in der Petition von Rüdiger Grube, dem Chef der Deutschen Bahn, von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und von Christian Schramm vom Deutschen Städte- und Gemeindebund.

"Es kann jeden von uns treffen"

Es gebe einfach noch zu viele unbeschrankte Bahnübergänge in Deutschland, sagt die Hamburgerin und betont, dass niemand der fünf Insassen den Zug vor dem Zusammenstoß gesehen oder gehört habe.

"Es kann jeden von uns treffen - mein Vater war der umsichtigste Autofahrer, den ich kenne", schreibt sie.

Tatsächlich sterben jedes Jahr in Deutschland Menschen an Gleisübergängen. 44 waren es laut SHZ.de bundesweit im Jahr 2012. Allein in Schleswig-Holstein sind 370 der etwa 900 Bahnübergänge unbeschrankt.

"Ich fordere von der Deutschen Bahn, Bundesverkehrsminister Dobrindt und Deutschlands Gemeinden, alle unbeschrankten Bahnübergänge schnellstmöglich zu beschranken, durch Ampeln erheblich verkehrssicherer zu machen oder zumindest Stop-Schilder aufstellen - denn egal, was es kostet, jedes weitere Menschenleben ist mehr wert!!!", so der Aufruf.

Sie verlangt zudem einen verbindlichen Zeit- und Finanzierungsplan. "Vorbild könnte die Schweiz sein: Dort wurde beschlossen, bis 2020 sämtliche Bahnübergänge zu sichern."

Deutsche Bahn: "Intensive Aufklärungsarbeit"

Auf Anfrage von BRIGITTE.de drückt eine Sprecherin der Deutschen Bahn der Familie von Matteo ihr Mitgefühl aus: "Wir bedauern es sehr, dass es zu dem schweren Unfall am Bahnübergang in Garding gekommen ist."

Die Deutsche Bahn arbeite mit Nachdruck daran, die Bahnübergänge zu reduzieren. "Rund 4.800 Anlagen konnten seit 2004 bereits beseitigt werden, weitere wurden mit einer technischen Sicherung ausgestattet oder durch Über- oder Unterführungen ersetzt."

Sie betont, dass die Bahn dabei mit Gemeinden und Bund zusammenarbeite. "Alle drei Partner sind gemeinschaftlich gefragt."

Aktuell gebe es bundesweit noch 18.117 Bahnübergänge, von denen etwa 60 Prozent technisch gesichert seien. Die Bahn betreibe zudem "intensive Aufklärungsarbeit" zusammen mit dem ADAC, um Unfälle von vornherein zu vermeiden.

"Denn ein Großteil der Kollisionen hätte durch richtiges Verhalten der Straßenverkehrsteilnehmer vermieden werden können", so die Sprecherin.

Die Unterstützung gibt der Mutter Halt in der Trauer

Der Forderung von Matteos Mutter, die Bahnübergänge noch schneller sicher zu machen, stimmen viele Menschen in Deutschland zu. Rund 18.800 haben die Petition bis Donnerstagabend unterzeichnet. Es kommen ständig neue dazu.

In einem Post zeigt sich Matteos Mutter überwältigt von der Resonanz und dankt ihren Unterstützern:

"Ihre Unterstützung bei der Petition hilft mir, nicht nur die momentane Ausnahmesituation im Leben meiner Familie zu verarbeiten, sie bringt mir auch wirklich große Hoffnung, etwas Wichtiges bewirken zu können - alle Bahnübergänge in Deutschland sicherer machen zu können."

Sie fordert die Unterzeichner auch auf, die Petition weiter bekannt zu machen.

Für Matteo.

Ihr wollt die Petition unterstützen? Hier könnt ihr unterschreiben.

Artikel aktualisiert am 21.5. um 18:13 Uhr.

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