Jessica Erickson macht die Computerwelt weiblicher

"Women can't tech?" Dieses Vorurteil wollen die "Geekettes" wiederlegen. Gegründet wurde das IT-Frauen-Netzwerk von Jessica Erickson, einer Amerikanerin aus Berlin.

30 Jahre alt, Amerikanerin, ist Initiatorin der Geekettes, eines Netzwerks, das Frauen in der ganzen Welt Mut zur Technik machen will. Sie zählt im Wissenschaftsjahr 2014 zu "Deutschlands digitalen Köpfen". Inzwischen hat sie eine Partnerin: Sieben Monate nach der Gründung traf sie auf die Berlinerin Denise Philipp – und die beiden beschlossen sofort, dass sie die Geekettes gemeinsam in die Zukunft führen wollen.

Sie konnte kaum glauben, dass ein so junger Typ etwas so Blödes sagen konnte: "Women can't tech", Frauen können kein Internet. In dem Moment hatte Jessica Erickson, damals Leiterin der Kommunikationsabteilung eines Berliner Start-ups, endgültig die Nase voll von der altbackenen Arroganz, die so viele männliche Nerds vor sich hertragen. "Ich kannte viele Frauen, denen es auch so ging und die sich in der Internet-Szene allein fühlten. Die wollte ich zusammenbringen." Also lud Erickson acht Frauen ein und gründete mit ihnen die "Geekettes", ein Netzwerk für Frauen, die in der Technologiebranche etwas bewegen wollen. Das war 2012.

Die Geekettes – das Wort ist abgeleitet von Geek und bedeutet "weiblicher Computerfreak" – unterstützen Frauen bei der Gründung von Start-ups, veranstalten technische Workshops und organisieren Hackathons. Auf diesen 24-stündigen Programmier-Marathons können Frauen ihre Ideen vorstellen. Oft finden sich dort spontane Teams, die daraus alltagstaugliche Programme oder Produkte machen: Eine App, die den Menstruationszyklus anzeigt, eine andere hilft bei der Suche nach einem Kitaplatz. Die Geekettes unterstützten auch Start-ups wie Changers, die eine millimeterdünne, tragbare Solarzelle anbieten, mit der sich beim Spaziergang Strom für Kleingeräte generieren lässt.

So ähnlich hatte sich Erickson die Wirkung der "Geekettes" vorgestellt: "Frauen werden als Konsumenten immer mächtiger - darum sind sie auch so wichtig als Entwicklerinnen." Auch große Firmen haben erkannt, wie viel Potenzial in weiblichen Talenten steckt. Sie lassen sich von den "Geekettes" bei der Suche nach diesen begabten Frauen beraten, Unternehmen wie Sony und die Deutsche Telekom und selbst die Vereinten Nationen sponsern das Frauennetzwerk. "Mein Hauptjob ist es, Leute zusammenzubringen", sagt Erickson.

Wie das geht, hat sie früh gelernt. Die 30-Jährige kam selbst erst über einen Umweg in die Hightech-Welt. Geboren wurde sie in Minnesota, die Eltern stammen aus Norwegen und Korea, sie nennt sich "Korwegian". In der Heimat ihrer Eltern lernte sie unterschiedliche Denkweisen kennen und lieben, sie studierte Internationale Beziehungen in den USA und Media Communications in London: "Ich habe mich immer in völlig verschiedenen Kulturen bewegt, das hat mich geprägt", sagt sie. Sie arbeitete zunächst in New York, aber dort nervten die hohen Preise, und die Stadt war ihr zu etabliert.

Also zog sie 2011 nach Berlin. Da war das Leben bezahlbar, es gab viele kreative Szenen, und nur drei Prozent der Startups waren von Frauen gegründet worden. Genau das richtige Pflaster für Jessica Erickson, wie sich schnell zeigen sollte: Zweieinhalb Jahre nach der Gründung gehören 2500 Frauen zu den "Geekettes". Es gibt Gruppen in Hamburg, London, Lissabon und New York. Aber das ist Jessica Erickson nicht genug. Sie will die ganze Welt für Frauen erobern und wünscht sich, dass in technischen Berufen genauso viele Frauen wie Männer arbeiten. Im kommenden Monat wird es auf einer UN-Versammlung eine Veranstaltung zu dem Thema geben. Der Input kommt von Jessica Erickson und ihren Mitstreiterinnen.

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.