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Noch viel zu lange! Die Gleichstellung in der EU könnte noch drei Generationen dauern

Noch viel zu lange!: Die Gleichstellung in der EU könnte noch drei Generationen dauern
© StunningArt / Shutterstock
Der aktuelle Gleichstellungsindex 2021 der EU zeigt: Frauen sind Männern in keinem Bereich gleichgestellt. Die Aufholjagd zu mehr Macht, Zeit und Geld geht nur schleppend voran.

Die Corona-Pandemie hat eindeutig gezeigt, wie fragil das Konzept der Gleichberechtigung noch ist. Sobald das Land in eine Krise verfällt, verfallen Frauen in die Helfer-Rolle. Während der Pandemie übernahmen sie wieder oder noch stärker den Part der Carearbeit und zweigten dafür Arbeitsstunden im Job ab – der Mann ging weiter arbeiten, da er meist das höhere Gehalt mitbringt.

Die Gleichstellung geht auf EU-Ebene nur langsam voran

Insgesamt geht es in Sachen Gleichstellung auch auf EU-Ebene nicht besonders schnell voran. Im Gleichstellungsindex 2021 erreichte die Europäische Union 68 von möglichen 100 Punkten. Das entspricht einem Zuwachs von 4,9 Punkten im Vergleich zu 2010. Zum Vorjahr ergibt sich ein Zuwachs von 0,6 Punkten.

Mit diesen Daten als Grundlage wird es noch fast drei Generationen dauern, bis eine absolute Geschlechterparität erreicht ist, heißt es in dem Bericht vom Europäischen Institut für Gleichstellung (EIGE). Deutschland liegt knapp über dem EU-Durchschnitt und erreicht 68,6 Punkte. Das sind immerhin sechs Punkte mehr als noch 2010.

Der größte Unterschied zwischen Männern und Frauen liegt im Bereich der Macht

Die Studie hat unterschiedliche Bereiche untersucht – unter anderem Macht, Zeit und Geld. Der größte Unterschied bestehe dabei bei der Macht (55 Punkte). Wichtig ist hier allerdings, dass dieser Sektor einen Anstieg von insgesamt 13,1 Punkten verzeichnet. Das liege laut Studie vor allem an einer stärkeren Beteiligung von Frauen in Entscheidungspositionen in Wirtschaft und Politik.

Im Bereich des Geldes liegt die EU insgesamt bei 82,4 Indexpunkten. Der Bereich Wissen verzeichnet mit 62,7 Punkten nur einen Zuwachs von 2,9 Punkten im Vergleich zu 2010. Zum Vorjahr ist sogar ein Minus von 0,1 erkennbar. Die Ursache sei nach Angaben der Studie die verfestigte Chancenungleichheit bei höheren Bildungsabschlüssen.

Im Bereich der Carearbeit ist sogar ein Rückgang der Gleichberechtigung zu sehen

Der Sektor Zeit bezieht sich auf unbezahlte Arbeit für Haushalt, Kinder und häusliche Pflege und zeigt tatsächlich einen Rückgang auf 64,9 Punkte. Die Corona-Pandemie habe ihren Teil dazu beigetragen, dass die Gleichstellung sogar Rückschritte macht.

Insgesamt sind zwischen den Ländern einige Unterschiede im Gesamtindex zu erkennen. Während Schweden mit 83,9 Punkten voran geht ist Griechenland mit 52,5 Punkten das Schlusslicht.

Verwendete Quellen: Gleichstellungsindex 2021, eige.europa.eu, zeit.de

slr Brigitte

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