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Unter bestimmten Bedingungen Studie: Elternschaft verändert auch das Gehirn von Vätern

Ein Vater kuschelt mit seinem Baby
© Viktor Kochetkov / Adobe Stock
Das Baby ist da und auf einmal ist der Blick auf die Welt ein anderer. Mamas stellen sich auf das Kleine ein – auch neurologisch. Einer neuen Studie zufolge sind Väter keine Ausnahme.

Ein Baby verändert nicht nur die Beziehungsdynamik. Es führt sogar zu Veränderungen im Gehirn der Eltern. Bei Müttern wurde das bereits mehrfach nachgewiesen und mag unter anderem mit hormonellen Umstellungen zu tun haben. Studien fanden nämlich heraus, dass sich das Gehirn schon während der Schwangerschaft an die neuen Gegebenheiten anpasst und sich verändert. Das nennt sich Neuroplastizität und ist die Fähigkeit des Gehirns, Aufbau und Funktionen so zu verändern, dass es optimal auf neue Einflüsse und Anforderungen reagieren kann. 

Graue Zellen nehmen in der Schwangerschaft ab

Eine Studie stellte fest, dass eine Schwangerschaft bei den Frauen zu einer Abnahme grauer Zellen im Gehirn führte. Diese Substanz besteht aus Milliarden von Neuronen, die eine dünne Schicht auf der Hirnoberfläche bilden. Mit ihr werden unter anderem Intelligenzleistungen in Verbindung gebracht, sie werden aber auch mit Erinnerungen und Emotionen assoziiert. Ein möglicher Grund für diesen Effekt könnte laut Wissenschaftler:innen sein, dass sich der Fokus der Frau durch eine Schwangerschaft verändert. Er wechselt von der eigenen Person zum Fötus, um besser für diesen sorgen zu können.

Nach der Geburt nahmen nicht nur die grauen Zellen, sondern auch das Volumen in anderen Teilen des Gehirns zu. Die Gehirnstrukturen einer Mama und einer Nicht-Mama sind allerdings so unterschiedlich, dass ein Algorithmus den Unterschied anhand von Scans feststellen kann. Weitere Studien gehen davon aus, dass es lang anhaltende Effekte gibt, in denen sich Mütter von kinderlosen Frauen unterscheiden und die noch erforscht werden müssen. 

Und wie ist es bei Vätern?

Das Gehirn von frischen Papas ändert sich ebenfalls. Denn sich um ein Baby zu kümmern, ist eine Fähigkeit, die auch von ihnen erst gelernt werden muss. Dieses Lernen sei ähnlich wie das Lernen einer neuen Sprache oder eines Instruments und sei eine Art von erfahrungsbasierter Veränderung im Gehirn, so die Forschung. Eine Studie stellte fest, dass diese Veränderung auch bei homosexuellen männlichen Bezugspersonen stattfindet. Zeigte man der Hauptbezugsperson ein Foto des Kindes, zeigten sie eine stärkere Verbindung mit dem Teil des Gehirns, der mit der Elternschaft verknüpft ist als weniger involvierte Bezugspersonen.

Studie zeigt: So kann sich das Gehirn von Vätern verändern

Eine Untersuchung von 40 Männern (im Vergleich mit einer Kontrollgruppe aus 17 Männern, die in dem Zeitraum keine Väter wurden) legt nahe, dass sich auch das Gehirn von Neu-Vätern verändert. An der Studie nahmen sowohl Väter aus den USA als auch aus Spanien teil. Es zeigte sich: Während der Schwangerschaft der Beziehungsperson konnten bereits Veränderungen in Arealen des Kortex gefunden werden, die mit visueller Verarbeitung, Aufmerksamkeit und Empathie mit dem Baby in Verbindung gesetzt werden konnten. Im Vergleich zu den Auswirkungen bei Müttern waren die Effekte aber nur halb so stark ausgeprägt.

Die Wissenschaftler:innen vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen der Veränderung des Gehirns und dem Engagement des Vaters als Elternteil besteht. Die Auswirkungen bei spanischen Vätern waren beispielsweise stärker als bei den amerikanischen. Das könnte laut den Forscher:innen daran liegen, dass sie in Spanien die Möglichkeit haben, bezahlten Vaterschaftsurlaub zu nehmen, während Männer in den USA diese meist nicht haben. Dabei könnte die Anpassung des Gehirns an das Vatersein sogar dazu führen, dass Männer besser mit ihren Babys umgehen können – eine Win-Win-Situation für Vater und Kind. Es sei aber weitere Forschung notwendig, um die Vermutung zu bestätigen, so die Wissenschaftler:innen.

Verwendete Quellen: active.medicalpark.de, Max-Planck-Gesellschaft, medlexi.de, nature communications, pnas.org, neurosciencenews.com

Dieser Artikel erschien ursprüngliche bei ELTERN.

lkl

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