Unterhaltsvorschuss: Die vertane Chance

Das Gesetz zum Unterhaltsvorschuss wurde verbessert. Allerdings nützen die Änderungen mehr den Bürokraten als den Kindern. Traurig findet das BRIGITTE-Redakteurin Silke Baumgarten.

180 Euro bekommt eine Mutter vom Staat, wenn der Vater für den Nachwuchs nicht bezahlt. Unterhaltsvorschuss nennt sich das. Damit soll Armut von Kindern verhindert werden. 180 Euro ist die Höchstsumme für ein Kind zwischen sechs und zwölf Jahren. Ist es jünger als sechs, gibt es maximal 133 Euro. Der Staat versucht das Geld vom zahlungsunwilligen Elternteil zurück zu bekommen, größtenteils erfolglos. Warum – das ist ein anderes Kapitel.

Nun wurde das Unterhaltsvorschussgesetz reformiert. Endlich. Schon lange fordern Experten Verbesserungen. Denn bisher wird der Vorschuss längstens sechs Jahre lang gezahlt. Und endet grundsätzlich mit dem zwölften Geburtstag des Kindes. Ganz so, als würde ein 13-Jähriger nichts mehr essen, keine Jeans und keine Schulsachen mehr brauchen.

Doch diese Eckpfeiler des Gesetzes, das in seiner neuen Form am 1. Juli in Kraft tritt, blieben komplett unangetastet. Chance vertan, heraus kam nur ein Entbürokratisierungsgesetz. Nach wie vor werden also jedes Jahr 46.000 Kinder keinen Unterhalt mehr kriegen, weil sie ihn schon sechs Jahre lang erhalten haben. Und für weitere 31.000 Kinder gibt es keinen Cent mehr, weil sie blöderweise 12 Jahre alt geworden sind.

Was indes geändert wurde ist der "Erfüllungsaufwand". Um fünf Minuten, rechnen die Bürokraten vor, verringert sich pro Neuantrag die Zeit, die man braucht um den Antrag auszufüllen. Allerdings nur, wenn die Leistung rückwirkend beantragt wird. Das sei in zehn Prozent der Anträge der Fall und also ergäbe sich "eine Verringerung der Belastung von 92.500 Minuten", jährlich!

Das steht da wirklich. Haben wir Komiker an der Macht? Noch nicht. Aber es besteht die Gefahr, dass Merkels Familienpolitik Satiriker arbeitslos macht.

Text: Silke Baumgarten

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Silke Baumgarten

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